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28.07.2016

14:30 Uhr

Streit bei Tönnies

Urteil um doppeltes Stimmrecht rechtskräftig

Schlappe für Clemens Tönnies: Das doppelte Stimmrecht des Firmenchefs von Deutschlands größtem Fleischkonzern ist endgültig vom Tisch. Der Bundesgerichtshof weist eine Revision als unbegründet zurück.

Das doppelte Stimmrecht ist vom Tisch. dpa

Clemens Tönnies

Das doppelte Stimmrecht ist vom Tisch.

Karlsruhe/HammIm Machtstreit um Deutschlands größten Fleischkonzern muss Firmenchef Clemens Tönnies eine Schlappe hinnehmen. Bei Pattsituationen im Gesellschafterkreis hat er kein doppeltes Stimmrecht. Die entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichtes Hamm sei nun rechtskräftig, bestätigte der Bundesgerichtshof am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Karlsruher Richter wiesen die Beschwerde von Clemens Tönnies gegen die Nichtzulassung der Revision in der vergangenen Woche als unbegründet zurück (Az.: II ZR 99/15).

Clemens Tönnies akzeptiere nach dem Beschluss des BGH die Entscheidung des OLG, teilte ein Sprecher mit. Damit bleibe es bei der Gleichberechtigung der beiden Inhaber in der Gesellschafterversammlung. „Im operativen Geschäft wird sich dadurch nichts verändern. In der Vergangenheit hatte das doppelte Stimmrecht in den Unternehmensentscheidungen nie eine Rolle gespielt. Somit hat diese Entscheidung auch keine Auswirkungen auf das Unternehmen“, sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Machtkampf bei Tönnies: Gericht weist Klage von Robert Tönnies ab

Machtkampf bei Tönnies

Gericht weist Klage von Robert Tönnies ab

Robert Tönnies ist vor dem Oberlandesgericht in Hamm mit seiner Klage gescheitert, Geschäftsführer Josef Tillmann abzuberufen. Der Machtkampf in Deutschlands größtem Fleischkonzern ist damit aber nicht vorbei.

Clemens Tönnies hält wie sein Neffe Robert Tönnies 50 Prozent an dem Unternehmen. Das doppelte Stimmrecht sicherte ihm bei einer Pattsituation (50:50) bislang großen Einfluss im Konzern, der 2015 mit weltweit 10.000 Mitarbeitern rund 5,6 Milliarden Euro umgesetzt hat.

Am Landgericht Bielefeld sind weitere Verfahren um den Familienstreit bei Tönnies anhängig. Hauptstreitpunkt ist ein geschenkter Gesellschafteranteil, den Robert Tönnies (38) von seinem Onkel (60) zurückfordert. Der Sohn des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies wirft seinem Onkel groben Undank vor. Er habe hinter seinem Rücken auf private Rechnung Geschäfte betrieben und ein „Schattenreich“ aufgebaut, argumentiert Robert. Clemens Tönnies hatte die Vorwürfe seines Neffen stets zurückgewiesen.

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland

Platz 10

Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).
Quelle: fleischwirtschaft.de

Platz 9

Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.

Platz 8

Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.

Platz 7

Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.

Platz 6

2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.

Platz 5

Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).

Platz 4

Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).

Platz 3

Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).

Platz 2

Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.

Platz 1

Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Sollte das Landgericht Bielefeld der Klage von Robert Tönnies folgen, würde er die Mehrheit mit 60 Prozent am Unternehmen übernehmen. Die geschenkten Anteile sollen auf einem Versprechen des Firmengründers kurz vor dessen Tod basieren, dass sein Bruder Clemens bei den Firmenanteilen gleichgestellt werde. Viele Jahre später kam es dann zu dem Streit.

Das Verfahren läuft seit November 2014 und steckt aktuell in einer Sackgasse. Eine vom Gericht vorgeschlagene Schlichtung gilt als gescheitert.

Von

dpa

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