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14.03.2016

15:46 Uhr

Studie

Dax-Chefs verdienen mehr, auch wenn Gewinn sinkt

20 Vorstände der Dax-Konzerne haben ihre Gehälter bereits veröffentlicht. Eine Studie hat nun berechnet: Ihr Lohn ist im Schnitt um ein Prozent gestiegen, der Gewinn ihrer Unternehmen aber um sieben Prozent gesunken.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender des Automobilkonzerns Daimler, kassierte für ein Erfolgsjahr fast zehn Millionen Euro. dpa

Daimler

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender des Automobilkonzerns Daimler, kassierte für ein Erfolgsjahr fast zehn Millionen Euro.

FrankfurtDeutschlands Topmanager haben im vergangenen Jahr laut einer Studie im Schnitt 4,9 Millionen Euro verdient. Nach Angaben der Unternehmensberatung Willis Towers Watson stieg damit die Vergütung der Chefs von 20 der 30 Dax-Konzerne, deren Daten bis zum 11. März vorlagen, um 1 Prozent. Das Ergebnis (Ebit) der Börsenschwergewichte verringerte sich dagegen um 7 Prozent auf durchschnittlich 3,08 Milliarden Euro, wie aus der am Montag vorgelegten Studie hervorgeht.

Spitzenreiter war nach den bisher vorliegenden Daten Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 9,7 Millionen Euro. Daimler hatte 2015 ein Rekordjahr eingefahren. Der Chef des Düngemittel- und Salzproduzenten K+S, Norbert Steiner, rangierte nach der am Montag präsentierten Studie mit 2,3 Millionen Euro am Ende des Rankings. Helmuth Uder von Willis Towers Watson verwies auf die unterschiedlichen Größen, Geschäftsmodelle und Geschäftszweige der Dax-Konzerne.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Nach seiner Einschätzung stehen Vergütung der Unternehmenslenker und Ergebnis der Börsenschwergewichte im Einklang. Bei einem schlechten Ergebnis verdienten Vorstandschefs in der Regel weniger. So strich zum Beispiel der Aufsichtsrat der Deutschen Bank dem Vorstand den Bonus. Wegen hoher Abschreibungen und neuer Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten hatte der Konzern im vergangenen Jahr 6,8 Milliarden Euro Verlust verbucht. Co-Chef Jürgen Fitschen, der das ganze Jahr im Amt war, verdiente 3,8 Millionen Euro nach 6,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Der Studie zufolge stiegen bei neun Dax-Konzernen Ergebnis und Vergütung, bei fünf sanken Ergebnis und Vergütung. Bei den anderen entwickelten sich die beiden Parameter nicht parallel. So verdiente beispielsweise RWE-Chef Peter Terium den Angaben zufolge 4,6 Millionen Euro und damit 1 Prozent mehr als 2014, obwohl der Energiekonzern einen Ergebnisrückgang verzeichnete und unter dem Strich in die roten Zahlen rutschte. Nach RWE-Angaben werden Teile der variablen Vergütung erst nach drei Jahren auf Basis langfristiger Kriterien ausgezahlt. Das sei 2015 der Fall gewesen.

Willis Towers Watson legt bei seinen Berechnungen die Grundvergütung, Boni und die langfristige variable Vergütung der Topmanager zugrunde. Die Altersvorsorge ist nicht enthalten. Die Versorgungsleistungen seien nur schwer vergleichbar.

Von

dpa

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