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12.01.2005

07:00 Uhr

Stanley Fischer, der ehemalige Vize-Chef des IWF, wird Notenbankchef in Israel

Wie eine Ente im Wasser

VonC. Rabe (K. Engelen, Handelsblatt)

Vielen Europäern, egal ob Notenbankern oder Finanzministern, war er gelegentlich unheimlich, der designierte Chef der israelischen Notenbank. Sie wussten, damals als Vize-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) agierte er oft mit heruntergeklapptem Visier - und oft im Interesse der Amerikaner.

DÜSSELDORF. Und das in der ihm typischen Art: Leise spricht er, gibt sich bescheiden und drängt sich nicht in den Vordergrund. Doch was er druckreif formuliert, hat stets Hand und Fuß. Sein diplomatisches Auftreten hilft ihm, seine oft harten Positionen bei der Durchsetzung mächtiger Interessen zu kaschieren.

Immer war er ein enger Freund Israels, ein überzeugter Zionist, wie die "Jerusalem Post" anmerkt. Dass er nun, gegen Ende seiner Karriere, auf dem Chefsessel der israelischen Notenbank landet, ist insofern sogar schlüssig, selbst wenn etliche Beobachter nicht auf ihn als Nachfolger David Kleins gesetzt haben. Premierminister Ariel Scharon sieht in der Verständigung auf Fischer jedenfalls eine "goldene Gelegenheit" für Israels Wirtschaft, die nach jahrelanger Auszehrung durch den Nahostkonflikt dringend neue Impulse benötigt.

Fischer ist nicht der Erste aus der ehemaligen Führungsriege des IWF, der den Gouverneursjob in Israel übernimmt. Ähnlichkeiten mit einem anderen prominenten Ökonomen und IWF-Granden, Jacob Frenkel, der sich in den 90er-Jahren überreden ließ, den Posten des IWF-Chefökonomen mit dem Spitzenamt in der Notenbank zu tauschen, sind nicht zu übersehen.

Als aktives Mitglied der weltumspannenden jüdischen Gemeinde machte Fischer aus seinem Interesse am Wohlergehen Israels nie einen Hehl. Die Beschäftigung mit dem Land zieht sich wie ein roter Faden durch die Vita des perfekt Hebräisch sprechenden derzeitigen Vizepräsidenten der US-Großbank Citigroup. Schon als Student an der Londoner School of Economics (LSE) zog es ihn in das Gelobte Land, als Gastprofessor lehrte er 1972 dort und beriet im Gefolge von US-Außenminister George Shultz Mitte der 80er die israelische Regierung beim Kampf gegen die Hyperinflation.

Für Israel und seine Überzeugungen verzichtet Fischer nun sogar auf sein Spitzengehalt: In Israel erhält er monatlich nur 56 000 Schekel (rund 9 500 Euro), ein Bruchteil seines Salärs bei der Citigroup. Dass Fischer für den Top-Job in der Notenbank in Frage kam, hat er nicht nur der Affinität zu Land und Leuten zu verdanken, sondern seiner Reputation als international versierter Volkswirt.

Das Rüstzeug für seine Karriere erwarb sich der 1943 in Sambia geborene Fischer nicht nur an der LSE, sondern vor allem am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort lernte er, Abschied von seiner Jugendvorstellung zu nehmen, wonach "England das Zentrum des Universums" sei. Die Wissenschaftler Paul A. Samuelson und Robert Solow gaben den Ausschlag für das MIT, wo er im Alter von 26 Jahren promovierte.

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