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14.02.2017

14:41 Uhr

Strategiewechsel

Bilfinger – die ewige Baustelle

VonJens Koenen, Maike Freund

Der angeschlagene Industriedienstleister Bilfinger legt seine Zahlen vor – und gleichzeitig eine neue Strategie für den Konzern. Diese ist ein Anfang, doch die Probleme sind längst noch nicht gelöst. Eine Analyse.

Der Vorstandsvorsitzende des Industriedienstleisters, Tom Blades, verkündet die neue Strategie von Bilfinger. dpa

Bilfinger-Chef Tom Blades

Der Vorstandsvorsitzende des Industriedienstleisters, Tom Blades, verkündet die neue Strategie von Bilfinger.

Düsseldorf, MannheimEines macht Thomas Blades gleich zu Beginn klar: Die neue Strategie, die der Chef des Industriedienstleisters Bilfinger in den kommenden Minuten in Mannheim vorstellen wird, ist nicht nur seine. „Wir haben sie entwickelt. Und wenn ich sage wir, meine ich nicht den Vorstand oder den Aufsichtsrat, ich meine: Die gesamte Mannschaft hat sie entwickelt, jeder trägt sie mit.“

Ein kluger Schachzug: Denn der 60-jährige Blades will die Fehler der früheren Bilfinger-CEOs nicht wiederholen. Seine Vorgänger, Roland Koch und Per Utnegaard, hatten sich verzettelt. Der eine mit einer übereilten Internationalisierung, ohne die Märkte richtig zu kennen. Der andere vergaß beim Umbau des Konzerns, die Belegschaft einzubeziehen.

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Der Aktienkurs von Bilfinger ist wieder gestiegen, das Geschäft stabilisiert sich. Große Hoffnung setzt CEO Blades auf Geschäfte in Iran – doch er bleibt vorsichtig und geht neue Projekte mit Bedacht an. Ein Interview.

Zwar hatte der ehemalige Vorstandschef Herbert Bodner bereits vor Koch frühzeitig festgelegt, das risikostarke und margenschwache Baugeschäft zu reduzieren und gleichzeitig die Dienstleistungssparte auszubauen. Doch Managementfehler, der Einbruch im klassischen Kraftwerksgeschäft und mehrere Chefwechsel hatten dem Unternehmen schwere Turbulenzen beschert. Viermal musste die eigene Prognose kassiert werden, jede Menge Vertrauen wurde an den Kapitalmärkten zerstört.

Jetzt soll eine neue Strategie das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. „Wenn wir die umsetzen, werden wir Bilfinger auch wieder dorthin bringen, wo Bilfinger hingehört“, zeigte sich Blades zuversichtlich. „2-4-6“ nennt sich die neue Marschrichtung.

Konkret heißt das: Bilfinger konzentriert sich auf zwei Geschäftsfelder, Engineering & Technologies (E&T) und Maintenance, Modifications & Operations (MMO). Vier Regionen bilden für das Unternehmen den Kernmarkt: Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Nahost. Und: Sechs Sparten sind in Zukunft die Zielindustrien – Chemie und Petrochemie, Energie und Versorgung, Öl und Gas, Pharma und Biopharma, und Metallurgie sowie jetzt auch Zement.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Die Strategie klingt erst mal schlüssig – und bietet Potenzial. Der Konzern bleibt nicht in Europa, er definiert auch andere Märkte für sich, doch eben nicht fast wahllos alle. „Es bleibt ein kleiner Teil von Firmen, die nicht in die neue Strategie passen“, sagt Blades. Das gelte etwa für Aktivitäten in Südafrika, die zum richtigen Zeitpunkt verkauft werden sollen.

Und: Blades will nicht mehr auf Teufel komm heraus alles loswerden, was mit der Energiesparte zu tun hat. Sondern er schaut, welche Teile aus diesem Geschäft in die beiden neuen Sparten passen. Was nicht mehr passt, wird verkauft – aber eben in Ruhe.

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