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10.09.2014

18:26 Uhr

Taxi-Rivale

Uber beschäftigt erneut die Gerichte

Das Landgericht Frankfurt entscheidet am Dienstag über den Widerspruch des Fahrdienstes Uber gegen das vorläufige Verbot in Deutschland. Taxi-Genossenschaft wollte Beweise gegen Uber sammeln – offenbar ohne Erfolg.

Der umstrittene Fahrdienst Uber hat eine App entwickelt, die Kunden auch an private Fahrer vermitteln kann. dpa

Der umstrittene Fahrdienst Uber hat eine App entwickelt, die Kunden auch an private Fahrer vermitteln kann.

BerlinIm Streit deutscher Taxi-Unternehmen mit dem Fahrdienst Uber will das Landgericht Frankfurt erneut über dessen Legalität entscheiden.

Am kommenden Dienstag werde die Zivilkammer in öffentlicher Verhandlung über den Widerspruch des US-Anbieters gegen das vorläufige Verbot in Deutschland befinden, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

Uber vermittelt über eine Smartphone-App Fahrdienste privater Autobesitzer gegen Provision und hat damit den Zorn der Taxi-Zentralen auf sich gezogen. Auf deren Antrag hin entschied das Landgericht Frankfurt Anfang September, dass Uber keine Kunden an Autofahrer ohne amtlichen Personenbeförderungsschein vermitteln darf.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Damit steht das Geschäftsmodell des Startup-Unternehmens, zu dessen Geldgebern Google und Goldman Sachs zählen, infrage. Uber hatte angekündigt, sich nicht an den Richterspruch zu halten.

Im Gegenzug erklärte die Taxi-Genossenschaft, sie werde dies durch Probefahrten beweisen. Damit will sie dafür sorgen, dass Uber das vom Gericht angedrohte Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro je Fahrt zahlen muss.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat die Taxi-Genossenschaft bislang noch keine Beweise vorgelegt, dass Uber gegen die Einstweilige Verfügung verstößt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Rolf Ernst

11.09.2014, 09:14 Uhr

"Taxi-Genossenschaft wollte Beweise gegen Uber sammeln – offenbar ohne Erfolg." Aus der Formulierung ergibt sich, dass Sie nicht wissen wie ein Gericht Beweis erhebt.
Beweise sind nämlich immer dann überflüssig, wenn der Verstoß offen zugegeben wird. Das ist ja hier der Fall, Uber räumt sogar ein, vorsätzlich gegen die Verfügung handeln zu wollen. Das ist ein Novum auf diesem Gebiet, da solche Verfügungen bislang häufig nur gegen eingeschüchterte Straßenhändler angewandt wurden, die es wagten, am 2. Oster- oder Pfingsttag etwa Blumen oder Brötchen zu verkaufen, was hierzulande streng verboten ist. Uber hat in jedem Fall ausgespielt, spätestens dann, wenn der Fahrer merkt, dass er ja Sprit, Reparaturen, Gebühren, Wartungen und Versicherungen selber bezahlen muss, im Gegensatzz zum Normaltaxi. Eines noch: Im deutschen Ordnungswidrigkeitenrecht können Strafen bei vorsatz verdoppelt werden.

Herr wulff baer

11.09.2014, 09:41 Uhr

So bescheuert kann die Taxi-Genossenschaft gar nicht sein, als dass sie am Ende doch die nette Idee torpedieren kann.
Wir werden also weiterhin mit dem teuren und besch... Service der deutschen Taxifahrer leben müssen.

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