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09.01.2010

11:21 Uhr

Stephan Wrage

Den Wind im Rücken, doch die Krise im Nacken

VonStefani Hergert

Stephan Wrage hat mit seiner Firma Skysails bewiesen, dass ein Drachen Frachter ziehen kann. Durch seine Idee können Reeder Treibstoff sparen, ohne die eigene Flotte kostspielig umzubauen. Die jahrelange Hartnäckigkeit des Erfinders verhalf der Erfindung nun zur Marktreife. Offen ist nur, ob der Markt reif ist für seine Idee.

Ein Drache voraus: Skysails spart den Treibstoff der Frachter. dpa

Ein Drache voraus: Skysails spart den Treibstoff der Frachter.

HAMBURG. Omas alte Nähmaschine musste für die ersten Eigenkreationen herhalten. Im Keller stand sie, angetrieben mit einem Pedal und der eigenen Fußkraft. Zwei Burschen im Alter von 13 Jahren saßen daran, gebeugt über einem Stück Spinnaker-Nylon, aus dem ein Drachen entstehen sollte.

Die ersten eigenen Lenkdrachen haben Stephan Wrage und ein Freund damals auf der alten Maschine genäht - weil die modernen Elektronähmaschinen durch den Stoff gar nicht durchgekommen wären. Für die Verstärkung nahmen die beiden Bänder von Anschnallgurten - alles finanziert vom Taschengeld. In die salzige Luft des Hamburger Elbstrandes stiegen die Drachen der beiden regelmäßig auf. Noch heute blitzen Wrages braune Augen auf, weicht ein Stück weit die Ruhe von ihm, wenn er von den Jugendtagen berichtet.

Aus dem 13-jährigen Drachenlenker ist der 37-jährige Unternehmenslenker und einer der wenigen deutschen Young Global Leader im Netzwerk des Weltwirtschaftsforums geworden. Die Leidenschaft für Drachen und Segeln ist Wrage geblieben - und die für nachhaltiges Wirtschaften hinzugekommen. Wrage, dessen wirre Locken so gar nicht zu dem unscheinbaren, bedachten und zurückhaltenden Macher passen, hat sein eigenes Unternehmen aufgebaut. Skysails entwickelt und produziert Zugdrachen, die scheinbar mühelos tonnenschwere Frachter über das Wasser ziehen können. Vier schippern derzeit über die sieben Weltmeere und sparen mit dem Zusatzantrieb jede Menge Diesel - wenn der Wind gut steht schon mal 50, im Schnitt zwischen zehn und 35 Prozent. Neun Jahre hat er gebraucht, um allen zu zeigen, dass die Idee funktioniert, der Zugdrachenantrieb ist marktreif.

Ungünstiger kann der Zeitpunkt für die Markteinführung kaum sein. Die Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren in der Schifffahrt hinterlassen. An vieles denken die Reeder derzeit - Investitionen von einer halben bis einer Million Euro in einen Zugdrachen gehören eher nicht dazu. Keine rosigen Aussichten, zumal auch noch der Hauptinvestor seinen Ausstieg vorbereitet. Doch wenn es einer schafft, dann Wrage. Er hat bewiesen, dass er eines kann: durchhalten.

"Viele andere hätten die Idee schon lange verkauft", sagt Gerhard Jensen, Geschäftsführer des Schiffsantriebsherstellers Schottel, der im Beirat von Skysails sitzt. Denn aushalten musste Wrage einiges. "Grüner Spinner" nannten sie ihn, als er mit seiner Idee an die Öffentlichkeit ging. "Und das war noch ein Lob", sagt Wrage. "Da gab es noch deutlich massivere Anfeindungen." Hinzu kamen technologische Hürden - und die notorisch klamme Unternehmenskasse. Doch Wrage ist neben dem Geschäftsmann zu sehr Weltverbesserer um aufzugeben. "Das, was wir tun, ist auf den ersten Blick nachhaltig und sinnvoll. Es klingt zwar kitschig, aber es geht einem ein Stück weit das Herz auf", sagt er. Und schiebt Sätze hinterher, wie den, dass der Mensch ja ein polares Wesen sei, wertorientiert und sinnsuchend.

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