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05.11.2015

13:00 Uhr

Taxi-Konkurrent Uber

Riese auf dem Rückzug

VonLukas Bay

Die Mobilitätsplattform Uber kommt in Deutschland einfach nicht voran. Aus Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf will sich das US-amerikanische Start-up vorerst zurückziehen. Der Grund ist ein ganz praktischer.

Die Angebote des Start-ups sind bald nur noch in Berlin und München verfügbar. dpa

Fahrdienst Uber

Die Angebote des Start-ups sind bald nur noch in Berlin und München verfügbar.

DüsseldorfInternational ist Uber ein Riese. Keine Mobilitätsplattform vermittelt mehr Fahrten als die Amerikaner. Mit einem geschätzten Börsenwert von 50 Milliarden Dollar ist das Start-up mittlerweile wertvoller als der Autobauer Fiat-Chrysler – beteiligt sind unter anderem Google und Goldman Sachs. In Deutschland schrumpft Uber nun wieder zum Zwerg. Vorerst, wie das Unternehmen betont.

Ab dem 9. November 2015 wolle man in Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt eine Pause einlegen, teilte das Unternehmen vor einigen Tagen mit. Dann werden keine Fahrten mehr über die App vermittelt. Man wolle das Geschäft künftig auf München und Berlin konzentrieren. In den anderen Städten könne man nicht für die gewohnte Servicequalität garantieren. Übersetzt: Den Amerikanern fehlen schlichtweg die Fahrer.

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Im Schatten des Rampenlichts gibt es auch eine andere Welt: mit Ausbeutung, Machtspielen und Doppelmoral.

Denn seit der Dienst Uber Pop gerichtlich verboten wurde, dürfen Privatleute nicht mehr mit ihren eigenen Autos für Uber fahren. Der Dienst Uber X, der Mitte 2015 gestartet war, setzte danach auf selbstständige Mietwagenunternehmer. Doch bisher konnte Uber nach eigenen Angaben nur eine „niedrige dreistellige Zahl“ an Fahrern für das Angebot begeistern. Mit dem Rückzug ist Uber X und nur noch in München aktiv – in Berlin vermitteln die Amerikaner mit Uber Taxi ausschließlich normale Taxifahrten. 70 Prozent aller Fahrten werden in diesen beiden Städten unterwegs, betont Uber.

Schon zum Start hatten viele Taxizentralen betont, dass Uber X für die Fahrer wenig lukrativ sei. Schließlich müssen Mietwagenunternehmen laut Gesetz nach jeder Fahrt zum Firmensitz zurückkehren. Darüber hinaus zahlen Mietwagenunternehmen im Gegensatz zu Taxifahrern den vollen Mehrwertsteuersatz. Trotzdem warb Uber damit, die Fahrten trotz Vermittlungsgebühr günstiger anzubieten als klassische Taxis. Ein Geschäftsmodell, das bisher nicht aufzugehen scheint.

„Insbesondere die Unsicherheiten und Ermessensspielräume auf lokaler Ebene haben wir unterschätzt“, erklärt Uber-Deutschlandchef Christian Freese im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Zahlen zum Taxigewerbe in Deutschland

Fahrgäste

423 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2013 in Deutschland von einem Taxi oder Mietwagen fahren lassen. Rund 2845 Millionen Personenkilometer kamen so zustande, keine Steigerung mehr im Vergleich zu den Vorjahren.

Anbieter

53.554 Taxis teilten sich im Jahr 2012 mit fast 36.000 Mietwagen einen Umsatz von 4,22 Milliarden Euro. Vier Jahre zuvor waren es erst 49.992 Taxis und 29.898 Mietdroschken. Nur 14,6 Prozent der Taxibetriebe hatten mehr als zwei Wagen.

Hier fahren die meisten Taxis

Deutsche Taxihauptstadt ist Berlin mit fast 9000 Taxen und Mietwagen. Die Messestadt Frankfurt hat allerdings die höchste Taxidichte, auf ein Taxi kommen hier nur 404 Einwohner. In Dresden müssen 1082 Menschen die Dienstleistung eines Taxis teilen.

Denn der Weg zum selbstständigen Unternehmer mit eigener Konzession ist steinig. Neben einem Personenbeförderungsschein müssen Mietwagenunternehmer bei der IHK eine eigene Prüfung ablegen. Die Gebühren von 160 Euro pro Prüfung und 200 Euro für einen freiwilligen Vorbereitungskurs trägt der Fahrer. Eventuelle Misserfolge auch. Bundesweit bestehen nur 39 Prozent aller Prüflinge, der Rest fällt durch, teilt die IHK auf Anfrage mit. Da die mündliche Prüfung auch durch etablierte Taxiunternehmer abgenommen werden, sei die Durchfallquote bei Uber-Partnern, aber auch bei neuen Taxi-Unternehmern hoch gewesen, betont Uber-Chef Freese. Einige hätten das Verfahren darum vorzeitig abgebrochen.

Kommentare (7)

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Herr stefan kinlel

04.11.2015, 08:42 Uhr

Die bekommen weltweit massiven Gegenwind. Zu recht, das ist ein lausiges Geschäftsmodell.
Mal gespannt, was aus deren Multimilliarden Bewertung (40?) wird. Alle Großen a la Blackrock, Vanguard, FMR und Co sind da investiert. Viel Spaß beim Abschreiben von Goodwill.

Account gelöscht!

04.11.2015, 09:20 Uhr

Vor allem zieht Uber Wertschöpfung = Cash aus den jeweiligen Ländern ab, vermutlich sogar über windige Schachtelkonstruktionen zur totalen Steuervermeidung, wie schon die "grossartigen" Firmen ebay, Amazon, Starbucks etc pp

Herr Edward Jäger

04.11.2015, 09:32 Uhr

Das Geschäftsmodell von Uber ist richtig gut. Die Idee habe ich ansatzweise übernommen und fahre jetzt mit meinem VW Golf II Bushaltestellen ab und nehme gegen eine kleine Spende Mitfahrer mit. So kann ich als Rentner steuerfrei etwas dazu verdienen. Tolle Idee!

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