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08.11.2015

10:15 Uhr

Taxi-Konkurrent

Jetzt will Uber Afrika erobern

Uber wächst stark in Südafrika. Trotz Gegenwind ist der Taxi-Konkurrent dort auf dem Vormarsch. In Ländern südlich der Sahara will das Unternehmen vom Mangel an öffentlichen Transportmitteln profitieren.

Uber in Afrika: Vor allem in den Metropolen Johannesburg und Lagos will Uber jetzt durchstarten. ap

Der Taxi-Konkurrent expandiert

Uber in Afrika: Vor allem in den Metropolen Johannesburg und Lagos will Uber jetzt durchstarten.

JohannesburgBei seinen internationalen Expansionsplänen hat der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber Afrika entdeckt. In Metropolen ohne vernünftigen öffentlichen Verkehr wie Lagos im Westen und Johannesburg im Süden sieht das Unternehmen eine Chance für sein Geschäftsmodell. Während Uber in vielen Teilen der Welt für Widerstand bei professionellen Anbietern sorgt, glaubt das Start-up aus San Francisco auf diesem Kontinent an seine Entfaltungsmöglichkeiten. „In Afrika südlich der Sahara haben wir unglaubliche Steigerungsraten“, erzählt der für die Region zuständige Manager Alon Lits in der südafrikanischen Metropole Johannesburg.

Dort ging Uber 2012 mit der Vermittlung von Fahrten mit Privatleuten an den Start – bis Ende 2014 hatte der Dienst bereits rund eine Million Fahrten mit insgesamt 2000 Fahrer registriert. Sechs Monate später, im vergangenen Mai, hatte sich die Zahl der Fahrten verdoppelt. Später folgten Metropolen wie Durban oder Kapstadt.

Taxi-Konkurrent Uber: Riese auf dem Rückzug

Taxi-Konkurrent Uber

Riese auf dem Rückzug

Die Mobilitätsplattform Uber kommt in Deutschland einfach nicht voran. Aus Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf will sich das US-amerikanische Start-up vorerst zurückziehen. Der Grund ist ein ganz praktischer.

Das Unternehmen, so der 30-jährige Südafrikaner, sei seinem Ziel mittlerweile sehr nahe gekommen, innerhalb der kommenden zwei Jahre rund 15.000 Fahrer auf Südafrikas Straßen zu haben.

In der nigerianischen Metropole Lagos ging Uber erst 2014 an den Start, in Kenias Hauptstadt Nairobi im vergangenen Juni. Schon jetzt zählt das Unternehmen dort pro Woche mehrere tausende Fahrten. Dabei stößt Uber in vielen Teilen der Welt auf massiven Widerstand von Taxi-Branche und Behörden, die dem Dienst unfairen Wettbewerb vorwerfen.

In Afrika dagegen sind die Rahmenbedingungen anders. „Überall auf dem Kontinent gibt es ähnliche Probleme mit hoher Arbeitslosigkeit und einem Mangel an öffentlichem Transport“, sagt Lits. Doch muss er zugeben, dass der Fahrdienst auch in Afrika auf Widerspruch stößt.

In Südafrika etwa, wo eine mächtige Taxi-Industrie seit den Tagen der Apartheid mit ihren Mini-Bussen den öffentlichen Nahverkehr weitgehend übernommen hat. Die weiße Regierung hatte damals bewusst keine Infrastruktur aufgebaut, um die schwarze Bevölkerung in den Townships isolieren zu können. Die schwarzen Taxi-Bosse wurden so zum Rückgrat des öffentlichen Transports: Sie wehren sich wenn nötig auch mit Gewalt gegen Versuche, ihr lukratives Geschäft zu stören.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Seit April gab es im Kap-Staat daher Einschüchterungsversuche gegenüber Uber-Fahrern. „Uber kam ins Land und ignorierte alle Gesetze, das ist unfair“, schimpft Aldino Muller, dessen Verband etwa 6000 Taxifahrer in der Westkap-Provinz vertritt. Er fordert: „Es sollte uns erlaubt sein, zu gleichen Bedingungen gegeneinander anzutreten.“ Die Taxi-Industrie befürchtet eine Zerstörung des Lebensunterhalts vieler ihrer Fahrer durch Preis-Dumping. Lits: „Die Einschüchterung hat aber definitiv nachgelassen, immer mehr Taxifahrer nutzen unsere Dienste.“

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