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24.01.2013

07:17 Uhr

Stromanbieter

Flexstrom gerät immer stärker unter Druck

ExklusivDie Krise der Flexstrom-Gruppe erreicht eine neue Eskalationsstufe: In Wuppertal verlieren zwei Gesellschaften nach Zahlungsstreitigkeiten den Netzzugang. Ausbaden müssen dies nun die Kunden.

Flexstrom-Zentrale in Berlin: Zwei Töchtern des Stromanbieters sind Lieferantenrahmenverträge in Wuppertal gekündigt worden. dapd

Flexstrom-Zentrale in Berlin: Zwei Töchtern des Stromanbieters sind Lieferantenrahmenverträge in Wuppertal gekündigt worden.

BerlinDer umstrittene Berliner Billigstromanbieter Flexstrom gerät weiter unter Druck. Nach Recherchen des Handelsblattes hat die Netztochter der Stadtwerke Wuppertal die Lieferantenrahmenverträge mit den Flexstrom-Tochtergesellschaften Löwenzahn Energie und Optimal Grün fristlos gekündigt und ihnen die Netzzugänge zum 18. Januar entzogen. Der Billiganbieter war bereits in den vergangenen Monaten auffällig geworden.

„Wir haben uns das Treiben lang genug angesehen“, sagt Holger Stephan, der Sprecher der WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH dem Handelsblatt. „Mal kamen die Zahlungen, mal nicht, selten pünktlich.“ Nachdem die Beschwerden reihenweise verpufften, machten die Wuppertaler Stadtwerke dann ein letztes Angebot: Zusammenarbeit nur noch gegen Vorkasse. Als nach Darstellung der Stadtwerke keine Antwort kam, schalteten sie ab.

Wer die Strompreise am stärksten erhöht

Berechnung

Strompreiserhöhungen ab Januar 2013, Preise auf Grundlage eines Durchschnittsverbrauches von 5.000 kWh / Jahr.

Stand: 26.11.2012, Quelle: check24.de

Platz 6

Versorger: Infra Fürth GmbH
Tarif: infra grundversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.361,03 Euro
Neuer Preis: 1.618,53 Euro
Differenz in Euro: 257,50 Euro
Differenz in Prozent: 18,92 %

Platz 5

Versorger: EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.238,82 Euro
Neuer Preis: 1.474,82 Euro
Differenz in Euro: 236,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,05 %

Platz 4

Versorger: Stadtwerke Borken/Westf. GmbH
Tarif: Strom Basis HH
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Alter Preis: 1.213,50 Euro
Neuer Preis: 1.445,50 Euro
Differenz in Euro: 232,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,12 %

Platz 3

Versorger: Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.204,76 Euro
Neuer Preis: 1.435,26 Euro
Differenz in Euro: 230,50 Euro
Differenz in Prozent: 19,13 %

Platz 2

Versorger: Elektrizitätsvereinigung Böbing
Tarif: Grundversorgung Eintarif
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.298,31 Euro
Neuer Preis: 1.548,31 Euro
Differenz in Euro: 250,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,26 %

Platz 1

Versorger: Stadtwerke Plattling
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.140,76 Euro
Neuer Preis: 1373,76 Euro
Differenz in Euro: 233 Euro
Differenz in Prozent: 20,42 %

Flexstrom wies die Vorwürfe auf Anfrage des Handelsblatts zurück. Die Rechnungen von Löwenzahn Energie und Optimal Grün seien bezahlt, ja es gebe sogar Guthaben, sagte Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel. „In dem Verhalten des Netzbetreibers sehen wir deshalb einen willkürlichen Verstoß gegen die Marktliberalisierung.“ Flexstrom wolle nun die Bundesnetzagentur anrufen. Die Stadtwerke Wuppertal blieben auch auf erneute Nachfrage bei ihren ursprünglichen Angaben. Das Unternehmen habe die Bundesnetzagentur bereits über die Abschaltung informiert.

Zahlungsverzug: Flexstrom auf der Strafbank

Zahlungsverzug

exklusivFlexstrom auf der Strafbank

Das Unternehmen muss selbst vorab zahlen, die Gläubiger haben die Geduld verloren.

Die betroffenen Kunden fallen nun in die Grundversorgung durch die Stadtwerke und müssen dort den vom 18. Januar an verbrauchten Strom zunächst nochmal zahlen – auch wenn sie bei Optimal Grün oder Löwenzahl auf Vorkasse beliefert wurden und dort noch über Guthaben verfügen.

Kommentare (37)

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Manfred-Fett

24.01.2013, 10:58 Uhr

Hallo liebe Leser.
Dieser Artikel passt genau zu meinen Erfahrungen als Kunde mit diesem Unternehmen.Am 30.04.2012 endete mein zwei Jahresvertrag mit Flex Strom.
Ich hatte Vorkasse geleistet. Und am Ende des Vertrages ein Guthaben bei Flex.
Bis zum heutigen Tag, 24.01.2013, habe ich keine Auszahlung meines Guthabens erhalten.
Unzählige Reklamationen per E-Mail wurden wie folgt beantwortet: “Wir haben Ihr Anliegen an unsere Fachabteilung weiter geleitet“.
Eine Zahlung ist aber seit 9 Monaten nicht erfolgt.
Nach meiner Überzeugung steht dieses Unternehmen kurz vor der Insolvenz, auf alle Fälle ist das Verhalten absolut unseriös!
Ich bin froh den Anbieter rechtzeitig gewechselt zu haben!
MfG
Manfred Fett

chosebuzer

24.01.2013, 12:26 Uhr

Liebes Handelsblatt,

ich mochte dich bisweilen sehr! Nur hinterfrage ich mittlerweile deine Unabhängigkeit.
Kann es ein Zufall sein, dass einige Tage nach Bekanntgabe der Begebung der FlexStrom-Mittelstandsanleihe, du, liebes Handelsblatt, über angebliche Zahlungsschwierigkeiten und ausstehende Netznutzungs-Rechnungen berichtest?

Ein jeder mit energiewirtschaftlichen Sachverstand weiß um die Wichtigkeit der Flexstrom für den liberalisierten Energiemarkt. Dies ist gewiss auch einigen Konzernen ein Dorn im Auge. Also noch einmal: Kann es ein Zufall sein?

Liebe Grüße

Stromer

24.01.2013, 12:26 Uhr

Warum sollte es den Stadtwerken ...

"Als (...) keine Antwort kam, schalteten sie ab."

... anders ergehen als unzähligen Kunden, die erfolglos versuchen, mit Flexstrom per Telefon, Mail oder andere Weise in Kontakt zu treten? Jeder Versuch einer vernünftigen Ansprache endet dort bei uninformierten bzw. ignoranten Sachbearbeitern.

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