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26.02.2004

11:44 Uhr

Strategie

Mehr Prinzen für Schneewittchen

VonConstantin Gillies

Die Personalabteilungen schrumpfen auf die nicht auszulagernden Teile zusammen - und werden damit interessanter für MBA-Absolventen.

HB DÜSSELDORF. „Cinderella-Function“ – so nennen amerikanische Manager spöttisch die Personalabteilung. Doch das Bild von der Human Ressources-Abteilung (HR) als Aschenputtel der Organisation, als Biotop wirtschaftsferner Exoten könnte sich ändern. Denn Personalabteilungen jenseits des Atlantiks werden zunehmend von klassisch ausgebildeten Managern geführt. Bei IBM etwa haben 20 Prozent aller Neueinstellungen im Personalbereich einen MBA-Abschluss, Tendenz steigend.

Der Hintergrund: Viele Unternehmen haben die reine Verwaltung mittlerweile ausgelagert und per Software automatisiert. Dass Mitarbeiter Weiterbildung im Intranet buchen oder Urlaub beantragen, ist vielerorts schon Standard. Was den Personalern bleibt, ist das langfristige, strategische Management der Ressource Mensch. Und für diese Aufgabe werden Profis mit Wirtschaftsdenke gebraucht.

Größeres Interesse am Personalwesen

Vor allem technisch orientierte Unternehmen haben das erkannt. „Wir benötigen Führungskräfte in der Personalabteilung, die den Blick für das Geschäft stets im Auge behalten“, sagt etwa Michael Heuser, Leiter People and Management Development bei T-Systems, einer Tochter der Deutschen Telekom. Der Personalmanager bestätigt, dass aus diesem Grund mehr Betriebswirte und MBA-Absolventen eingestellt werden.

In der Managementausbildung zeichnet sich der neue Bedarf bereits ab. „Personalmanagement gewinnt auf der Master-Ebene an Bedeutung“, bestätigt Karlheinz Schwuchow, Geschäftsführer der Gisma, einer privaten Hochschule in Hannover. Unter seinen Diplomanden beobachtet der Professor größeres Interesse am Personalwesen: „Harte Themen wie etwa Personalcontrolling spielen eine größere Rolle.“ An US-Hochschulen ist die Nachfrage nach MBA für den Personalbereich schon deutlicher spürbar: So belegten die Studenten an der Business School der University of Michigan im letzten Jahr 40 Prozent mehr Kurse, die mit HR-Themen zu tun haben.

Zieht also mit der nächsten Generation von Hochschulabsolventen eine neue Wirtschaftsdenke in die Personalabteilungen ein? Christian Scholz, Professor an der Universität des Saarlandes ist skeptisch: „Diese Entwicklung vollzieht sich nur sehr langsam; die meisten Personalabteilungen versuchen immer noch, unter der Welle durchzutauchen.“ Doch der Personalexperte macht den Vorreitern Hoffnung: Unternehmen, die heute ihre Personalabteilung strategisch aufstellen, profitieren davon morgen als erste.“

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