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03.04.2016

18:21 Uhr

Streiks und Unwetter

Strafzahlungen setzen der Bahn zu

Die Deutsche Bahn hat mit Strafzahlungen zu kämpfen: Vor allem die Jahre 2014 und 2015 haben wegen Streiks und Unwetter das Unternehmen nach eigenen Angaben belastet. Jetzt will der Konzern gegensteuern.

Reisende mit Rucksäcken und Rollkoffern auf einem Bahnsteig im Bahnhof von Greifswald: „2014 und 2015 waren besonders belastet“ dpa

Regionalverkehr

Reisende mit Rucksäcken und Rollkoffern auf einem Bahnsteig im Bahnhof von Greifswald: „2014 und 2015 waren besonders belastet“

Streiks und Unwetter haben die millionenschweren Strafzahlungen der Bahn im Regionalverkehr in den vergangenen Jahren steigen lassen. Durchschnittlich behielten die Verkehrsverbünde seit 2013 jährlich etwa 200 Millionen Euro ein, weil die Bahnsparte DB Regio nicht die volle vereinbarte Leistung brachte. „2014 und 2015 waren besonders belastet“, sagte eine Bahnsprecherin der Deutschen Presse-Agentur, ohne präzise Zahlen zu nennen. „Wir müssen da besser werden und haben im Rahmen des Programms 'Zukunft Bahn' Maßnahmen dazu ergriffen.“

So will die Bahn etwa Sträucher und Bäume an den Strecken besser zurückschneiden, damit es nach Stürmen weniger Ausfälle gibt. „Das soll die Qualität für die Kunden steigern und damit auch die Pönalen senken.“ Im vergangenen Jahr entsprach die Höhe der Strafzahlungen (Pönalen) etwa drei Prozent des 7,8-Milliarden-Euro-Umsatzes von DB Regio.

Wie die Deutsche Bahn ihre Kundenfreundlichkeit verbessern will

Mehr Pünktlichkeit

Die Bahn will die Pünktlichkeit ihrer Züge „deutlich steigern“. Dazu sollen alle Betriebsabläufe optimiert werden – unter anderem durch den Einbau von größeren Zeitpuffern in den Fahrplänen an viel befahrenen Netzknotenpunkten und den Einsatz neuer mobiler Wartungsteams, die Störungen an Zügen flexibel beseitigen sollen. Ein neuer Schlepplok-Dienst soll liegengebliebene Züge schneller von den Schienen holen. Um Unwetterschäden zu vermeiden, wird die Baumpflege an den Strecken ausgebaut.

Bessere Internetverbindungen

Im kommenden Jahr will der Konzern den Telefon- und Internetempfang in ICE-Zügen nach eigenen Angaben „deutlich“ verbessern und dafür etwa die Empfangstechnik aufrüsten. Das WLAN-Netz der Bahn soll in den kommenden Jahren nach und nach entlang der Reisekette auf mehr Fernverkehrszüge, Bahnhöfe und auch auf S-Bahn- und Nahverkehrszüge ausgedehnt werden.

Aktuellere Reiseinformationen

Mit neuen Zuganzeigesystemen an den Bahnhöfen will die Bahn ab kommendem Jahr den Informationsfluss in Sachen Gleiswechsel, Ankunftszeitprognosen und Wagenreihenfolgen verbessern. „Mittelfristig“ will sie ein digitales „Live Ticket“ einführen, das sich aktualisiert und Reisende unterwegs mit den für sie relevanten Streckeninformationen versorgt. Wenn nötig, kann es auch Alternativrouten vorschlagen und Umbuchungen vornehmen.

Mehr Service im Zug

Mitarbeiter sollen in Kooperation mit Unternehmen etwa aus der Hotel- und Gaststättenbranche in puncto „Serviceorientierung“ ausgebildet werden. Reisende mit Smartphones und Online-Tickets sollen sich künftig selbst im Zug anmelden können, wodurch eine Fahrkartenkontrolle überflüssig wird („Self Check In“). Zugbegleiter sollen so mehr Zeit für Serviceaufgaben haben.

Komfortablere Bahnhöfe

Die Zuverlässigkeit von Aufzügen und Rolltreppen an den Bahnhöfen in Ballungszentren will die Bahn „signifikant“ auf weit über 90 Prozent steigern. Dazu sollen etwa Entstörbereitschaften auf Zweischichtdienste umstellen und an Wochenenden arbeiten. 31 S-Bahn-Stationen in Metropolen werden renoviert, zudem sollen bundesweit 21 Umsteigebahnhöfe „offener und einladender“ umgestaltet werden. Mit der sogenannten Stationsoffensive richtet der Konzern 350 neue Haltepunkte in ländlichen Gebieten ein.

Mehr Unterhaltung

Das in ICE-Zügen verfügbare kostenlose sogenannte Infotainment-Portal, das etwa Echtzeit-Reiseinformationen und bestimmte Nachrichtenangebote bietet, soll künftig auch in weiteren Zügen und an Bahnhöfen verfügbar sein. Ab Ende 2016 sollen Bahnkunden umsonst „umfangreiche Film- und Musikangebote“ abrufen können. Zusätzlich richtet das Unternehmen eine Datenbank mit „aktuellen Blockbustern“ ein, die Reisende im „Pay per View“-Verfahren gegen Bezahlung ansehen können.

Die Pünktlichkeit im Regionalverkehr ging im vergangenen Jahr leicht auf 94,2 Prozent zurück. Bei der S-Bahn Berlin stieg die Summe, die das Land Berlin wegen Minderleistungen einbehielt, von 7,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 10,3 Millionen Euro. Bei der Münchner S-Bahn haben sich die Strafzahlungen wegen Verspätungen, Zugausfällen und anderen Mängeln im vergangenen Jahr auf 400.000 Euro verdoppelt.

S-Bahnen und Regionalzüge werden im Auftrag der Länder von den Verkehrsverbünden bestellt und bezuschusst - im vergangenen Jahr mit gut 3,8 Milliarden Euro. DB Regio trägt doppelt so viel zum Konzernumsatz bei wie der Fernverkehr mit ICE, Intercity und Eurocity, den die Bahn auf eigene Rechnung betreibt.

Von

dpa

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