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06.10.2015

16:32 Uhr

Tchibo-Mitbegründerin

Ingeburg Herz ist tot

Die großen Unternehmer der Nachkriegszeit sind fast ausnahmslos bereits tot. Ingeburg Herz gehörte zu den letzten, die in den Aufbaujahren der Republik bei den Pionieren dabei war – als Ehefrau.

Tchibo war in den 60er-Jahren bereits eine bekannte Kaffeemarke, jedoch nicht mit dem heutigen Milliardenkonzern vergleichbar. dpa

Tchibo-Filiale

Tchibo war in den 60er-Jahren bereits eine bekannte Kaffeemarke, jedoch nicht mit dem heutigen Milliardenkonzern vergleichbar.

HamburgDas Oberhaupt der Hamburger Milliardärsfamilie Herz ist tot. Ingeburg Herz, die Witwe des Tchibo-Gründers Max Herz, starb bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 95 Jahren in Hamburg, wie die Familienholding MaxIngvest am Dienstag in Hamburg mitteilte. Sie hat ihren Mann um mehr als fünf Jahrzehnte überlebt.

Ingeburg und Max Herz hatten 1939 im Krieg geheiratet und fünf Kinder bekommen. Nach dem frühen Tod des Tchibo-Gründers 1965 fiel das gesamte Vermögen der Ehefrau und den Kindern zu. Tchibo war in den 60er-Jahren bereits eine bekannte Kaffeemarke, jedoch nicht mit dem heutigen Milliardenkonzern vergleichbar. Der Umsatz betrug rund 50 Millionen DM.

Am Aufbau der Firma hatte Ingeburg Herz einen wichtigen Anteil. „Die Kaffeepäckchen flogen nur so über den Tresen; wir machten alles im Laufschritt, holten neue Ware aus der Rösterei. Natürlich habe ich da mit gearbeitet, zehn Stunden am Tag und mehr“, erinnerte sie sich später an die Zeiten des Fabrikverkaufs gleich neben der Rösterei in der Hamburger Hoheluftchaussee. In den 50er-Jahren chauffierte sie ihren Mann auf der Suche nach geeigneten Filialstandorten im Auto quer durch Deutschland.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Max Herz hatte ein unklares Testament hinterlassen, nach dem „zwei meiner tüchtigsten Jungs“ das Unternehmen führen sollten. Die vier Söhne konnten sich nie einigen, auf wen das am meisten zutraf. Der älteste Sohn Günter führte Tchibo mehr als 35 Jahre lang und formte daraus einen Weltkonzern, gemeinsam mit dem drittältesten Michael. Dann wurde Günter gegen seinen Willen von seinen Brüdern aus dem Unternehmen gedrängt und gemeinsam mit seiner Schwester Daniela ausgezahlt.

Mutter Ingeburg soll unglücklich gewesen sein über den Familienzwist. Zeitweise sprach jedoch auch sie mit einigen ihrer Kinder kein Wort, zum Beispiel mit Joachim, der bei einem Unfall 2008 in den USA ums Leben kam. So war es jedenfalls zu hören; der Wahrheitsgehalt von Gerüchten über das Hause Herz ist kaum zu überprüfen. Bei ihrem Tod waren die vier noch lebenden Kinder jedenfalls dabei.

Die gesamte Familie teilt eine Leidenschaft für Pferde und den Trabrennsport; auch Ingeburg Herz war gelegentlich auf der Rennbahn und auch bei Springturnieren zu sehen. Das Unternehmen lag ihr bis ins hohe Alter am Herzen; noch im vergangenen Dezember nahm sie an der Weihnachtsfeier der Tchibo-Pensionäre teil.

Mit ihrer Max und Ingeburg Herz Stiftung, die vorrangig Einrichtungen für die medizinische Behandlung und Betreuung älterer Menschen unterstützt, gehörte sie zum Kreis der Hamburger Stifter. Der Stiftung sowie Ingeburg Herz gehören 27,5 Prozent an der MaxIngvest Holding, der wiederum Tchibo und die Mehrheit an Beiersdorf gehört. Damit war Ingeburg Herz eine der reichsten Frauen in Deutschland. Die Beisetzung ist im engsten Familienkreis vorgesehen.

Von

dpa

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