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19.01.2005

07:23 Uhr

TCI blitzt mit Forderung nach Hauptversammlung in Sachen LSE ab

Aktienrecht gibt Deutscher Börse Schützenhilfe gegen Hedge-Fonds

Die Deutsche Börse gewinnt im Clinch mit dem Hedge-Fonds TCI Zeit. Der Fonds hatte eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt, um die Übernahme der Londoner Börse (LSE) zu torpedieren. Nach Angaben aus Kreisen des Unternehmens wird es aufgrund gesetzlicher Fristen dazu aber vor der ordentlichen Hauptversammlung am 25. Mai nicht mehr kommen.

fs/pot FRANKFURT/M. Die Börse selbst wollte sich zu dem Zeitrahmen, der TCI ein gutes Stück den Wind aus den Segeln nehmen würde, gestern nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, der Vorstand werde den Antrag von TCI prüfen.

Der Hedge-Fonds hatte am Wochenende die Einberufung einer Hauptversammlung gefordert. Nach Meinung des Fonds sollte die Börse eigene Aktien zurückkaufen anstatt die LSE zu übernehmen. Formal will TCI auf der HV über die Abberufung des Aufsichtsrats abstimmen lassen, um das Management unter Druck zu setzen. Einer schnellen Hauptversammlung steht allerdings das Aktienrecht entgegen.

Danach müssen Aktionäre vor Einberufung einer Hauptversammlung mindestens drei Monte lang im Besitz der Aktien sein. TCI ist aber erst seit Freitag im Besitz von fünf Prozent der Börsenaktien - damit wäre der Antrag des Hedge-Fonds hinfällig. "Die Frist von drei Monaten soll verhindern, das Aktionäre kurzfristig Aktien kaufen und ihre Rechte missbrauchen", sagt Tim Brandi, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Lovells.

TCI selbst reagierte gestern verstimmt auf die deutsche Rechtslage. Wenn die Börse sich "mit Formalien" gegen den Willen der Aktionäre stelle, würden diese in drei Monaten noch mehr verärgert sein und das Management auswechseln wollen, sagte TCI-Chef Chris Hohn dem Handelsblatt.

Die Haltung der Börsenaktionäre in der Frage der Übernahme ist gespalten. Außer TCI haben sich mittlerweile zwei weitere Investoren öffentlich zu Wort gemeldet, denen die Übernahme der LSE ebenfalls als zu teuer erscheint. Dies sind der amerikanische Fondsgesellschaft Harris, die nach eigenen Angaben 4,5 Prozent an der Börse hält, und der US-Fonds Atticus. Dagegen äußerten sich diverse deutsche Fondsgesellschaften zustimmend.

Nach Meinung von Martin Praum, Analyst bei Sal. Oppenheim, stehen die meisten Investoren hinter Börsenchef Werner Seifert. Sein Argument: "Der Aktienkurs ist seit Ankündigung der Übernahmepläne im Dezember leicht gestiegen." Als die Börse ihre Übernahmegelüste bekannt gab, notierte die Aktie bei 44,55 Euro. Gestern Nachmittag lag der Titel bei 45,57 Euro. Wären die Investoren vehement gegen die Übernahme hätte der Kurs kräftig fallen müssen.

Auch nach Meinung von Analysten ist der Widerstand der drei angelsächsischen Aktionäre keine Hürde für Seifert. So sieht Praum mit Blick auf das Aktienrecht kaum Chancen, dass TCI die Pläne des Managements stören könnte. "Tendenziell ist der Widerstand noch kein Hindernis. Die Aktionäre müssen die Entscheidung des Management akzeptieren oder die Aktien verkaufen", sagte auch Jörn Kissenkötter von MM Warburg. Viele Analysten sind ohnehin der Meinung, dass TCI mit seinem öffentlichen Vorgehen nicht zuletzt Werbung in eigener Sache betreiben will.

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