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15.06.2013

14:38 Uhr

Tarifverhandlungen

Verdi droht Amazon mit längerem Streik

Die Gewerkschaft erhöht im Streit um einen Tarifvertrag den Druck auf den Versandhändler. Statt Tagesstreiks sollen die Mitarbeiter für zwei Tage ihre Arbeit niederlegen. Der Konzern lehnt eine Tariflösung weiter ab.

Schon am Freitag hatten die Beschäftigten bei Amazon gestreikt. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein. dpa

Schon am Freitag hatten die Beschäftigten bei Amazon gestreikt. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein.

Bad HersfeldIm Streit um einen Tarifvertrag beim Internet-Versandhändler Amazon verschärft die Gewerkschaft Verdi die Gangart. „Wir werden den Druck erhöhen und als Nächstes wohl zu einem zweitägigen Streik aufrufen – und zwar in naher Zukunft“, sagte Mechthild Middeke von Verdi Hessen der Nachrichtenagentur dpa. Bislang hatte es am größten deutschen Versandlager in Bad Hersfeld und am Standort Leipzig nur vereinzelte Tagesstreiks gegeben. Bei einer kommenden Arbeitsniederlegung wären es die Streiktage vier und fünf.

Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Der weltgrößte Interversandhändler lehnt dies aber ab und orientiert sich nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche. „Das sind zwei gegensätzliche Positionen. Es gibt aber dennoch Raum für eine Annäherung - womöglich durch die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, sagte Middeke.

Bislang sieht Verdi keine Bewegung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt. „Amazon ist nicht bereit zu verhandeln.“ Der Internet-Versand-Riese hatte immer wieder betont, dass für Verhandlungen die Gemeinsamkeiten fehlten.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Zuletzt hatten Anfang Juni Beschäftigte in Bad Hersfeld und Leipzig gestreikt. Nach Gewerkschaftsangaben waren es zusammen 1000 Protestierer, laut Amazon waren es weniger als 850. Auswirkungen für Kundenbestellungen wegen der Streiks hatte Amazon stets bestritten.

Amazon hat in Deutschland acht Versandlager und rund 9000 Mitarbeiter. In Bad Hersfeld arbeiten mehr als 3300 Menschen, in Leipzig sind es etwa 2000.

Von

dpa

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