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31.01.2014

17:20 Uhr

Suche nach Lufthansa-CEO

Wer wird gleich in die Luft gehen?

VonThomas Jahn

Die Suche nach einem Nachfolger für Christoph Franz nagt an der Lufthansa. Die einen sind nicht gut genug, die anderen wollen den Posten überhaupt nicht. Nur einer ist bester Dinge: Der scheidende CEO.

Spekulationen sorgen für Unruhe bei der Lufthansa. Die Situation erinnert an das Softwareunternehmen Microsoft dpa

Spekulationen sorgen für Unruhe bei der Lufthansa. Die Situation erinnert an das Softwareunternehmen Microsoft

New YorkDas Programm von Christoph Franz in New York konnte sich sehen lassen: Am Mittwochabend Neujahrsempfang mit Kunden im edlen Andaz-Hotel an der 5th Avenue, am Donnerstagvormittag Presserunde, danach Mittagessen und Rede im Yale Club auf Einladung eines der ehrwürdigsten Luftfahrtvereinigungen der Welt, dem „Wings Club“ – wo schon Astronaut Buzz Aldrin von seiner Landung auf dem Mond erzählte.

Allerorten war der Lufthansa-Chef bester Laune. Noch etwas gebräunt von fünf Tagen beim Wirtschaftsgipfel in Davos, wärmte sich Franz im Rampenlicht. Zwar wird er im Juni Verwaltungsratspräsident von Pharmariese Roche. Doch ist er jetzt deswegen keine lahme Ente, ganz im Gegenteil: Alle reißen sich um den 53-Jährigen. Und überall stellen sie die Frage, die er nicht beantworten kann: „Wer wird ihr Nachfolger?“

Weniger frohgemut ist der Rest der Belegschaft. Allen voran Carsten Spohr, Chef des Passagiergeschäfts und aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten. Seit vier Monaten fliegt er in der Warteschleife und hofft auf eine Berufung durch den Aufsichtsrat unter Führung von Wolfgang Mayrhuber. Mit Spohr harren die Lufthanseaten. „Jede Woche, die wir warten, schadet ihm“, sagt ein Lufthansa-Manager. „Die Ungewissheit geht uns auf die Nerven“.

Die Karriere des Christoph Franz

Studium

Christoph Franz promoviert als Wirtschaftsingenieur an der Technischen Hochschule Darmstadt. Während seines Studiums absolviert Franz Auslandssemester im französischen Lyon und in Berkeley, USA. Franz war außerdem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Quelle: Munzinger Online

Lufthansa bis 1994

Franz startet seine Karriere in seinem Geburtsort Frankfurt am Main. Bei der Deutschen Lufthansa beginnt er in der strategischen Konzernplanung und arbeitet unter anderem am Aufbau des Ferienfliegers Sun Express. Zudem steigt er auf Wunsch des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber in das „Turnaround-Team“ ein. Das Team soll neue Strategien für die kriselnde Lufthansa entwerfen.

Deutsche Bahn bis 2003

Christoph Franz wechselt im April 1994 in die Geschäftsbereichsleitung Fernverkehr der Deutschen Bahn. Dort ist er für die Abteilungen Finanzen und Controlling tätig, ehe er drei Jahre später die Leitung der Konzernentwicklung übernimmt. Unter dem damaligen Vorstandschef Hartmut Mehdorn steigt Franz im Herbst 1999 in den Konzernvorstand auf. Franz übernimmt das Ressort DB Reise & Touristik. Wenige Monate später teilt ihm Mehdorn noch die Verantwortung für den Nahverkehr zu, sodass Franz die Leitung des kompletten Personenverkehrs der Bahn ausführt. Im Mai 2003 tritt Franz bei der Bahn von seinen Ämtern zurück. Grund ist ein Streit über die Einführung eines neuen Preissystems.

Unternehmensberater

Für ein Jahr lang tritt Franz als Berater für Unternehmen auf.

Swiss bis 2009

Nach zwei Monaten als Vorstandsmitglied bei der Fluggesellschaft Swiss wird Christoph Franz im Juni 2004 zum Chef des Unternehmens ernannt. In seiner neuen Rolle forciert Franz Schritt für Schritt die Aufnahme der kriselnden Swiss in eine Airline-Allianz. Gleichzeitig führte Franz Kürzungen durch – unter anderem bei der Flotte und im Personalwesen. Zu Beginn des Jahres 2005 nimmt er Gespräche mit der Lufthansa auf. Die deutsche Fluggesellschaft erklärt im März desselben Jahres eine schrittweise Übernahme der Swiss. Die Schweizer Airline wird als eigenständige Lufthansa-Tochter in deren Star Alliance aufgenommen. Die Lufthansa investiert 310 Millionen Euro bis zur vollständigen Konsolidierung in die Swiss und übernimmt 380 Millionen Euro Schulden.

Lufthansa bis 2013 – Teil 1

Christoph Franz wechselt im Juni 2009 als stellvertretender Chef in den Vorstand der Deutschen Lufthansa. Bereits nach einem Monat kündigt Franz in einem Brief an die Mitarbeiter Einsparungen von einer Milliarde Euro an. Ende September 2010 ernennt der Lufthansa-Aufsichtsrat Franz als Nachfolger des Vorstandschefs Wolfgang Mayrhuber, der den Konzern verlässt.

Lufthansa bis 2013 – Teil 2

Zum Jahreswechsel 2011/12 macht Franz Pläne über ein neues Sparprogramm öffentlich. Bis 2014 will die Fluggesellschaft 1,5 Milliarden Euro einsparen. Im April 2012 wird bekannt, dass die Summe besonders durch die Kürzung von Personalkosten wieder eingespielt werden soll. Im Mai beschließt Lufthansa unter anderem den Abbau von 3500 Stellen, im September die Einführung einer neuen Billigmarke. Die Pläne konkretisieren sich im Dezember, als Franz bekannt gibt, dass es ein neues Produkt- und Marketingkonzept für die Tochter Germanwings geben wird. Im Januar 2013 geht Germanwings erstmals mit neuem Aussehen an den Start: ein neues Logo sowie eine mehrstufige Economy-Klasse. Lufthansa sieht vor, dass künftig ein Drittel der Flotte für Germanwings fliegen soll.

Roche

Der Pharmakonzern Roche bestätigt Christoph Franz am 5. März 2013 in seinem Amt als Verwaltungsratsmitglied, das er bereits seit 2011 ausübt. Im September 2013 wird bekannt, dass Franz Ende April 2014 bei der Lufthansa ausscheidet. Im März 2014 wird der Manager bei Roche zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

Spekulationen sorgen für Unruhe im Konzern und beeinträchtigen die Moral. Die Situation ähnelt der beim Softwareunternehmen Microsoft, wo seit Monaten ebenfalls ein CEO recht öffentlich gesucht wird und immer neue Namen durch die Medien geistern. Es entsteht der Eindruck: Spohr ist nicht gut genug, andere Top-Kandidaten wollen den Job bei Lufthansa nicht. Zuletzt stand der ehemalige Chef der Deutschen Telekom, Rene Obermann, im Fokus.

Analysten zeigen wenig Verständnis für die Hängepartie. Die Lufthansa brauche nach den harten Einschnitten unter Franz einen Führer aus eigenem Haus, der die Belegschaft motivieren könne und den Laden kenne, meint Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler: „Spohr ist der perfekte Kandidat“.

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