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07.12.2014

09:22 Uhr

Streit um externe Flughafen-Kontrolleure

Mehdorn riskiert mit Wutbrief seinen Job

Hartmut Mehdorn wirft seinem Arbeitgeber „Misstrauenskultur“ und „Zynismus“ vor. In einem Wutbrief macht sich der Berliner-Flughafen-Geschäftsführer Luft – und riskiert damit seinen Arbeitsplatz.

Nur als Schattenriss ist Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn vor dem Schriftzug BER (Berlin Brandenburg Airport) zu sehen. dpa

Nur als Schattenriss ist Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn vor dem Schriftzug BER (Berlin Brandenburg Airport) zu sehen.

BerlinBER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hat vom Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft mehr Rückhalt eingefordert. „Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts“, sagte Mehdorn dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Der Manager hatte sich zuletzt gegen externe Kontrolleure in seinem Unternehmen gewehrt.

Dem „Tagesspiegel“ (Samstag) zufolge beschwerte er sich darüber in einem Brief an den scheidenden Berliner Regierenden Bürgermeister und Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD). Der Bund und Brandenburg als zwei der drei Flughafen-Gesellschafter dringen auf bessere Kontrollmechanismen. Der Flughafen Berlin Brandenburg ist wegen Bau- und Planungsfehlern drei Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin noch immer nicht in Betrieb.

So stiegen die Kosten des neuen Hauptstadtflughafens

Mehrkosten und kein Ende in Sicht

Schon in der 15-jährigen Planungsphase stiegen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nach Baubeginn war es nicht anders. Ein Überblick über die Entwicklung:

September 2006

Erster Spatenstich für den Airport mit einer Jahreskapazität von 22 Millionen Passagieren. Der Betreiber gibt die Kosten mit 2 Milliarden Euro an, die Bruttogeschossfläche des Terminals mit 220.000 Quadratmetern.

Juli 2007

Die Kapazität steigt auf 25 Millionen Passagiere, die Investitionssumme erreicht 2,2 Milliarden Euro. Die Fläche wächst auf 300.000 Quadratmeter.

Juni 2009

Der Flughafen wird erneut größer – und teurer: 27 Millionen Passagiere, 2,5 Milliarden Euro Investitionskosten. Für die Kredite von 2,4 Milliarden Euro bürgen Berlin, Brandenburg und der Bund.

Mai 2012

Nach der Absage der für Juni geplanten Eröffnung sickert durch, dass der Bau in Wirklichkeit mindestens 3 Milliarden Euro kostet. Dazu tragen Umbauten nach geänderten Sicherheitsbestimmungen bei, aber auch Beschleunigungsversuche auf der Baustelle. Die Terminalfläche erreicht 340.000 Quadratmeter.

September 2012

Erste Finanzspritze: Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro nachlegen, so für Baukosten, Betriebskosten des leeren Terminals und den falsch veranschlagten Schallschutz. Neuer Finanzrahmen: 4,3 Milliarden Euro.

Juni 2014

Die zweite Finanzspritze steht bevor: Der Flughafen benötigt nach eigenen Angaben weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Bau und den Schallschutz für die Anwohner fertigzustellen. Geben die Gesellschafter das Geld frei, dehnen sie den Finanzrahmen damit auf über 5,4 Milliarden Euro aus.

Die „Bild am Sonntag“ berichtete ohne Angaben von Quellen, Mehdorn sandte auch ein zweiseitiges Schreiben an das Bundesverkehrsministerium. Darin werfe er den Flughafen-Eigentümern vor, „in unserem Haus eine Inquisition der Jahre 2013 und 2014 durchzuführen. Das Ganze passt zu der von uns erlebten und beklagten Misstrauenskultur rund um den BER“, hieß es unter Berufung auf den Brief vom 5. Dezember.

Zum Hintergrund erläutert die Zeitung in einer Mitteilung: Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund wollen externe Gutachter auf die Baustelle schicken, um die anhaltenden Probleme zu beleuchten. Laut der vertraulichen Auftragsbeschreibung soll insbesondere untersucht werden, „ob der Aufsichtsrat (...) von der Geschäftsführung rechtzeitig, im richtigen Maß/Format sowie verständlich in der gebotenen Qualität (...) unterrichtet wurde“. Ganz ähnlich hatte vor anderthalb Jahren der Auftrag an Wirtschaftsprüfer und Juristen geklungen, um den damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz endgültig zu entlassen.

Süffisant bedankt sich Mehdorn in dem Brief für eine unnötige „Belehrung“ im GmbH-Recht und bietet im Austausch eine „Lehrstunde“ zur Unternehmensführung an. „Ihren Hinweis auf einen guten Geist und gute Zusammenarbeit empfinden wir als Zynismus und völlige Unkenntnis des Unternehmens und seiner angespannten Lage“, schreibt der Manager an das Bundesverkehrsministerium.

Seine harsche Zeilen, so die „Bild am Sonntag“, könnten Mehdorn seinen Job kosten, denn: juristisch, so die Zeitung, reichen diese Sätze wohl für eine Kündigung aus. Am kommenden Freitag wird es eine Aufsichtsratssitzung geben, auf der es nun zum großen Knall kommen könnte. Eine Verlängerung des Ende Februar 2016 laufenden Vertrag mit Mehdorn gilt mittlerweile als ausgeschlossen.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

08.12.2014, 10:07 Uhr

Das ist das deutsche Management bzw. unsere Experten: Zeit für Briefe, Zeit für die Beendigung der bauten zum angegebenen Preis haben Sie nicht. Sie wollen Deutschland und den Bürger nur schädigen, damit Sie dafür noch Boni abzocken können. Warum weigern sich diese leute ihre Zusagen einzuhalten? Es wird sich erst etwas ändern, wenn diese Leute sofort lebenslang ins Gefängnis müssen bei gleichzeitigen kompletten Vermögensentzug! Warum werden diese Experten nicht fristlöoch gefeuert und verklagt wegen erwiesener Unfähigkeit bzw. bewussten Abzocken?

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