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23.04.2013

20:42 Uhr

Steueraffäre

Hoeneß nur auf Kaution frei

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, befindet sich laut "Süddeutscher Zeitung" nur wegen der Zahlung einer Millionen-Kaution auf freiem Fuß. Hoeneß sei am 20. März vorläufig festgenommen worden

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß. Archivbild vom 9.12.2012. dpa

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß. Archivbild vom 9.12.2012.

MünchenDie Steueraffäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird immer brisanter. Der Aufsichtsratschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters ist laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) im März vorläufig festgenommen worden. Gegen Hoeneß lag nach „SZ“-Informationen ein Haftbefehl vor, der außer Vollzug gesetzt wurde. Dies wurde der dpa aus Justizkreisen bestätigt. Der 61-Jährige hat laut „SZ“ eine Kaution in Millionenhöhe hinterlegt. Nach einer Selbstanzeige im Januar hatte die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgenommen.

Hoeneß' Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, auch vom FC Bayern gab es keinen Kommentar. Hoeneß bemüht sich derzeit um Schadensbegrenzung. „Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen“, betonte der Unternehmer in der „Sport Bild“ (Mittwoch). Negative Folgen für den deutschen Fußball befürchtet unterdessen der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Da werden wir nun einige Häme zu spüren bekommen“, sagte Zwanziger.

Dagegen verteidigte Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer seinen langjährigen Weggefährten. „Uli Hoeneß ist kein Betrüger, da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen, das kann sein“, sagte Beckenbauer im TV-Sender Sky Sport News HD. „Ich halte zu ihm, immer, ganz gleich was passiert, das habe ich ihm auch gestern auf Band gesprochen“, erklärte der Weltmeister von 1974.

Die Nachricht von Mario Götzes Königstransfer an die Isar löste die Steuercausa Hoeneß am Dienstag nur kurzzeitig als Gesprächsthema Nummer eins vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona ab. Der 61-Jährige hatte sich via „Sport Bild“ noch einmal zu Wort gemeldet: „Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit.“

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Am Montag hatte Hoeneß angekündigt, vorerst keine Details zu der brisanten Steuersache nennen zu wollen. „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere“, sagte Hoeneß, der am Dienstagabend eine gute Stunde vor dem Königsklassen-Knaller in der Münchner Arena eintraf.

Hoeneß hatte die brisante Angelegenheit nach eigenen Angaben eigentlich über das von der Bundesregierung aus Union und FDP angepeilte Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen. Dieses war im Bundesrat am Widerstand der von SPD und Grünen regierten Bundesländer gescheitert. Danach stellte Hoeneß die Selbstanzeige.

Kommentare (39)

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Hermosa

23.04.2013, 18:46 Uhr

...ich kannn nur sagen:

Es ist eine "Watschn" für alle ehrlichen Steuerzahler


Es zeigt, Amigos sind everywhere

und

die Politik ist hier nicht ausgeschlossen!

Es herrscht eine Doppelmoral und Heuchelei in unserem Land, die sucht seines Gleichen!

Von daher

....macht es wie Uli Hoeneß....Steuervermeidung wo es nur geht!


Wir, die Bürger sollen zahlen ,zahlen , zahlen und die Anderen incl. unsere Politiker

....machen was sie wollen!






Tax_Avoider

23.04.2013, 18:50 Uhr

In 2012 hat der dt. Staat uns

- € 149 Mrd. an Lohnsteuer,
- € 8 Mrd. an Abgeltungsteuer und
- € 195 Mrd. an Umsatzsteuern geraubt.

Ganz zu schweigen von reinen Bundes- (zB € 39 Mrd. Energiesteuer, € 14 Mrd. Soli etc.), Länder- (zB € 7 Mrd. Grunderwerbsteuer) und Gemeindesteuern (zB € 12 Mrd. Grundsteuer B). Und was macht der Staat mit unserem Geld? Er wirft es den EU-Schuldnerländern vor die Füße um deren Defizite zu finanzieren.

(...)
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Account gelöscht!

23.04.2013, 18:53 Uhr

Der arme Herr Hoeness hat derzeit wirklich keine gute Zeit mit seinem Eigentor. Zum Glueck hat man kein Pferdefleisch in seiner Wurst gefunden. Dies haette ihm jetzt sicherlich gerade noch gefehlt :-)

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