Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2013

03:48 Uhr

Teile von Röhn-Klinikum gekauft

Fresenius schwingt sich zum Klinikriesen auf

Was die Konkurrenz letztes Jahr verhinderte, gelang im zweiten Anlauf: Fresenius wird durch die Übernahme von Rhön-Klinikum zum größten privaten Klinikbetreiber in Europa. Das gelang nur dank eines Tricks.

Überraschungscoup von Fresenius - Dax unverändert

Video: Überraschungscoup von Fresenius - Dax unverändert

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDer Gesundheitskonzern Fresenius kauft für gut drei Milliarden Euro einen Großteil von Rhön-Klinikum und schafft damit einen Krankenhaus-Giganten in Deutschland. Mit dem Geschäft, das beide Konzerne in der Nacht zu Freitag verkündeten, nimmt der monatelange Kampf um die Vorherrschaft am deutschen Klinikmarkt eine unerwartete Wendung. „Die Blockade ist aufgehoben – die Kuh ist vom Eis“, sagte ein Beteiligter.

Fresenius war 2012 mit der Übernahme von Rhön-Klinikum gescheitert, weil sich der Konkurrent Asklepios in letzter Minute bei der fränkischen Klinikkette eingekauft hatte. Kürzlich kündigte der Medizintechnikkonzern B. Braun an, seinen Anteil an Rhön auf über 25 Prozent aufzustocken, womit der Konzern einen Rhön-Verkauf dauerhaft hätte verhindern können. Braun und Asklepios wollten so die Schaffung eines übermächtigen Anbieters auf dem deutschen Klinikmarkt verhindern.

Die Spitzen von Fresenius und Rhön haben in den vergangenen Monaten mit ihren Juristen jedoch in aller Stille einen Plan ausgeheckt, der alle überrascht: Der Dax-Konzern übernimmt nicht den gesamten Rhön-Konzern, sondern nur den Großteil seiner Kliniken. Die Aufsichtsräte und Vorstände beider Unternehmen hätten das Geschäft bereits abgesegnet und entsprechende Verträge unterschrieben, sagte ein Fresenius-Sprecher. Eine Zustimmung der Rhön-Aktionäre sei nicht mehr nötig.

Bieterwettstreit: B. Braun will Rhön-Klinikum-Übernahme dauerhaft blockieren

Bieterwettstreit

B. Braun will Rhön-Klinikum-Übernahme dauerhaft blockieren

Der Bieterkampf um den Klinikbetreiber Rhön-Klinikum geht in eine neue Runde: Der Medizintechnikkonzern B. Braun will seine Beteiligung kräftig aufstocken. Die Hessen wollen 25 Prozent des Klinikums erwerben.

Fresenius erwirbt 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren, die im laufenden Jahr zusammen einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 250 Millionen Euro und einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielen sollen - das entspricht rund zwei Dritteln der Gesamterlöse von Rhön. Fresenius legt dafür 3,07 Milliarden Euro auf den Tisch.

Rhön will sich in Zukunft vor allem auf Krankenhäuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben wird. Die Basis des nun deutlich kleineren Konzerns bilden die Häuser in Bad Berka und Frankfurt/Oder, der Stammsitz in Bad Neustadt sowie die Universitätskliniken in Gießen und Marburg. Die „neue Rhön“ startet mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro und rund 15.000 Mitarbeitern.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.09.2013, 06:49 Uhr

Dann brauchen wir uns ja nicht mehr zu wundern, wenn in nicht allzu ferner Zukunft die Kosten für einen Krankenhaus-Aufenthalt explodieren.

Die Krankenkassen klagen ein uns andere Mal über zu hohe Kosten. Und jetzt wird so etwas zugelassen.

Und wo ist doch gleich das Kartellamt ? Ach ja, die basteln gerade an einer neuen " Markttransparenzstelle " für Krankenhäuser. Weil die wieder mal den Schuss nicht gehört haben.

Account gelöscht!

13.09.2013, 07:28 Uhr

Na also! Geht doch. Kostenexplosion im Gesundheitswesen hin, Gesundheit der Menschen her. Wir basteln uns einen neuen Klinikriesen, die Aktionäre sind zufrieden und den KRankenkassen, den Patienten und den MItarbeitern zeigen wir einfach den Vogel. So werden Erfolgsgeschichten geschrieben. Und das Kartellamt schaffen wir am Besten ab. Nach dieser Aktion können einem nur Patienten und Mitarbeiter leid tun. Sie werden es ausbaden müssen.

Mike

13.09.2013, 23:14 Uhr

... der offensichtliche Fehler im System wird tatsächlich ausgeweitet, mit Zustimmung des Kartellamts.

Es ist weder ratsam, noch erforderlich, mit der Gesundheit / Krankheit der Bevölkerung Gewinne für Investoren und Banken zu erzielen. Dies in Verbindung mit der Zahlung von Fallpauschalen nötigt die Kliniken nun also dazu, bei Patienten eine Kosten - Nutzen Rechnung zu erstellen und diese Menschen nötigenfalls sogar unvollständig versorgt in die Reha oder sogar nach Hause zu entlassen.

Erstaunliche Dinge tun sich im Gesundheitssektor. Seit Einführung der Fallpauschalen gibt es fast keine Frühchen mehr, die ein nestimmtes Gewicht überschreiten. En Schelm wäre derjenige, der dies in Verbindung mit den entsprechenden Fallpauschalen von 4.000 für das schwerere bzw. 5.000 EUR für das leichtere Frühchen bringen würde.

Hier von einem "Gesundheitssystem" zu sprechen grenzt schon fast an Hohn.

Bitte bringt mir das Gesundheitssystem des alten China zu uns. Hier wurden die Verantwortlichen für die Gesundheit der Bevölkerung fürstlich bezahlt, solange die Bürger gesund waren. Wurden diese vermehrt krank, wurde die Bezahlung gekürzt oder in schweren Fällen sogar eingestellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×