Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2006

11:17 Uhr

Streitfall Kirch gegen Deutsche Bank und Breuer

Aktuelle Reaktionen auf das BGH-Urteil

Die Aktien der Deutschen Bank haben am Dienstag mit leichten Kursabschlägen auf das Gerichtsurteil im Fall Kirch reagiert.

HB FRANKFURT. Die Titel notierten rund 0,5 Prozent tiefer bei 82,30 Euro. "Das ist eine Bestätigung der bisherigen Indikationen", kommentierte ein Analyst die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH). "Der Schaden ist nach dem Urteil ganz offensichtlich limitiert", ergänzte er. "Und an den Ratings der Analysten dürfte sich daher nichts ändern. Die Gewinnentwicklung und die wirtschaftlichen Perspektiven sind dann doch wichtiger."

Dem BGH zufolge sind die Deutsche Bank und ihr früherer Chef Rolf Breuer nicht für die gesamte Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch verantwortlich. Kirch könne im Grundsatz zwar Schadensersatzansprüche gegen das Bankhaus und den Manager im Zusammenhang mit der Pleite der Kirch-Tochtergesellschaft PrintBeteiligungs GmbH geltend machen, eine Haftung für andere Töchter des Konzerns oder die Holding sei aber nicht gegeben.

Das Büro Kirchs erklärte in München: "Der durch die Bank verursachte Schaden der Print ist erheblich und dürfte selbst für die Deutsche Bank bilanziell relevant sein." Die Geltendmachung dieses Schadens werde nun "konsequent vorangetrieben".

Peter Gauweiler, Rechtsanwalt von Leo Kirch, sagte nach der Urteilsverkündung in Karlsruhe, er fahre mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Die gute Botschaft sei, dass auch Breuer in der Mithaftung sei. Die schlechte Botschaft sei allerdings, dass der Schaden auf die Printbeteiligungs GmbH beschränkt wurde. Deren finanzieller Schaden werde in der Öffentlichkeit zwischen 600 Millionen und 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Gauweiler wollte sich zu einer möglichen außergerichtlichen Einigung nicht äußern. Er wertete es als überraschend, dass das Gericht Breuer in die mögliche Schadensersatzpflicht miteinbezogen habe. Damit müsse die Deutsche Bank auf Breuer zurückgreifen, sagte er.

Der Anwalt der Deutschen Bank, Peter Heckel, sagte in einem Telefon-Interview, er bewerte die Entscheidung des Gerichts als "außerordentlich positiv, weil damit festgelegt ist, dass weder die Deutsche Bank noch Breuer für den Zusammenbruch des Kirch-Konzerns verantwortlich gemacht werden können". Außerdem sei an der Kostenbeteiligung zu sehen, wer gewonnen habe: Die Kirch-Seite habe zwei Drittel der Prozesskosten zu tragen, die Deutsche Bank und Breuer hingegen nur je ein Sechstel. Heckel betonte: "Der Bundesgerichtshof hat ausdrücklich offen gelassen, ob das Bankgeheimnis überhaupt verletzt wurde."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×