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10.02.2015

06:47 Uhr

Strombrücke „NordLink“

Seekabel soll Ökostrom durch die Nordsee schicken

Deutschland und Norwegen wollen am Dienstag den Vertrag zum Bau des Seekabels „NordLink“ unterzeichnen. Damit sollen beide Länder künftig Ökostrom durch die Nordsee austauschen.

Ein Seekabel wie dieses soll künftig Norwegen und Deutschland verbinden. Die beiden Länder wollen Ökostrom austauschen. dpa

Querschnitt eines Seekabels.

Ein Seekabel wie dieses soll künftig Norwegen und Deutschland verbinden. Die beiden Länder wollen Ökostrom austauschen.

BerlinDeutschland und Norwegen rücken bei der Energiewende enger zusammen. An diesem Dienstag wird im norwegischen Haugesund ein Vertrag für den Bau des 623 Kilometer langen Gleichstrom-Seekabels „NordLink“ unterzeichnet, mit dem beide Länder erstmals direkt durch die Nordsee Ökostrom austauschen wollen. Die Investitionen sollen bei 1,5 bis 2 Milliarden Euro liegen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der im Inland beim Netzausbau vor allem mit großen Widerständen in Bayern zu kämpfen hat, sieht ein wichtiges Signal für den europäischen Strommarkt. „Wir unterstützen diese neue Seekabelverbindung, denn sie ist ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Versorgungssicherheit für Deutschland, aber auch für Norwegen“, sagte Gabriel der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Durch das NordLink-Kabel können bis zu 1400 Megawatt Strom fließen, das entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks. Die Leitung soll 2020 fertig, ein Probebetrieb 2019 möglich sein. Die Trasse wird von Tonstad in Norwegen bis nach Wilster in Schleswig-Holstein gehen.

Zehn Fakten zur Ökostrom-Umlage

42 Milliarden

Laut einer Studie die Kosten in Deutschland 2012 durch die Folgen fossiler Energieträger für Klima und Gesundheit.

Kohle

Zwar hat Ökostrom Braunkohle als wichtigste Quelle überrundet, aber Braun- und Steinkohle liegen weit vorn (45 Prozent Stromanteil).

27,7 Prozent

Ist bereits der Ökostrom-Anteil in diesem Jahr, auch dank des EEG und der vielen Fördermilliarden für Anlagenbetreiber.

Schäuble, der Profiteur

Die hohe Umlage beschert Mehreinnahmen in Milliardenhöhe durch die immer oben drauf kommende Mehrwertsteuer.

5 Milliarden

Voraussichtliches Rabattvolumen 2015 für stromintensive Firmen bei der EEG-Förderung - diese Kosten sind Teil der Umlage.

12 Cent

Ist die durchschnittliche Vergütung je Kilowattstunde für neue Anlagen ab 2015, noch 2010 lag der Durchschnitt bei 25 Cent.

China

Der Preisverfall bei Solarmodulen aus China führte zu einem massiven Zubau - und ist heute Hauptgrund für die hohe Umlage.

20 Jahre

So lange gibt es für den produzierten Strom eine vom Anschlussdatum abhängige feste Vergütung - und damit Umlagekosten.

Eine Kugel Eis

So viel werde der Ökostrom-Ausbau einen Haushalt im Monat kosten, hoffte Grünen-Umweltminister Jürgen Trittin noch 2004.

0,41 Cent

Höhe der ersten Umlage 2003. Bei 3500 Kilowattstunden Verbrauch waren das 14,35 Euro im Jahr. Heute sind es knapp 220 Euro.

Durch das Seekabel soll überschüssiger Windstrom, der in Deutschland gerade nicht gebraucht wird, durch die Nordsee nach Norwegen gebracht und dort in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert werden. Herrscht in Deutschland Flaute und gibt es zu wenig Strom, kann dort wiederum Wasser herunterfließen, Turbinen antreiben und der Strom zurück nach Deutschland kommen.

An diesem Dienstag wollen die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Statnett sowie die deutsche Staatsbank KfW im norwegischen Haugesund den Vertrag zum Bau von NordLink unterschreiben. Die norwegische Statnett wird 50 Prozent am NordLink-Konsortium halten, Tennet und KfW jeweils 25 Prozent. Tennet-Manager Lex Hartmann meint: „Das Kabel nach Norwegen ist die ideale Verbindung mit der Windenergie in Norddeutschland.“

Kommentare (10)

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Herr Adrianus Winselaar

10.02.2015, 08:30 Uhr

Ein Seekabel gibt es bereits seit Jahren zwischen Norwegen und den Niederlanden.

Herr Hans Brandl

10.02.2015, 08:52 Uhr

Norwegen hat kaum nennenswerte Pumpspeicherkraftwerke , das weiss aber offenbar der Praktikant vom Dienst des HB nicht. Und so schreibt er eben die üblichen Worthülsen nieder .nich

Account gelöscht!

10.02.2015, 10:02 Uhr

Sehr geehrter Herr Brandl,

in Wahrheit dürfte es gar nicht um norwegische Pumpspeicherkraftwerke gehen, sondern um norwegische Wasserkraftwerke mit Talsperren.

In diesen Kraftwerken werden die Turbinen bei Windüberschuß angehalten werden, indem das Wasser zurückgehalten wird. Wenn dann Flaute herrscht, werden die Turbinen in den Wasserkraftwerken wieder in Gang gesetzt.

Es kann auch sein, daß die Norweger je nach aktuellen Strompreisen Strom aus schwedischen Kernkraftwerken beziehen, das Wasser in den Talsperren lassen und dann, wenn in Deutschland die Strompreise hoch sind, den urpsrünglichen Kernkraftstrom als Ökostrom veredelt nach Deutschland verkaufen. Wer wird das kontrollieren und überprüfen wollen und können?

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