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10.07.2015

08:22 Uhr

Streit mit Fahrern in San Francisco

Sammelklage könnte für Uber brenzlig werden

Uber hat Konflikte rund um den Globus am Hals – ein Streit mit Fahrern in San Francisco könnte jetzt aber unangenehm für das Unternehmen ausgehen. Der Fahrdienst-Vermittler stemmt sich gegen die drohende Sammelklage.

Ob Uber-Fahrer als Angestellte anzusehen sind, muss nun ein Gericht entscheiden. AFP

Stress bei Uber

Ob Uber-Fahrer als Angestellte anzusehen sind, muss nun ein Gericht entscheiden.

San FranciscoGeschäftsmodell bedroht: Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber versucht, eine Sammelklage von Fahrern in Kalifornien abzuwenden. In der Uber-Heimatstadt San Francisco liegt die Firma mit drei Fahrern im Rechtsstreit um die Frage, ob für sie der Status von Angestellten gelten müsste. Am späten Donnerstag reichten Anwälte von Uber eine 52-seitige Verteidigungsschrift beim Gericht ein. Sie wollen verhindern, dass sich das Verfahren – wie von den Fahrern beabsichtigt – zu einer Sammelklage ausweitet.

Der Prozess beginnt am 6. August und für das Unternehmen könnte die Angelegenheit brenzlig werden. Bislang gelten die Fahrer arbeitsrechtlich als unabhängige Unternehmer. Dadurch müssen sie nicht nur für Autos, Benzin und Versicherung selbst aufkommen, auch Arbeitgeber-Leistungen wie Sozialversicherung kann Uber sich sparen. Sollte das geändert werden, würde es für die Firma teuerer.

Uber sieht sich mit seiner App und Online-Plattform lediglich als Vermittler von Fahrdiensten und findet die Einstufung der Fahrer als ungebundene Vertragspartner deshalb korrekt. Die Firma erklärt, die Unterstützung der Mehrheit der Fahrer zu haben, und versuchte, das vor Gericht mit hunderten Stellungnahmen zu belegen.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Mitte Juni hatte allerdings bereits die Arbeitskommission von Kalifornien befunden, dass Uber-Fahrer als Angestellte gelten könnten. Gegen diese Entscheidung, die einen anderen Fall betrifft, legte Uber Berufung ein.

Der Sachverhalt ist knifflig. So führt Uber unter anderem Einstellungstests durch und stellt auch Kriterien für die eingesetzten Autos auf. Damit könnte es die Grenzen der reinen Vermittlerrolle überschreiten.

Die Arbeitskommission hatte in ihrer Entscheidung argumentiert, Uber diktiere wichtige Rahmenbedingungen wie etwa das Alter des Wagens oder wer als Fahrer in Frage komme.

Andererseits haben die Uber-Fahrer aber auch sehr viele Freiheiten, die für Angestellte eher unüblich wären – sie können arbeiten, wann sie wollen und sind nicht exklusiv an Uber gebunden. Viele fahren nebenher auch für Rivalen wie Lyft. Uber betont, dass diese Unabhängigkeit von den meisten Fahrern geschätzt werde.

Sollte eine Sammelklage zugelassen werden und zum Erfolg führen, könnte Uber versuchen, die Kosten auf Fahrer und Kunden abzuwälzen. Das dürfte aber zu höheren Fahrpreisen führen.

In den USA sorgen die Konflikte um Ubers Jobbedingungen schon länger auch über Kalifornien hinaus für Diskussionen. Einige Arbeitsmarktexperten sagen, die Gesetze seien nicht mehr zeitgemäß. Die Trennung zwischen Angestellten und unabhängigen Unternehmern im Sinne von freien Mitarbeitern werde der „Gig-Economy“ nicht gerecht. Der Begriff steht für einen – nicht zuletzt wegen Firmen wie Uber – seit einigen Jahren boomenden Trend zu stark flexibilisierten Arbeitsverhältnissen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Martin Wienand

10.07.2015, 10:23 Uhr

Uber ist eine hyperaggressive kriminelle Vereinigung.

Sollte aus Europa herausgekickt werden. Frankreich macht das ja schon vor.

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