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26.02.2016

06:59 Uhr

Studium und Beruf

Was Nebenjobs für die Karriere bringen

VonBert Losse, Kerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Studenten, die nebenher arbeiten müssen, zeigen keine schlechteren Leistungen. Vielfach nutzt der Nebenjob sogar. Manche haben gleich mehrere Jobs. Auch gestandene Wirtschaftsgrößen hatten interessante Nebentätigkeiten.

Klassische Studentenjobs können leicht zur Überlastung führen. Imago

Kellnern

Klassische Studentenjobs können leicht zur Überlastung führen.

Große Sprünge kann man als Student meistens nicht machen. Das Budget ist schmal, vor allem wenn das Studium mit dem Auszug von zu Hause verbunden ist oder sich die Eltern eine üppige monatliche Überweisung an den Nachwuchs nicht leisten können. Schätzungsweise jeder zweite deutsche Student jobbt daher mindestens eine Stunde pro Woche, rund 18 Prozent müssen (oder wollen) parallel zum Studium mehr als zehn Stunden pro Woche arbeiten.

Bei der Suche nach einem Nebenjob sind Studenten nur in einer Hinsicht wählerisch: Das Geld muss stimmen. Das zeigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Univativ unter mehr als 1000 Studenten und Studentinnen. „Der spätere Karriereweg spielt bei der Jobauswahl keine nennenswerte Rolle - Hauptsache, die Bezahlung stimmt“, bestätigt Univativ-Geschäftsführer Olaf Kempin. Bei 55 Prozent der Nebenjobber gibt es deshalb nur einen geringen beziehungsweise gar keinen Zusammenhang zwischen Job und Studium, so das Ergebnis einer Erhebung des deutschen Studentenwerks.

Nützliche Tipps rund um Studentenjobs

Der passende Job

Als erstes sollte man sich folgende Fragen stellen: Was ist am wichtigsten? Das Geld oder die Karrierechancen? Wem es primär um den Verdienst geht, der hat es einfach. Zum Beispiel kann man sich bei einigen Jobbörsen die Suchergebnisse nach der Höhe des Stundenlohns auflisten lassen.
Wer einen Job mit Zukunftsperspektive will, sucht vermutlich länger. Doch dafür kann es sich lohnen. Macht man sich als Werkstudent oder Aushilfe gut, hat man bereits den ersten Fuß in der richtigen Tür. Mit diesem Ausblick, lassen sich auch Abstriche beim Gehalt verschmerzen. Um einen Job mit Karriereaussicht zu ergattern, konzentriert man sich am besten auf Seiten wie Absolventa oder der Uni. Eine weitere Möglichkeit ist es, beim Professor nachzufragen. Auch wenn er selbst gerade niemanden einstellen will, hat er bestimmt Kontakte zu Unternehmen oder anderen Forschungseinrichtungen.

Online Jobs suchen

Es gibt einige Portale und Suchmaschinen, die sich ausschließlich auf die Vermittlung von Studentenjobs und Praktika spezialisiert haben. Hinzu kommen aber auch bekannte Portale wie Monster und Stepstone, die über extra Rubriken für Studentenjobs verfügen. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Webseite der Uni. Viele Hochschulen haben eigene Jobportale – zum Beispiel die Hochschulen in Düsseldorf, Köln oder Hamburg. Ein nützlicher Zusatz: Die Uni Düsseldorf hat nur Jobs mit einem Stundenlohn ab 8,50 Euro im Angebot.

Jobs im Ausland

Die Semesterferien stehen an, warum nicht mal im Ausland jobben? An den beliebten Urlaubsorten werden in den Ferien immer wieder Saisonkräfte gebraucht. Bei den Arbeitgebern handelt es sich meist um Hotels oder Restaurants, aber auch Tauchschulen oder Surfcamps suchen häufig Verstärkung für die Hauptsaison. Neben einer tollen Umgebung, bieten Jobs im Ausland die Möglichkeit Sprachkenntnisse zu vertiefen. Eine Auswahl bieten summerjobs.com oder seasonworkers.com

Selbstständigkeit

Gerade für Studenten mit besonderer Begabung, kann sich die Selbstständigkeit lohnen. Programmierer, Illustratoren oder Autoren können sich auf einer Plattform für Freelancer anmelden – dort werden Leute für einzelne Projekte gesucht. Die größte Webseite heißt Freelancer, dort werden aktuell über 6.000 Jobs auf Zeit angeboten. Mittlerweile gibt es auch viele Plattformen, die auf einzelne Berufe spezialisiert sind: 99 Designs etwa richtet sich an Grafikdesigner. Bei Workhub oder Clickworker lagern Unternehmen einfache Tätigkeiten aus, zum Beispiel das Anlegen großer Adresslisten.

Wer selbstständig arbeiten will, muss folgendes beachten: Zunächst muss geklärt werden ob der Student freiberuflich oder gewerblich arbeitet. Gewerbetreibende sind zum Beispiel Makler oder Gaststättenbetreiber. Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt der Gemeinde, dieses informiert alle weiteren Behörden und Kammern. Handelt es sich um eine Freiberuflichkeit, reicht eine Anmeldung beim Finanzamt. Eine Hilfestellung gibt es auf der Seite des Existenzgründungsportal (www.existenzgruender.de). Doch Vorsicht, auch bei der Selbstständigkeit gibt es Grenzen beim Gehalt. So dürfen Bafög-Empfänger innerhalb eines Jahres maximal 3.800 € dazu verdienen, ohne das die Leistungen gekürzt werden. Auch hier gilt: Wer mehr als 20 Wochenstunden während der Vorlesungszeit arbeitet, verliert den Studentenstatus.

Verdienst pro Monat

Was den Verdienst betrifft, gilt generell: Eine Dauerbeschäftigung mit maximal 450 Euro Verdienst im Monat gilt als Minijob. Dabei ist es egal, wie viele Stunden man dafür arbeitet. Bei einem höheren Gehalt sieht das anders aus. Wer dauerhaft über 450 Euro verdient, darf pro Woche nicht mehr als 20 Stunden arbeiten. Wer es doch tut, ist den Studentenstatus los. Für angehende Akademiker, die Bafög erhalten, gelten andere Regeln. Bafög-Empfänger dürfen nicht mehr als 400 Euro verdienen. Wer diese Grenze überschreitet, muss mit entsprechenden Kürzungen rechnen.

Verdienst pro Stunde

Niemand sollte sich unter Wert verkaufen. Martin Schachmann, Buchautor eines Ratgebers für Studentenjobs, rät mindestens zehn Euro pro Stunde einzufordern. Doch das sollte nur eine Richtlinie sein, denn der Lohn ist abhängig von vielen Faktoren: Die Branche, die Art des Jobs, die Vorkenntnisse, die Arbeitszeiten und auch der Ort spielt eine wichtige Rolle. Trotzdem sollte man versuchen, zu verhandeln. Am besten erkunden sich Studenten vorher, welcher Stundenlohn üblich ist und hebt im Gespräch mit dem potenziellen Chef seine Fähigkeiten und Stärken hervor.

Versicherungen

Seit dem 1. Januar 2013 unterliegen auch Minijobs der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung. Minijobber tragen dabei selbst aber nur einen kleinen Teil der Beiträge: Der Arbeitgeber zahlt 15 Prozent des Bruttoverdienstes ein, der Beschäftigte übernimmt nur die Differenz zum normalen Beitragssatz. Aktuell liegt der bei 18,9 Prozent, der Student zahlt also 3,9 Prozent des Bruttolohns. Bei der Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag in Höhe von 13 Prozent – vorausgesetzt der Student ist gesetzlich versichert.
Wer dauerhaft mehr als 450 Euro im Monat verdient, bleibt nur dann kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn er weniger als 20 Stunden in der Woche arbeitet. In die Rentenversicherung müssen trotzdem Beiträge eingezahlt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils 9,45 Prozent des Bruttoverdienstes. Liegt das Bruttogehalt zwischen 450 Euro und 850 Euro, befinden sich Studenten in der sogenannten Gleitzone und zahlen weniger. Studenten, die nur in den Semesterferien Vollzeit arbeiten, müssen außer der Lohnsteuer keine Beiträge zahlen. Vorausgesetzt sie arbeiten nicht mehr als zwei Monate oder 50 Tage pro Kalenderjahr.

Urlaubsanspruch

Urlaubsanspruch

Bei den heutigen Studierenden stehen übrigens die klassischen Nebenjobs hoch im Kurs: Kellner, Kassier oder Verkäufer im Einzelhandel sowie Aushilfe im Büro.

Das Problem: Wer nach der Vorlesung noch einen kompletten Arbeitstag bei Rewe an der Kasse vor sich hat und dann noch jedes Wochenende in einer Bar bedient, gerät schnell unter Druck.

Für Monika Sieverding vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg ist die vermeintlich mangelnde Weitsicht kein Grund zur Besorgnis: „Das war früher auch nicht anders.“ Prominente Beispiele dafür gibt es einige: So hat Hans Werner Sinn, Noch-Chef des Ifo-Instituts, sein VWL-Studium unter anderem mit Taxifahren finanziert und auch andere gestandene Wirtschaftsgrößen haben zu Studentenzeiten mit ganz anderen Dingen Geld verdient, als in ihrem späteren Berufsleben. Der scheidende Bayer-Chef Marijn Dekkers beispielsweise finanzierte sein Chemiestudium als Tennislehrer.

Auch hier waren die Gründe für den Nebenjob, der so gar nichts mit Chemie zu tun hatte, ganz pragmatischer Natur: Dekkers war ein guter Tennisspieler und der Job gut bezahlt. Sieverding: „Man studiert erst einmal auf ein nahes Ziel hin - Bachelor, Master oder Diplom - und versucht, das möglichst gut zu erreichen.“ Um dabei nicht zu verhungern, braucht es nun mal ein Einkommen.

Bei den heutigen Studierenden stehen übrigens die klassischen Nebenjobs hoch im Kurs: Kellner, Kassier oder Verkäufer im Einzelhandel sowie Aushilfe im Büro. Das Problem: Wer nach der Vorlesung noch einen kompletten Arbeitstag bei Rewe an der Kasse vor sich hat und dann noch jedes Wochenende in einer Bar bedient, gerät schnell unter Druck.

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