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26.01.2008

08:57 Uhr

Tauchen

Durch die andere Brille

VonMarie-Luise von der Leyen

Für den Deutschland-Chef von Sony-Ericsson, Axel Kettenring, ist das Tauchen mehr als nur Unterwassersport. In erster Linie ist es für ihn ein gutes Training, sich auf die kontinuierlichen Veränderungen seines Managerlebens einzustellen.

Die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten: das ist, was viele am Tauchen fasziniert - auch Axel Kettenring. Foto: Reuters

Die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten: das ist, was viele am Tauchen fasziniert - auch Axel Kettenring. Foto: Reuters

Zum Fototermin in den schwülen Dampfschwaden der Düsseldorfer Münstertherme hat Axel Kettenring auf den üblichen dunklen Businessanzug zugunsten eines sportlichen, hell braunen verzichtet und auch die Krawatte im Schrank gelassen. Dafür legt er auf Verlangen der Fotografin bereitwillig Schnorchel und Taucherbrille an und empfindet die Kombination als nicht im mindesten abträglich, obwohl ein ausgewiesener Taucher natürlich auf einen Schnorchel herabsieht, der schnaufend an der Wasseroberfläche herumtreibt und sich die faszinierende Erfahrung der Meerestiefe entgehen lässt. Überhaupt macht Kettenring das ganze Shooting trotz der thermalen Hitze ganz offensichtlich Spaß: „Mal was anderes“, sagt er und lacht. Für anderes ist er immer zu haben.

Nach der schweißtreibenden Foto-Session verlegt er das Gespräch in den kühleren Konferenzraum von Sony-Ericsson am Düsseldorfer Seestern. Er lehnt entspannt im Drehsessel, verlangt nach einem Mineralwasser und spricht ebenso lässig wie kontrolliert und mit leichtem, aber unverkennbar bayrischem Akzent über sein Hobby, das Tauchen. Ihm gegenüber die PR-Managerin, deren Präsenz während der lockeren Plauderei über Privates für den offiziellen Anstrich sorgt.

Die Meerestiefen haben es Axel Kettenring angetan, seit er vor mittlerweile neun Jahren einen Freund in Florida besucht und dort seinen Tauchschein gemacht hat. Seither ist Tauchen zu seinem Lieblingssport geworden, von dem er auch seine Frau überzeugt hat, die inzwischen schon weit mehr Tauchgänge vorweisen kann als er selbst. Er ist glücklich darüber, denn Tauchen betrachtet er als idealen „Paar-Sport“. Zwar läuft er als gebürtiger Münchener natürlich auch Ski, fährt passioniert Motorrad, war zwanzig Jahre lang Stürmer in einem Münchener Fußballverein, spielt Squash und seit einigen Jahren Golf – mit Platzreife, aber ohne Handicap: „Beim Golfen lernt man, demütig zu sein. Selbst nach dem schönsten Schlag kann man sich nicht erlauben zu sagen: ,Ich kann’s!’“ Aber er weiß auch, dass ihm auf dem Golfplatz aus Zeitmangel Grenzen gesetzt sind. Genau die spürt er beim Tauchen nicht: Im Gegenteil: „Das Tauchen eröffnet einem völlig neue Dimensionen. Man taucht ein in eine komplett andere Welt, von der man sich an Land gar keine Vorstellung machen kann.“

Es ist vor allem die Begegnung mit dem Neuen, dem ganz und gar Andersartigen, die ihn unter Wasser fasziniert – Herausforderung und Training seiner Neugier auf das Leben und seine Wechselfälle in einem ihm unbekannten Medium. Das Tauchen, sagt er, sei eine gute Schulung, sich auf die kontinuierlichen Veränderungen, denen man täglich ausgesetzt sei, einzustellen. Das gilt nicht nur für Privates, sondern vor allem auch für seinen Beruf in der Mobilfunk-Branche, die von der konstanten Veränderung durch die Technik, aber auch der Moden und der sich entsprechend wandelnden Bedürfnisse geprägt ist.

Eigentlich, so hat er festgestellt, sei es ja ein Grundbedürfnis des Menschen, Neues erfahren und kennenlernen zu wollen: „Ich erlebe es“, sagt er, „an meinem knapp zweijährigen Sohn.“ Wenn die Sprache auf ihn kommt – und das tut sie immer wieder – schwingt spontan so etwas wie Begeisterung in seiner Stimme mit. „Seine Lust am Neuen fasziniert mich. Später verlieren viele von uns diese Lust. Manche fühlen sich sogar durch das Neue beunruhigt. Ich nicht. Ich fühle mich durch neue Entwicklungen und Sichtweisen herausgefordert, und diese Herausforderung macht mir unheimlich Spaß. Eine Einstellung, die einem auch das Tauchen lehrt. Es ist zweifellos einer der Gründe, warum ich überhaupt tauche.“

Ein anderer ist, dass dieser Sport, wie die meisten Taucher versichern, sehr entspannend ist. Erstens, weil man schwerelos durchs Wasser gleitet und seinen Körper nicht mehr spürt. Zudem, „weil man völlig abgeschnitten ist von der Welt“. Und zum Dritten, „weil man sich auf vollkommen andere Dinge konzentrieren muss als sonst. Auf die Atmung zum Beispiel, auf die man ja über Wasser normalerweise keinen Gedanken verschwendet oder darauf, dass man bei bestimmten Strömungen mit den richtigen Bewegungen in der richtigen Tiefe schwimmt.“

Ein weiterer Anreiz sei die fantastische Schönheit der Unterwasserwelt. Das gilt für „einen Schwarm junger Barrakudas, die in einem solchen Affenzahn um einen herumschwirren, dass man vergisst, dass sie ja auch ganz nett beißen können, ebenso wie für die stille, minimalistische Ordnung im Lebensbereich einer Koralle.“

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