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21.02.2012

09:15 Uhr

Stefan Schulte

Der sich im Tarifkampf im Recht fühlt

VonJens Koenen

Der Fraport-Chef hält sich im Arbeitskampf der Vorfeldmitarbeiter im Hintergrund. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ex-Personalvorstand alle Kniffe kennt.

Fraport-Chef Stefan Schulte bleibt hart. dapd

Fraport-Chef Stefan Schulte bleibt hart.

FrankfurtDie öffentlichen Auftritte überlässt Stefan Schulte, der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, dieses Mal anderen: seinem Vorstandskollegen Herbert Mai etwa, ehemaliger Gewerkschaftler und Arbeitsdirektor von Fraport, oder auch Peter Schmitz, der für das tägliche Geschäft zuständige Vorstand. Sie sind es, die vor die Kameras treten, wenn es um den Streik der Vorfeldmitarbeiter geht, der auch gestern wieder die Abläufe an Deutschlands größtem Flughafen störte. Doch im Hintergrund gibt der Chef die Richtung vor. Und die heißt: hart bleiben.

Den vierten Tag in Folge werden die 200 Vorfeldmitarbeiter von Fraport heute ihre Arbeit niederlegen. Doch Schulte beeindruckt das wenig. Kein Kompromissangbot, kein Entgegenkommen, nicht mal ein Hauch von Verständnis. Schulte gibt sich hart, allerdings ohne stur zu sein. Man sei für Verhandlungen offen, aber dazu müsse die Gewerkschaft der Flugsicherung erst den Streik beenden und die "starrsinnige Haltung" aufgeben.

Was die Vorfeldmitarbeiter am Frankfurter Flughafen fordern

Mehr Geld für weniger Arbeit

Mehr Geld für weniger Arbeit, so lauten knapp zusammengefasst die Forderungen der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für ihre Mitglieder am Frankfurter Flughafen. Die Eckdaten nach Angaben vom Flughafenbetreiber Fraport. Die GdF macht bisher keine genauen Angaben. (Quelle: dpa)

Vorfeldkontrolleure

Sie verdienen bislang zwischen 53.000 und knapp 70.000 Euro im Jahr. Die GdF fordert nach Angaben von Fraport eine Steigerung der Grundgehälter auf knapp 80.000 bis 87.000 Euro pro Jahr. Außerdem verlangt die Gewerkschaft zehn Prozent höhere Zulagen und eine um 13 Prozent abgesenkte Arbeitszeit.

Vorfeldaufsicht

Für diese Mitarbeitergruppe soll es nach dem Willen der Gewerkschaft Spitzengehälter von 60.700 Euro im Jahr geben - bislang sind es 42.000 Euro. Die Nettowochenarbeitszeit soll um neun Prozent reduziert werden, die Zulagen sollen um zehn Prozent steigen.

Verkehrszentrale

Als Spitzengehalt sind ebenfalls 60.700 Euro anvisiert - bislang verdienen die Mitarbeiter bis zu knapp 52.000 Euro. Weitere Forderung: Zehn Prozent höhere Zulagen, zehn Prozent weniger Arbeitszeit.

Der gebürtige Wuppertaler - Schulte kam dort am 9. April 1960 zur Welt - weiß, dass sein wichtigster Kunde in Frankfurt, die Lufthansa, seinen Kurs mitträgt. Die Airline hat viele Erfahrungen mit selbstbewussten Spartengewerkschaften gesammelt. Denen einmal die Grenzen aufzuzeigen, das findet auch in der Lufthansa-Spitze Beifall.

Der 51-Jährige fühlt sich aber vor allem im Recht. Bis zu 70 Prozent mehr Lohn, das ist nach seiner Meinung weder angemessen, noch passt es in die aktuelle Zeit. Gerade erst hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für über 10 000 Mitarbeiter einen Zukunftsvertrag mit Fraport geschlossen, und der sieht das Gegenteil vor: Kosten senken. Es war vor allem Schulte, der diesen Zukunftsvertrag vorantrieb. Diesen Erfolg will er sich jetzt nicht durch 200 Mitarbeiter, die zum Teil auch noch leicht zu ersetzen sind, relativieren lassen.

Vorfeld-Streik kostet Fraport Millionen

Video: Vorfeld-Streik kostet Fraport Millionen

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Schulte kam 2003 vom Motorenbauer Deutz zu Fraport, wo er als Personalvorstand Erfahrungen mit Gewerkschaften und Tarifparteien sammelte. In Frankfurt wurde er zunächst Finanzvorstand. Dort lernte Schulte schnell, wie man sich in unübersichtlicher Gemengelage durchsetzt. Schließlich gehört Fraport zu großen Teilen dem Land Hessen. Und verglichen mit dem sicheren Auftreten auf politischem Parkett, ist der Umgang mit 200 renitenten Mitarbeitern ein Kinderspiel - vor allem weil Schulte CDU-Parteimitglied ist.

Der Streik kommt für ihn ungelegen. Denn eigentlich bearbeitet er derzeit eine ganz andere Baustelle. Montag für Montag versammeln sich seit einiger Zeit Tausende von Anwohnern des Flughafens, um gegen den Fluglärm zu protestieren. Durch die neue Landebahn haben sich die Flugrouten geändert. Das sorgt für Ärger. So sehr, dass Schulte sich nun mit seinen Kunden Lufthansa und Condor zusammengetan hat, um am 1. März auf dem Frankfurter Römer selbst zu demonstrieren - für den Flughafen, für "Ja zu FRA".

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Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.02.2012, 09:24 Uhr

Ich danke ihnen, dass sie dafür sorgen, dass wir hier keine griechischen Verhältnisse bekommen. Eine Lohnsteigerung steht jedem zu, allerdings muss Sie auch in einem vertretbaren Rahmen geschehen. Wo der genau liegt ist schwer zu sagen, aber das hier liegt definitiv ausserhalb des Rahmens.

Realist

21.02.2012, 09:35 Uhr

Was für ein Schwachsinn, der da mal wieder von einer Gewerkschaft kommt. Bis zu 70% mehr Lohn bei geringerer Arbeitszeit. Die Pillen will ich auch, scheinen ja Flügel zu verleihen. Meine Bitte an Fraport, bleibt hart. Nix gegen Lohnerhöhungen, aber das sind Fantasiegebilde.

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