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04.07.2015

16:26 Uhr

Tarifstreit

Post und Verdi kommen voran

Offenbar bewirkt der durch den Streik aufgebaute Druck, dass sich Vertreter der Deutschen Post und Verdi bei den Verhandlungen an diesem Wochenende näherkommen. Wird auch Zeit, denn die Kunden reagieren immer ungehaltener.

Wie voll die Briefkästen wohl sind? An diesem Wochenende geht nach vier Wochen Verhandlungspause die Tarifrunde für die rund 140 000 Tarifbeschäftigten der Post weiter. dpa

Poststreik: Verhandlungen gehen weiter

Wie voll die Briefkästen wohl sind? An diesem Wochenende geht nach vier Wochen Verhandlungspause die Tarifrunde für die rund 140 000 Tarifbeschäftigten der Post weiter.

Düsseldorf/Bad Neuenahr/BerlinDie Tarifverhandlungen für die rund 140 000 Beschäftigten der Post sind am Samstag bis zum frühen Nachmittag weiter vorangekommen. „Beide Seiten sind willens, Lösungen zu finden“, berichtete ein Post-Sprecher. Ob es noch am Samstag einen Durchbruch bei den Gesprächen in Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) geben könne, lasse sich aber nur schwer vorhersagen. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi: „Es wird weiter gearbeitet, aber die Einigung ist noch nicht in Sicht.“ Manche strittigen Punkte seien noch gar nicht angesprochen worden. Gegen 14 Uhr hatte erneut eine direkte Sondierung mit Post- und Verdi-Vertretern begonnen. Nach diesen Gesprächsphasen folgen stets interne Beratungen in den Tarifkommissionen. Zu Details der Verhandlungen wollten sich beide Seiten zunächst nicht äußern. Post und Verdi hatten zuvor vom Freitag- bis zum frühen Samstagmorgen gegen 1 Uhr verhandelt. Um kurz nach 9 Uhr gingen die Gespräche dann weiter. Währenddessen hielten die Streiks an. Laut Verdi waren dabei am Samstag wieder rund 32 000 Beschäftigte im Ausstand.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Zentraler Streitpunkt ist die Ausgliederung regionaler Paketgesellschaften bei schlechterer Bezahlung. Dort arbeiten rund 6500 Menschen, ihre Zahl soll steigen. Verdi lehnt das strikt ab. Die Regionalgesellschaften sind aber nur ein Punkt von vielen. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Geld und eine Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich für die Postler. Sie bietet ein Entgegenkommen an, falls die Post die Paketgesellschaften in den Haustarif aufnimmt. Das weist der Konzern als „nicht verhandelbar“ zurück, wie Vorstandschef Frank Appel vor Verhandlungsbeginn noch einmal bekräftigt hatte. Außerdem geht es um eine mögliche Verlängerung des Kündigungsschutzes, der zum Ende des Jahres ausläuft. Alle Teilfragen würden im Gesamtpaket verhandelt, hieß es bei Verdi.

Der inzwischen fast vierwöchige unbefristete Streik sorgt inzwischen zunehmend für Beschwerden von Kunden. In manchen Städten bleiben Briefe nach Schilderungen von Betroffenen wochenlang liegen. Stark betroffen ist demnach zum Beispiel Berlin. Klagen kommen vor allem von Online-Händlern, deren Lieferungen verspätet das Ziel erreichen und die Probleme mit ihren Kunden bekommen. In der Bevölkerung findet der Ausstand einer Umfrage zufolge insgesamt weiter Rückhalt. Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer am Freitag veröffentlichten Befragung ermittelte, haben 63 Prozent der Bundesbürger Verständnis für den Arbeitskampf. Nur 29 Prozent lehnen ihn kategorisch ab. Dabei hat fast die Hälfte der Bundesbürger inzwischen die Auswirkungen des Streiks persönlich zu spüren bekommen. Insgesamt 42 Prozent der 1370 Befragten gaben an, durch den Tarifkonflikt bereits wichtige Post zu spät erhalten zu haben.

Ver.di-Verhandlungsleitung zum Post-Streik

„Wir sind optimistisch, dass wir zu einer Lösung kommen“

Ver.di-Verhandlungsleitung zum Post-Streik: „Wir sind optimistisch, dass wir zu einer Lösung kommen“

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