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28.02.2012

13:19 Uhr

Streiks in Frankfurt

Bosse kämpfen vereint gegen Kleinstgewerkschaften

VonDietrich Creutzburg, Jens Koenen

In Frankfurt wird gestreikt - und die Manager von Fraport, Lufthansa und anderen Firmen tun sich für eine neue Tarifpolitik zusammen. Sie sehen sich einem unangenehmen Gegner gegenüber: den Spartengewerkschaften.

Weiter Flugausfälle in Frankfurt

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Berlin, FrankfurtWer in diesen Tagen Stefan Lauer auf das Thema Tarifverhandlungen anspricht, merkt, wie geladen der Personalvorstand von Lufthansa ist. „Nicht nur Lufthansa muss Nachahmer fürchten, die ganze Republik sollte sie fürchten“, sagt er beim Blick auf das Vorfeld des Frankfurter Flughafens.

Seit Sonntagabend streiken dort erneut rund 200 Vorfeldmitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport. 140 Flüge musste Europas größte Fluggesellschaft gestern absagen. Und heute kam es noch schlimmer: Weil Fraport das Vorfeld mit Ersatzpersonal ausstattet, verpufft der Streik. Deshalb kündigten nun sogar die Fluglotsen den Solidaritätsstreik an - ab Mittwoch 5 Uhr.

Das sieht der Schlichterspruch vor

Geltungsbereich

Der Schlichterspruch des früheren Ersten Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust, wird in den Verhandlungen zwischen Fraport und GdF wieder eine bedeutende Rolle spielen. Der Spruch betrifft die Beschäftigten in den Bereichen Zentrale Vorfeldkontrolle, Verkehrszentrale und Vorfeldaufsicht. Bis spätestens 1. August 2012 sollen sollen diese operativen Funktionen auf ein rechtlich selbstständiges Unternehmen übertragen werden.

Laufzeit

Der Schlichterspruch sieht eine Laufzeit von vier Jahren vor. Der Tarifvertrag sollte am 1. Januar 2012 beginnen und bis zum 31. Dezember 2015 laufen.

Entgelte

Für die Mitarbeiter der Vorfeldkontrolle werden im Schlichterspruch die Forderungen der GdF zugrunde gelegt. Nach Fraport-Angaben sollen die Kontrolleure zwischen knapp 80.000 und knapp 87.000 Euro gefordert haben. Für die Beschäftigten der Verkehrszentrale sind Entgelte zwischen 50.500 Euro (Disponent) und 64.000 Euro (Schichtleitung) vorgesehen. Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht sollen zwischen fünf und acht Prozent weniger als ihre Kollegen der Verkehrszentrale erhalten. 50 Prozent der Erhöhungsbeträge sind ab dem 1. Januar 2012 vorgesehen, die weiteren 50 Prozent ab dem 1. Januar 2014.

Nachtzeitraum

Für die ersten beiden Geltungsjahre des Tarifvertrages (2012 und 2013) soll die Zeit von 21 bis 6 Uhr morgens als Nachtzeitraum gelten. Ab 2014 beginnt die Nacht für die Vorfeldmitarbeiter eine Stunde früher und geht dann von 20 bis 6 Uhr.

Überstundenvergütung

Für Überstunden sind im Schlichterspruch Zuschläge von 35 Prozent vorgesehen. Die Zuschläge sollen für alle drei Berufsgruppen gelten.

Rufbereitschaft

Sind Mitarbeiter in Bereitschaft, so sollen sie dafür 40 Prozent einer regulären Arbeitsstunde angerechnet bekommen. Die Hälfte davon sind laut Schlichterspruch in Freizeitausgleich, die andere Hälfte in Entgelt zu vergüten.

Die Folgen dürften erheblich sein. Doch auch das Eis, auf dem sich die Gewerkschaft bewegt, würde dünner. Denn nach gängiger Rechtssprechung darf ein Solidaritätsstreik nicht heftigere Folgen haben als der Hauptstreik. Das wäre hier der Fall.

Die Betroffenen drohten gleich am Dienstagmorgen mit juristischen Maßnahmen: Fraport und die Lufthansa wollen den geplanten Streik der Fluglotsen am Frankfurter Flughafen vor Gericht stoppen. Fraport und die Airline würden juristische Schritte in Form einer einstweiligen Verfügung gegen die Arbeitsniederlegung einleiten, teilte der Betreiber des Frankfurter Flughafens am Dienstag mit. Die Fluglotsen wollen ihre Arbeit am Mittwoch von fünf Uhr bis elf Uhr niederlegen.

Tarifstreit: Fraport und Lufthansa wehren sich gegen Fluglotsen-Streik

Tarifstreit

Fraport beantragt einstweilige Verfügung

Auch die Fluglotsen sind im Ausstand - Fraport und Lufthansa wehren sich juristisch.

Dabei trifft der Streik schon jetzt Unternehmen, die gar nicht bestreikt werden: Lufthansa etwa hat bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz verloren. Und doch begehrt die Airline nicht gegen Fraport auf. Immerhin ist es ein Erlösausfall, der sich in der Zukunft indirekt auszahlen könnte - falls der aktuelle Konflikt eine bisher schwankende Politik überzeugt, dem Treiben der neuen Spartengewerkschaften gesetzliche Grenzen zu setzen.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

28.02.2012, 13:29 Uhr

Nun ruft man nach dem Staat.

Wenn die Bürger dies für ihre Rechte tun, wird immer auf die Marktwirtschaft verwiesen!

Im zeitalter von Sklavenarbeit, Lohndunping, Outsourcing und einer hemmungslosen Gewinnmaximierung muß es eine Antwort der Arbeitnehmer geben.

Und die kann zum einen in kleinen Spartengewerkschaften liegen.

Der Staat sollte sich heraushalten, ganz so wie es Herr Hundt gegenüber Fr. v.d.Leyen küzlich betont hat!

A.P.

28.02.2012, 13:40 Uhr

Nein, Herr Lauer!
Die GDF hat sich von einem Interessenverband (früher VdF, Verband deutscher Flugleiter) zu Gewerkschaft der Flugsicherung GDF gewandelt, weil die Flugsicherer von den etablierten Gewerkschaften (hier: ver.di) nicht ausreichend vertreten wurden. Beispiel gefällig? Tarifverhandlung DFS/ver.di Ende 2002 ergaben Gehaltserhöhungen fürs administrative Personal um etwa 3% bei gleichzeitiger Senkung im operativen Bereich bis zu 15%, die Lotsen durften damit die Gehaltserhöhung der Verwaltung bezahlen. Und dann der Hammer: 2 Monate nach Unterzeichnung des Tarifvertrages wechselte der ver.di- Verhandlungsführer in die Geschäftsleitung der DFS!! Das brachte das Fass zum Überlaufen und war Grund zur GDF- Gründung, die Anwälte kamen erst später ins Spiel.

entewmarla

28.02.2012, 14:08 Uhr

Vorab erstmal: Der (Ober-)Studienrat ist nicht das Maß der Dinge: Wenn ich bewußt für ein Pleite-Bundesland arbeiten möchte, kann ich keine Spitzenbesoldung erwarten - Meine Erwartungen müssen sich der Ertragslage halt anpassen oder ich suche mir einen potenteren AG. Nun zum eigentlichen Thema Spartengewerkschaft: Hier nennen wir doch mal die Christliche, über die Tausende von Leiharbeitern über den Tisch gezogen wurden - im Auftrag der AG! Folgerichtig sind nun halt andere Sparten-GW gegründet worden- ich sag nur: was der Gesetzgeber hergibt! Sowas, Herr Henkel, nennt man ein klassisches Eigentor! Zu dieser unklaren Gesetzeslage kommen jetzt die Schadensklagen - und die LoBBy-Leute - den armen Leiharbeitern jetzt noch schnell verwehren, was ihnen eigentlich zusteht! In welchem Land wohnen wir eigentlich? Ich kann diese ganzen BWLer nicht mehr hören: "Arbeit billig wie Dreck" im Umkehrschluß ist das menschenverachtend, bedeutet nämlich, in deren Augen sind Arbeiter Dreck!

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