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05.02.2013

13:13 Uhr

Streit mit Mehrheitseigner ACS

Europa-Chef verlässt Hochtief

Nach der Übernahme durch ACS geben sich bei Hochtief die Manager die Klinke in die Hand. Nun muss der Europa-Chef nach nur zwei Monaten seinen Sessel räumen.

Hochtief hat rund 10.000 Mitarbeiter in Deutschland. Seit der Übernahme durch ACS gibt es allerdings ein Stühlerücken in der Vorstandsetage. dpa

Hochtief hat rund 10.000 Mitarbeiter in Deutschland. Seit der Übernahme durch ACS gibt es allerdings ein Stühlerücken in der Vorstandsetage.

EssenWeiter Stühlerücken bei dem mehrheitlich von dem dem spanischen Konkurrenten ACS übernommenen Essener Baukonzern Hochtief. Nach knapp zwei Monaten im Amt verlässt mit dem Vorstandssprecher der Hochtief-Tochter Solutions, Bernd Romanski, ein weiterer Top-Manager das Unternehmen.

Das Unternehmen begründete die Trennung von dem bislang für das Europa-Geschäft des Konzerns zuständigen Manager am Dienstag mit „unterschiedlichen Auffassungen“. Nähere Angaben wollte ein Sprecher auf Anfrage nicht machen. Der 53-Jährige soll mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand der Hochtief-Tochter ausscheiden.

Erst Ende November hatte mit Marcelino Fernandez Verdes ein langjähriger ACS-Manager das Ruder bei Hochtief übernommen. Zuvor hatte Hochtief-Chef Frank Stieler nach nur anderthalb Jahren im Amt seinen Stuhl geräumt. Seit der Mehrheitsübernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS im Jahr 2011 war bereits der komplette Hochtief-Vorstand ausgetauscht worden.

Der neue Hochtief-Chef hatte zuletzt im vergangenen Monat eine mangelnde Profitabilität und niedrige Margen im Europa-Geschäft des Konzerns beklagt. Die Hochtief-Tochter Solutions beschäftigt bei einem Umsatz von rund 4 Milliarden Euro rund 15.000 Mitarbeiter, davon rund 10.000 in Deutschland. Zu der Sparte gehört auch die von Hochtief auf die Verkaufsliste gesetzte Immobilientochter Aurelis. Daneben sucht der Essener Konzern auch Käufer für seine Flughafensparte.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Fernandez will noch in diesem Monat bei der Bilanzpressekonferenz am 28. Februar seine neue Strategie vorlegen. Profitabilität stehe ganz oben auf seiner Prioritätenliste, hatte der neue Chef bereits kurz nach seinem Amtsantritt angekündigt. Gleichzeitig hatte er der Zerschlagung des Essener Konzerns eine Absage erteilt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Alfred

05.02.2013, 14:52 Uhr

PARABEL

Hochtief ist doch der große deutsche Baukonzern, den eine stolze spanische Firma ACS "feindlich" über die Börse übernommen hat! Pech ist nur, daß diese stolze spanische Firma schon immer ziemlich klamm war. Deshalb hat sich diese Firma bei den stolzen spanischen Banken einen Haufen
Kredite aufgenommen. Problem ist nur, daß die stolzen spa-
nischen Banken ebenfalls ziemlich pleite sind. Die stol-
zen spanischen Banken haben nun beim noch stolzeren spa-
nischen Staat angefragt, ob da, abzüglich der obligatori-
schen "Weichmacher" für Politiker, nicht mit patiotischem Geist "Stütze" für die Banken fließen könne? Es konnte aber nicht verheimlicht werden, auch der stolze spanische Staat war nackt und eigentlich pleite!

So kommt es, daß die veklemmt-depperten Deutschen, um die
Mystik eines "mehr Europa" (was immer das auch heißen mag)
aufrechtzuhalten, viel Geld und Sicherheiten in Rettungs-
schirme hineinschütten, mit denen dann der stolze spani-
sche Staat seine stolzen spanischen Banken vor der end-
gültigen Pleite bewahrt, und diese den stolzen spanischen
Baukonzern wieder peppeln, damit der den wichtigsten deut-
schen Baukonzern gegen den Willen des Managements und der
Belegschaft ganz übernehmen kann!

Parallel zu dieser Übernahme wurde durch die stolze spa-
nische Politik verhindert, daß sich EoN bei einem kleine-
ren spanischen Versorger einkaufen konnte. Neuer Liebha-
ber des spanischen Versorgers wurde ein großer italieni-
scher Energiekonzern mit großem Staatseinfluß.
So sieht stolze südeuropäische Industriepolitik in den Zeiten der Euro-Mystik aus.
Vom Heiligen Römischen Reich mit Religions-Mystik zum
Unheiligen Romanischen Euro mit Europa-Mystik, Hauptsache, es dräut!




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