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13.07.2013

12:54 Uhr

Studie

Konzerne sparen Milliarden durch Niedrig-Zinsen

Deutsche Großkonzerne profitieren von der Niedrig-Zins-Politik der EZB, da sie bei ihren Anleihen das Zinsniveau ebenfalls gering halten können. Die wirklichen Ersparnisse dürften weitaus größer sein, sagen Experten.

VW-Logo im Wolfsburger Werk: Nicht nur der Autobauer profitiert von niedrigen Zinsniveau. dpa

VW-Logo im Wolfsburger Werk: Nicht nur der Autobauer profitiert von niedrigen Zinsniveau.

DüsseldorfNicht nur der deutsche Staat oder Häuslebauer, auch führende Konzerne profitieren einer Studie zufolge erheblich vom derzeit niedrigen Zinsniveau. Danach sparen allein VW, Daimler, BMW, BASF, Linde, SAP und HeidelbergCement durch die Begebung von Anleihen im Jahr 2012, die niedriger verzinst sind als im Krisenvorjahr 2007, insgesamt 580 Millionen Euro pro Jahr an Zinszahlungen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Centrums für Bilanzierung und Prüfung (CBP) an der Universität des Saarlandes im Auftrag der „Wirtschaftswoche“. Über die gesamte Laufzeit der Anleihen summierten sich die Ersparnisse auf mindestens 2,1 Milliarden Euro.

Den sieben untersuchten Konzernen gelinge dies, indem sie 2012 neue Anleihen zum durchschnittlichen Zinssatz von 2,37 Prozent gegenüber 4,45 Prozent im Jahr 2007 begeben konnten. Sollten die niedrigen Zinsen wie von der EZB angekündigt noch längere Zeit anhalten und würden die sieben Unternehmen alle ihre Anleihen entsprechend umschulden, könnten sie nach Schätzung von CBP-Chef Karlheinz Küting jährlich zusammen mehr als 3,5 Milliarden Euro an Zinszahlen sparen.

Historische Zinssenkung der EZB

Historische Zinssenkung

Noch zu Jahresbeginn hatten die Experten ein schnelles Anziehen der Konjunktur erwartet. Diese Hoffnung hat Dämpfer erlitten. Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich spürbar eingetrübt, und die Krisenländer stecken weiter tief in der Rezession. Große Euroländer wie Spanien oder Frankreich leiden etwa unter einer historisch hohen Arbeitslosigkeit. Selbst in Deutschland stottert der Konjunkturmotor. Wegen der enttäuschenden Konjunkturdaten erwarten Experten am Donnerstag, spätestens aber im Juni eine Lockerung der Geldpolitik.

Erhöhen noch tiefere Zinsen die Inflationsgefahr?

Trotz der weit geöffneten Geldschleusen ebbt der Preisdruck in der Eurozone ab. Im April sank die Inflationsrate auf 1,2 Prozent - und damit klar unter die EZB-Zielmarke von knapp 2,0 Prozent. Die EZB hat also Spielraum - im Moment. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Dilemma der EZB erkannt: Laut Merkel sind die Zinsen für Deutschland schon zu niedrig, während die EZB für andere Länder eigentlich noch mehr tun müsse, damit Unternehmen dort wieder günstig an Kredite kommen. Das kann den Preisauftrieb hierzulande anheizen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: „Die für Deutschland zu expansive Geldpolitik lässt befürchten, dass die Inflationsraten in den kommenden Jahren dauerhaft über 2 Prozent steigen.“

Warum braucht Deutschland eigentlich höhere Zinsen?

Deutschland kam bisher vergleichsweise gut durch die Krise. Der Arbeitsmarkt ist extrem robust. Die Lohnstückkosten seien deutlich stärker gestiegen als in anderen Euroländern, betont Krämer: „Spätestens wenn die Nachfrage wieder anzieht, werden die Unternehmen die Preise stärker anheben, um die Gewinnmargen wieder auszuweiten.“

Was bedeutet das für Sparer in Deutschland?

Eine hohe Inflationsrate bei niedrigen Zinsen frisst die Ersparnisse auf. Deshalb warnte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, die EZB vor einer weiteren Zinssenkung: „Noch mehr und noch billigeres Geld vermindert den Anreiz zum Sparen. „Anleger würden mit zu niedrigen Zinsen immer stärker zu ungefragten Solidarmaßnahmen zur Entschuldung von Euro-Staaten herangezogen. „Wenn die EZB zulasten der Gläubiger und zugunsten der Schuldner Partei ergreift, wird der Geldwertstabilität zu wenig Gewicht beigemessen.“

Macht eine weitere Leitzins-Senkung überhaupt Sinn?

Die Meinungen darüber gehen auseinander. Der deutsche Vertreter im EZB-Direktorium, Jörg Asmussen, dämpft die Erwartungen: „Geldpolitik ist keine Allzweckwaffe gegen jede Art ökonomischer Krankheit.“ Gerade in den Krisenländern, wo sie am meisten gebraucht werde, wirke eine Zinssenkung kaum. Im Gegenteil: Asmussen sieht die Gefahr, dass das billige Geld die Reformbereitschaft von Regierungen schmälert. Hingegen empfiehlt Ökonom Julian Callow von Barclays Capital unter anderem eine Zinssenkung - und zwar gleich um 0,5 Punkte auf 0,25 Prozent: „Die Wirtschaftsleistung im Euroraum steht vor dem Kollaps, das ist eine Zombie-Ökonomie.“ Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit sei ein riesiges Problem, die EZB müsse handeln.

Würde der niedrigere Zins die Konjunktur tatsächlich ankurbeln?

In der Krise kommen die niedrigen Zinsen nicht überall bei Unternehmen und Privaten an. Mangelnder Zugang zu frischem Notenbankgeld sei aber nicht die Ursache für die erschwerten Finanzierungsbedingungen in den Krisenländern, heißt es beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Ausschlaggebend seien die höheren Risiken, die Banken bei der Kreditvergabe zögern ließen. In Ländern wie Portugal, Spanien oder Griechenland müssten Unternehmen bis zu fünf Prozentpunkte mehr für Kredite bezahlen als in Deutschland. Fahrenschon ist überzeugt: Ein Zinssatz noch näher Null werde die Kreditbedingungen für Unternehmen in Südeuropa nicht verbessern, sondern neue Stabilitätsgefahren herbeiführen. Es sei zu befürchten, dass schwache Banken die zu günstigen Zentralbankkredite eher zum Kauf von höherverzinslichen Staatsanleihen von Krisenstaaten nutzen würden - anstatt für Unternehmenskredite.

Die Untersuchung beschränkte sich laut „Wirtschaftswoche“ wegen der Vergleichbarkeit auf festverzinsliche Anleihen sowie auf Dax-Konzerne, die sowohl 2007 als auch 2012 derartige Schuldverschreibungen begeben haben. Zusammen mit den Unternehmen, die auf andere Weise umschuldeten, dürften die Ersparnisse der deutschen Konzerne durch die niedrigen Zinsen im Zuge der Euro-Schuldenkrise noch wesentlich höher ausfallen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Ludwig500

13.07.2013, 13:45 Uhr

Ist ja wunderbar. Da könnte man ja den Arbeitnehmern, vor allem den Zeitarbeitern, mal was gutes tun.

Haha, kleiner Scherz.

Frank3

14.07.2013, 04:10 Uhr

Besser hätte WAHRHEIT AUCH NICHT VERKAUFENB KÖNNEN .


aber LEIDER WERDEN NOCH MEHR WERKE , IN CHINA , MIT NUN FREIEN GELD bauen , UM NOCH MEHR GELDSELBSTZWECKGELD ZU VERDIEHEN und NICHT KAUFKRAFT DRAUS MACHEN .
ACH NEIN , nun JA USA , in der FREIHANDELSZONE JA AM BILLIGSTE ENERGIEKOSTEN BIETEN , zwar GEGEN UMWELT aber doch EGAL .

UND DORT GILT JA BIS DAHIN :
http://www.taz.de/Transantlantisches-Handelsabkommen/!119525/
Neue Rechte für Konzerne geplant

Frank Frädrich

Frank Frädrich

DINO

14.07.2013, 09:03 Uhr

"Konzerne sparen Milliarden durch Niedrig-Zinsen"
Das ist doch nur die PORTO-KASSE !

Die STEUEROASEN sind es !
Die kriminellen WERKVERTRÄGE sind es !
Die Verleih-SKLAVEN sind es !
Die billigen Praktikanten sind es !
Die Beschäftigung von Scheinselbständigen sind es !

Damit wird die Stammbelegschaft u.a. mit Lohnzurückhaltung erpresst !

Damit wird GELD verdient, nicht mit niedrigen Zinsen !

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