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10.05.2016

17:31 Uhr

Strabag in Deutschland

Die Sanierer des Berliner Flughafens sind optimistisch

VonMartin Tofern

Strabag ist auf den Bau von Straßen und Schienen spezialisiert, baut aber auch Kanäle oder Hochwasserdämme. An einer deutschen Großbaustelle hat der drittgrößte Baukonzern besonders gut verdient.

Die Firma Strabag hatte den Auftrag, die nördliche Start- und Landebahn am Flughafen Berlin-Schönefeld zu sanieren. Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Flughafen Berlin-Schönefeld

Die Firma Strabag hatte den Auftrag, die nördliche Start- und Landebahn am Flughafen Berlin-Schönefeld zu sanieren.

KölnEs gibt sicher viele Manager von Baukonzernen, die beruflich gern ein so unspektakuläres Leben hätten wie Peter Kern und Marcus Kaller. Die beiden Vorstände der deutschen Strabag konnten heute in Köln eine sehr solide Unternehmensbilanz präsentieren. So stieg der Umsatz des Konzerns im Jahr 2015 um 4 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Auch das Ergebnis hat die Erwartungen erfüllt: Das Ebit stieg von 49 Millionen auf 123 Millionen Euro und das EBT von 40 Millionen auf 119 Millionen Euro.

Strabag ist auf den Bau von Straßen und Schienen spezialisiert, baut aber auch Kanäle oder Hochwasserdämme. Es handelt sich um den drittgrößten Baukonzern in Deutschland, die Konzernmutter Strabag SE sitzt in der österreichischen Hauptstadt Wien.

Ebenfalls über Vorjahresniveau lag der Auftragseingang im Verkehrswegebau – nämlich bei 2,1 Milliarden Euro. So schlugen allein der Ausbau der Autobahn A3 und die Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn am Flughafen Berlin-Schönefeld mit einer Auftragssumme von insgesamt rund 130 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt könnten es aber deutlich mehr Aufträge sein. „Weder der Bund noch die Kommunen konnten ihre Auftragsvergabe steigern“, erklärt Strabag-Vorstand Peter Kern.

Claim Management: Die Schiris vom Bau

Claim Management

Die Schiris vom Bau

Wenn auf dem Bau etwas schiefgeht, stellen Vertragspartner häufig finanzielle Forderungen. Ob diese berechtigt sind oder nicht, das prüft in der Regel ein Claim Manager, eine Art Schiedsrichter für Nachforderungen.

Das ist ausbaufähig, Strabag ist nach eigener Darstellung zu 70 bis 80 Prozent abhängig von staatlichen Aufträgen. Staatliche Stellen, allen voran das Bundesverkehrsministerium, haben zwar beschlossen, kräftig in den Ausbau und die Sanierung von Straßen und Schienen zu investieren. So soll das Budget des Bundes bis 2018 von 10,6 Milliarden Euro pro Jahr auf 13 Milliarden angehoben werden.

Allerdings reicht es nicht, diese Summen nur zur Verfügung zu stellen, sie müssen auch abgerufen und letztlich auf die Straße gebracht werden. Dass das häufig nicht geschieht, liegt am Planungsstau: Bund, Länder und Gemeinden beschäftigen mittlerweile viel zu wenig Bauingenieure, die diese Planungen auf den Weg bringen. Das Geld bleibt ungenutzt und viele Straßen löchrig.

Strabag-Chef Kern hat einen Vorschlag zur Lösung des „Investitionsrückstaus“: „Planungsleistungen, die bisher von den Auftraggebern erstellt wurden, müssen auf die Bauausführenden übertragen werden.“ Die Branche könne durchaus mehr „Design+Built-Aufgaben“ übernehmen, die Digitalisierung biete mittlerweile Plattformen hierfür. So verfüge auch die Strabag über die notwendigen Kapazitäten.

Freilich tun sich die Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden schwer damit, solche Aufgaben abzugeben. Doch gescheiterte Großprojekte wie der neue Berliner Flughafen BER zeigen, dass es notwendig ist. Ein inzwischen sehr positives Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg: Seit sich die Stadt und der Baukonzern Hochtief darauf geeinigt haben, dass sich die Stadt als Bauherr zurückhält, läuft es. Das Konzerthaus wird nun wie versprochen am 11. Januar 2017 eröffnet.

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