Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2009

14:09 Uhr

Suche nach Ideen

Denkfabrik aus Laien und Profis

VonSvenja Üing

"Geht nicht, gibt?s nicht", lautet eine der wichtigsten Regeln des so genannten "Ideen Mining". Immer mehr Unternehmen, Universitäten, Stiftungen und Kommunen nutzen das kreative Potenzial der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der Universität Münster. Sie gehen neue Wege und lassen Studierende nach Ideen graben.

Nicht nur die Personaler des Köln-Bonner Flughafens setzen auf die Denkfabrik der AFO. Foto: dpa dpa

Nicht nur die Personaler des Köln-Bonner Flughafens setzen auf die Denkfabrik der AFO. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Wenn am Flughafen Köln-Bonn eine Maschine landet, beginnt für die Mitarbeiter des Ground Handling die Arbeit: Sie be- und entladen das Flugzeug, fahren die Passagiere mit dem Bus über das Rollfeld, kontrollieren die Papiere. Rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Damit unter diesen Bedingungen der Service stimmt, muss auch die Motivation der Mitarbeiter stimmen.

Um das auch bei wachsenden Anforderungen zu gewährleisten, gehen die Personaler am Köln-Bonner Flughafen seit dem vergangenen Jahr neue Wege: Sie lassen nach Ideen "graben". "Ideen Mining", so heißt das Konzept, das die Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der Universität Münster aus den USA importiert und gemeinsam mit ihren Partnerhochschulen in Bielefeld, Dortmund und Paderborn hierzulande etabliert hat. Dahinter steckt eine Denkfabrik aus unternehmerischen Laien und Profis, die gemeinsam innerhalb eines einzigen Tages Lösungen für bestehende Probleme eines Unternehmens finden.

Entscheidend dabei ist die Zusammensetzung des zwölfköpfigen Teams. Neben drei Unternehmensvertretern gehören dazu auch sieben Studierende und zwei Wissenschaftler der Hochschule. Zwei geschulte Ideen-Mining-Moderatoren begleiten den Prozess: Morgens um neun trifft sich das bunt zusammengewürfelte Team und startet mit einer Kennenlernrunde, erst danach wird den Teilnehmern die Fragestellung des Unternehmens präsentiert. Was folgt, ist ein siebenstündiges Brainstorming nach festen Regeln, an dessen Ende das Unternehmen mit konkreten Lösungsvorschlägen nach Hause geht.

"Das klingt zunächst simpel, ist aber sehr effektiv", sagt Peter Rothhaar, Leiter der Personalbetreuung am Köln-Bonn Airport. Der Clou beim Ideen Mining: Hier sitzen nicht nur eingefleischte Experten zusammen, sondern auch Studierende aus völlig unterschiedlichen Studiengängen, die bis zum Tag X vielleicht noch nie auf einem Rollfeld waren. "Uns selbst fehlt im Arbeitsalltag mitunter der Blick über den Tellerrand", sagt Athanasios Titonis, Leiter des Geschäftsbereichs Betrieb und Verkehr am Köln-Bonner Flughafen. Die Studierenden hingegen gehen unbedarft und unverkrampft an das Problem heran und haben eines nicht: die Schere im Kopf.

"Geht nicht, gibt?s nicht", lautet deshalb eine der wichtigsten Regeln des Ideen Mining. Stattdessen sind verrückte Ideen und Humor ausdrücklich erlaubt. Quantität geht hier ausnahmsweise einmal vor Qualität. Wenn die konkrete Frage auf dem Tisch liegt, dann sprudeln die Vorschläge, bis alle Wände damit plakatiert sind. "300 bis 350 Ideen kommen so an einem Vormittag schnell zusammen", erzählt AFO-Geschäftsführer Wilhelm Bauhus. Am Nachmittag beginnt dann der Strukturierungsprozess, so dass am Ende vier oder fünf handfeste Lösungen stehen.

So handfest, dass man am Flughafen Köln-Bonn bereits mit der Umsetzung begonnen hat: Viele der 500 Ground-Handling-Mitarbeiter stammen aus unterschiedlichen Kulturen, dem will man jetzt mehr Tribut zollen: 2008 wurde erstmals nicht nur Weihnachten, sondern auch das muslimische Zuckerfest gefeiert. Und auch das Kantinenessen ist jetzt stärker auf die Bedürfnisse der muslimischen Mitarbeiter ausgerichtet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×