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11.01.2007

12:32 Uhr

Talkshow im „Ersten“

Jauch verzichtet auf Christiansen-Nachfolge

Die ARD muss sich einen anderen Nachfolger von Sabine Christiansen für die Moderation der gleichnamigen Sonntagabend-Talkshow suchen: Günther Jauch, eines der prominentesten Fernsehgesichter Deutschlands, hat den öffentlich-rechtlichen Programmoberen abgesagt. Schuld, so Jauch, sei die ARD daran selber.

Günther Jauch während des RTL-Jahresrückblicks 2006. Foto: dpa dpa

Günther Jauch während des RTL-Jahresrückblicks 2006. Foto: dpa

HB BERLIN. Er habe am Donnerstag die Nachfolge von Sabine Christiansen abgesagt, sagte Jauch der Deutschen Presse-Agentur. Als Begründung gab der 50-Jährige an, dass die ARD darauf gedrungen habe, er solle „journalistisch exklusiv“ für das „Erste“ tätig sein und eine weitere Sendung übernehmen. „Ich wollte aber keine Zusagen über den Sonntagabend hinaus geben“, so Jauch.

Als weiteren Grund nannte Jauch, dass die ARD die Zuständigkeit für seine Show den Chefredakteuren habe unterstellen wollen. „Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden.“ Dies entspreche nicht seinem Empfinden von „innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit“.

Jauch sagte, er sei überzeugt, „dass nun jemand anderes die Sendung erfolgreich weiterentwickeln wird. Sicher bedauere ich, dass wir uns am Ende nicht einigen konnten. Dabei war der Vertrag schon komplett ausverhandelt, als die ARD mit Nachforderungen kam.“ Die vielfach in der Öffentlichkeit kritisierten Werbeverträge Jauchs seien ohnehin kein Thema mehr: Die habe er entweder gekündigt oder zum Ende des Jahres auslaufen lassen, sagte Jauch.

Mit seinem Haussender RTL habe die Entscheidung nichts zu tun, versicherte Jauch, der mit seiner Familie in Potsdam lebt. Ein höher dotiertes Angebot des Kölner Privatsenders habe ihm nicht vorgelegen und damit nicht zu seiner Entscheidung beigetragen. Beim deutschen Marktführer ist Jauch derzeit mit der Show „Wer wird Millionär?“ und „Stern TV“ aktiv. Christiansens Nachfolge sollte er im September 2007 antreten.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff bedauerte die Absage Jauchs. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks erklärte: „Ich würde mich freuen, wenn damit das Tischtuch zwischen ihm und der ARD nicht endgültig zerschnitten wäre. Vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt eine Gelegenheit, doch noch zusammen zu kommen.“ ARD-Chefredakteur Thomas Baumann wehrte sich gegen einen Teil der Jauch-Vorwürfe: „Was Günther Jauch mit 'politischer Farbenlehre' meint, weiß ich nicht. Redaktionelle Entscheidungen finden in meiner Koordination nicht nach Proporzdenken oder Farbenlehren statt, sondern fußen - je nach Thema und Lage - auf journalistischer Ausgewogenheit.“

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