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24.11.2016

14:09 Uhr

Studie

Die Pflegeform ist vom Wohnort abhängig

Die Pflege kann sich laut einer Studie von Wohnort zu Wohnort unterscheiden. So gibt es Städte die zum Beispiel eine stärker ausgeprägte Heimpflege als eine ambulante haben. Das wird durch bestimmte Faktoren beeinflusst.

Die Häufigkeit bestimmter Pflegeformen unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. dpa

Ambulant oder Klinisch?

Die Häufigkeit bestimmter Pflegeformen unterscheidet sich von Stadt zu Stadt.

BerlinDie Art der Pflege in Deutschland ist einer Studie zufolge wesentlich abhängig vom Wohnort der Betroffenen. „Zugespitzt könnte man sagen, dass die Versorgungsform auch von der Postleitzahl abhängt“, sagte der Chef der Barmer GEK, Christoph Straub, am Donnerstag in Berlin unter Berufung auf den neuen Pflegereport seiner Krankenkasse. So nehme etwa in Schleswig-Holstein die stationäre Pflege die größte Rolle ein. Hier würden 40,5 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen betreut. In den meisten anderen Regionen liege die Quote nahe am Bundesdurchschnitt von 29 Prozent. Die geringste Bedeutung hat die Unterbringung im Heim in Brandenburg mit knapp 23 Prozent.

Die ambulante Pflege zu Hause wiederum ist in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Ostdeutschland besonders stark verbreitet. In Hamburg würden 29,2 und in Sachsen 29 Prozent der Pflegebedürftigen entsprechend versorgt, dicht gefolgt von Bremen, Brandenburg und

Was sich für Pflegebedürftige 2017 ändert

Begutachtung und Leistungen für Pflegebedürftige

Zum Jahreswechsel ändern sich Begutachtung und Leistungen für Pflegebedürftige. Für Menschen, die jetzt pflegebedürftig werden, kann sich ein Antrag nach dem alten System auszahlen. Die Bundesregierung steht im Wort: Bei der Umstellung auf ein neues Leistungssystem nach Pflegegraden wird niemand schlechter gestellt. Das gilt für die heute rund 2,8 Millionen Pflegebedürftigen. Doch Menschen, die in diesen Tagen und Wochen einen Erstantrag auf Pflegeleistungen stellen wollen, sollten sich gut überlegen, ob sie das in den letzten Wochen dieses Jahres noch nach dem alten System tun, oder erst 2017 nach dem neuen. Es könnte sich auszahlen.

Was ändert sich für Pflegebedürftige zum 1. Januar?

Die bisherigen drei Pflegestufen werden automatisch - ohne neuen Antrag der heute schon Pflegebedürftigen - übergeleitet in fünf Pflegegrade. So soll die Bedürftigkeit künftig genauer bestimmt werden können. Für heute schon Pflegebedürftige gilt Bestandsschutz.

Was heißt das für die Überleitung in Pflegegrade?

Pflegebedürftige mit körperlichen Einschränkungen erhalten anstelle der bisherigen Pflegestufe den nächst höheren Pflegegrad. Pflegebedürftige mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz wie Demenzerkrankte werden zwei Pflegegrade höher eingestuft. Also: Pflegestufe 1 mit körperlichen Behinderungen kommt automatisch in den Pflegegrad 2. Pflegestufe 1 mit erheblich eingeschränkten Alltagskompetenzen kommt automatisch in den Pflegegrad 3. Pflegestufe 2 bekommt entsprechend automatisch Pflegegrad 3 oder mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 4. Und Pflegestufe 3 wird übergeleitet in den Pflegegrad 4 oder mit eingeschränkter Alltagskompetenz in den höchsten Pflegegrad 5.

Wann sollte man nun einen Neuantrag auf Pflegeleistungen stellen - noch 2016 oder erst 2017?

Stichtag ist der Tag der Antragstellung: Wer vor dem 1. Januar 2017 einen Antrag stellt, wird nach der alten Regel begutachtet und eingestuft und dann übergeleitet - auch wenn die Bearbeitung bis ins neue Jahr hineinreichen sollte. Erst im neuen Jahr wird nach dem neuen System begutachtet.

Wenn in diesen Tagen oder Wochen also erstmals ein Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt werden soll, kann es günstiger sein, dies noch 2016 nach dem alten Stufensystem zu tun, um dann 2017 automatisch in den entsprechend höheren Pflegegrad zu kommen. Das gilt etwa für Menschen, die unter körperlichen Einschränkungen leiden und Pflegestufe 1 mit einem Pflegegeld von monatlich 244 Euro beantragen wollen. Wenn sie diese Pflegestufe erhalten, wechseln sie im kommenden Jahr automatisch in den Pflegegrad 2 und erhalten damit monatlich 316 Euro. Stellen sie ihren Antrag erst 2017, werden sie aller Voraussicht nach nicht den Pflegegrad 2, sondern nur den Pflegegrad 1 erreichen. Dafür gibt es dann nur 125 Euro von der Pflegekasse. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz sind davon schätzungsweise 125.000 Menschen betroffen.

Für wen sind solche Überlegungen noch wichtig?

Eine ähnliche Problematik ergibt sich für Menschen, die einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen könnten. Nach altem System zahlen die Kassen in Pflegestufe 1 für solche Sachleistungen 468 Euro. Beim Wechsel in den Pflegegrad 2 im neuen Jahr werden es dann 689 Euro. Stellen die Betroffenen aber erst 2017 einen Antrag bei der Pflegekasse, erhalten sie aller Voraussicht nach wieder nur den Pflegegrad 1 mit 125 Euro. Das betrifft diesen Angaben zufolge schätzungsweise rund 50.000 Menschen.

Wie sieht es bei der Pflege in Heimen aus?

Heute zahlt die Pflegekasse für einen Pflegebedürftigen der Stufe 1 mit körperlichen Einschränkungen im Heim monatlich 1064 Euro. Ab 2017 sind das nur noch 770 Euro. Zusätzlich tragen Heimbewohner einen Eigenanteil an den Pflegekosten. Für die Menschen, die schon nach dem alten System Leistungen erhalten, wird im neuen Jahr die Differenz zum neuen Eigenanteil von der Pflegekasse getragen. Der Eigenanteil des Pflegebedürftigen bleibt also gleich. Für Neuanträge im neuen Jahr erhöht sich dagegen entsprechend der Eigenanteil.

Die Leistungen der Pflegekasse sinken bei dieser sogenannten vollstationären Pflege auch in Stufe 2 bei körperlichen Einschränkungen. Bisher zahlt sie hier 1330 Euro. Von 2017 an sind es 1262 Euro.

Mecklenburg-Vorpommern, sagte Straub. In den anderen westdeutschen Bundesländern liege der Anteil der ambulanten Pflege weitgehend unter dem Bundesdurchschnitt von 23,5 Prozent.

„Die Menschen bekommen offenbar nicht immer die Pflege, die sie brauchen, sondern die, die vor Ort verfügbar ist“, sagte Straub. Es seien mehr transparente und unkompliziert abrufbare Informationsangebote und Unterstützungsleistungen insbesondere durch die Pflegekassen notwendig.

Beeinflusst wird die Form der Pflege auch von der Einkommenshöhe der Pflegebedürftigen. Wer ein geringes Einkommen habe, kommt dem Bericht zufolge seltener in ein Pflegeheim. Ein Grund seien die oft hohen privaten Zuzahlungen, sagte Straub. Auch spiele eine Rolle, wie gut die Familie Pflegebedürftigkeit etwa durch ein Netzwerk auffangen könne und wolle.

Der Report geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von rund 2,76 Millionen im Jahr 2015 auf 4,53 Millionen Pflegebedürftige bis zum Jahr 2060 steigen wird.

Von

rtr

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