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10.05.2016

19:37 Uhr

Stellenabbau

Bilfinger will Jobs streichen und Millionen sparen

Der Bau und Dienstleistungskonzern Bilfinger reagiert mit Stellenabbau auf die anhaltende Krise. 100 Millionen Euro jährlich sollen so eingespart werden. Zugleich will das Unternehmen auch auf anderem Wege gegensteuern.

Der Bau- und Dienstleistungskonzern will durch den Abbau von Stellen jährlich rund 100 Millionen Euro einsparen. dpa

Bilfinger

Der Bau- und Dienstleistungskonzern will durch den Abbau von Stellen jährlich rund 100 Millionen Euro einsparen.

MannheimDer kriselnde Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger streicht weitere Stellen. Durch ein Straffen der Verwaltung und neue IT-Systeme sollten die Personal- und Sachkosten mittelfristig um jährlich etwa 100 Millionen Euro gesenkt werden, teilte Bilfinger am Montagabend mit. In der Konzernzentrale in Mannheim werden demnach Arbeitsplätze abgebaut. Eine Zahl nannte Bilfinger dazu nicht. Die Entscheidung über einen Verkauf des Bau- und Immobiliengeschäfts soll erst in zwei bis drei Wochen fallen - ursprünglich sollte bis zur Hauptversammlung am Mittwoch Klarheit herrschen.

Für den jetzt angekündigten Umbau seien Einmalaufwendungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich geplant, erklärte Bilfinger. Die Kostensenkungen sollen ab dem kommenden Jahr wirksam werden. Das Sparprogramm wurde an der Börse positiv aufgenommen. „Wenn die Kosten mittelfristig wirklich um 100 Millionen Euro gesenkt werden können, werden die Einmal-Kosten als sehr gute Investition gewertet“, sagte ein Händler.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Der Konzern aus Nordbaden steckt seit rund zwei Jahren in der Krise. Im vergangenen Jahr hatte Bilfinger wegen des Einbruchs im Kraftwerksgeschäft einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro ausgewiesen. Die verlustreiche Kraftwerkssparte "Power" steht schon länger zum Verkauf. Die Zahl der Mitarbeiter sank durch den Abbau von rund 2000 Stellen und das Herausrechnen des Kraftwerksgeschäfts bereits um 15.000 auf rund 56.000.

Mit dem Verkauf des Bau- und Immobiliengeschäfts würde sich Bilfinger halbieren und die Wurzeln zu seiner mehr als 130 Jahre alten Tradition als Baukonzern endgültig kappen. Eigentlich sollte die Sparte neben den Industriediensten als Kerngeschäft bleiben. Doch zu Jahresbeginn hatte Bilfinger eine ergebnisoffene Prüfung eines Verkaufs angekündigt, da es Kaufangebote gegeben habe. Der Prüfprozess sei in einem fortgeschrittenen Stadium, hieß es dazu jetzt. Gespräche mit Bietern würden mit größter Sorgfalt fortgeführt.

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Linde-Vorstand Thomas Blades wird neuer Chef beim krisengeschüttelten Bilfinger-Konzern. Der Brite kennt sich gut im Öl- und Gasgeschäft aus. Nun muss er in Mannheim radikale Veränderungen durchsetzen.

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sträuben sich gegen einen Verkauf. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, ist die Mehrheit des Aufsichtsrats gegen den vom schwedischen Großaktionär Cevian bevorzugten Verkaufsplan. „Die Chancen für den Verbleib stehen 50:50“, sagte ein Bilfinger-Vertreter der Zeitung.

Vor kurzem erst hatte Vorstandschef Per Utnegaard nach nur elf Monaten das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger Thomas Blades – seit dem Abgang des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch vor knapp zwei Jahren der Vierte in diesem Amt – kommt im dritten Quartal. Auf zwei Aufsichtsratsmitglieder wird er dann nicht mehr treffen. Wie Bilfinger am Dienstagabend mitteilte, steht John Feldmann für eine Wiederwahl in den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am Mittwoch nicht mehr zur Verfügung. Grund dafür seien unterschiedliche Auffassungen „zu Strategie und Positionierung von Bilfinger“. Zudem kündigte Hans Peter Ring an, „aus persönlichen Gründen“ für eine Wiederwahl nicht mehr antreten zu wollen.

Von

rtr

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