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01.03.2017

07:35 Uhr

Teldafax-Chronik

Die Schande der Strom-Branche

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

Sechs Jahre sind vergangen, seit Teldafax zusammenbrach. Die Wunden bleiben offen. Heute fällt das Urteil im Strafprozess gegen verantwortliche Manager des Unternehmens. Der Skandal als Chronik – von 1998 bis heute.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. dpa

Einstiger Teldafax-Hauptsitz in Troisdorf bei Bonn

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Es war ein Artikel, der eine ganze Branche veränderte. „Erhebliche kriminelle Energie“ lautete die Überschrift, unter der das Handelsblatt am 20. Oktober 2010 schilderte, was sich hinter der Fassade von Teldafax verbarg: Ein riesiges Schneeballsystem, das einen gewaltigen Schaden hinterlassen würde. Acht Monate lang stritt dann das Unternehmen ein Fehlverhalten ab. In dieser Zeit gewann es 300.000 Kunden hinzu und wechselte zwei Mal den Vorstand aus. Dann brach Teldafax zusammen.

Als der Insolvenzverwalter im Juni 2011 zu Teldafax stieß, entdeckte er ein blankes Chaos. Wollte er das Unternehmen ursprünglich fortführen, stellte er den Betrieb schon nach drei Tagen komplett ein. Es blieben zahllose geprellte Kunden und ein Schaden von 500 Millionen Euro. Zwei Wochen später rückte die Staatsanwaltschaft an. Der Fall Teldafax wurde zum Fanal für die gesamte Strombranche.

Teldafax – Die Chronik des Untergangs

Februar 2007

Teldafax beginnt mit dem Vertrieb von Strom.

16. März 2007

Das Landgericht Mannheim verurteilt den Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Michael Josten für seine Aktivitäten rund um die Secur Finanz AG aus Lörrach wegen 176-fachen Betrugs zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Die Richter vermerken eine „erhebliche kriminelle Energie“ und eine „besonders habgierige Gesinnung des Angeklagten Josten“.

4. März 2009

Die deutschen Behörden stellen einen internationalen Haftbefehl gegen Josten aus. Er war nach seiner Verurteilung im März 2007 in die Schweiz geflohen.

10. Juni 2009

In der Teldafax-Zentrale in Troisdorf findet eine außerordentliche Vorstandssitzung statt. Es nehmen auch zwei Wirtschaftsprüfer der Beratungsgesellschaft BDO teil. Sie berichten unter anderem von einer Deckungslücke bei Teldafax in Höhe von 24 Millionen Euro, resultierend insbesondere aus Stromsteuern. Binnen drei Wochen habe eine Geschäftsleitung eine Insolvenzantragspflicht. Stand heute sei Teldafax illiquide.

22. Oktober 2009

Finanzvorstand Alireza Assadi teilt Aufsichtsrat Michael Josten mit, dass er am 27. Oktober einen Insolvenzantrag stellen werde. Doch er kommt nicht mehr dazu. Am 26. Oktober 2009 wird Assadi vom Aufsichtsrat entlassen.

29. Oktober 2010

Die Rechtsanwaltskanzlei Flick Glocke Schaumburg weist den Teldafax-Vorstand schriftlich auf die bestehende Zahlungsunfähigkeit hin und mahnt an, dass eine Verpflichtung zur Stellung eines Insolvenzantrags bestehe.

12. April 2011

Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

25. Mai 2011

Teldafax erhält schon wieder einen neuen Chef. Der Sanierer Hans-Gerd Höptner, erst seit elf Wochen im Amt, gibt den Posten an seinen Vorstandskollegen Gernot Koch ab. Dieser sagt: „Die erste Hürde für den Neuanfang ist genommen. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir in der Lage sind, die Wende zu schaffen. In den kommenden Wochen werden wir vor allem durch Taten überzeugen und so wieder zu einem normalen Geschäftsalltag zurückkehren.“

14. Juni 2011

Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

15. Februar 2013

Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch. Die Anklage gegen alle drei lautet auf „gewerbsmäßigen Betrug und Bankrotthandlungen“.

26. Januar 2015

Der Teldafax-Prozess beginnt. Die ehemaligen Vorstände Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch erneut vor dem Landgericht Bonn verantworten. Die Anklage lautet auf Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und Bankrott.

Das Handelsblatt hat den Niedergang von Teldafax und seine Folgen in vielen Dutzend Artikeln beschrieben. Dabei wurde auch eine Chronik des Unternehmens erstellt – von den Anfängen 1998 bis hin zum Prozess wegen Insolvenzverschleppung, der im Januar 2015 begann. Die Zeitleiste enthüllt erstaunliche Details.

Kapitel 1 – Die Wurzeln von Teldafax

1. Juli 1998
Die ursprüngliche Teldafax AG geht mit Hilfe von Goldman Sachs an die Börse. Der Name Teldafax steht für „Telefon, Daten, Fax“. Unter der Vorwahlnummer 01030 bietet das Unternehmen sensationell günstige Tarife an. Der Neue Markt liebt den Debüttanten: Am ersten Handelstag schnellt die Aktie von 26 auf 32 Euro.

Anfang 1999
Die Teldafax-Aktie erreicht die Marke von 60 Euro.

Ende 1999
Die Teldafax-Aktie fällt auf zehn Euro.

April 2001
Die Deutsche Telekom schaltet Teldafax wegen unbezahlter Rechnungen ab. Teldafax stellt beim Amtsgericht Marburg/Lahn einen Insolvenzantrag.

2002
Deutsche und Schweizer Investoren bedienen sich aus der Insolvenzmasse von Teldafax und kaufen verschiedene Unternehmen auf. Dies geschieht unter der Führung des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters Michael Josten (hier im Portrait). Der hält über verschiedene Gesellschaften auch wesentliche Anteile an Teldafax.

Teldafax-Skandal: Das teure Erbe des Billigstromanbieters

Teldafax-Skandal

Premium Das teure Erbe des Billigstromanbieters

Die Pleite des Dumping-Stromanbieters Teldafax hat die ganze Branche Millionen gekostet. Insolvenzverwalter Biner Bähr war erfolgreich. Nun bauen Strombranche und Regierung vor – zulasten der Verbraucher.

2004
Die aufgekauften Unternehmen werden unter der Teldafax Holding AG mit Sitz in Troisdorf zusammengeführt. Michael Josten übernimmt als Vorstand der Holding die Führung der Unternehmensgruppe. Der Jahresumsatz der Gruppe liegt bei zwölf Millionen Euro.

17. März 2005
Michael Josten tritt offiziell sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Teldafax Holding AG an.

2005
Klaus Bath (hier im Portrait) übernimmt die Verkaufsleitung für die gesamte Teldafax-Gruppe. Zuvor arbeitete Bath für den Konkurrenten Innoflex, einem Vorläufer der späteren Flexstrom AG.

14. August 2006
Die Teldafax Energy GmbH wird gegründet. Teldafax steigt in den Strommarkt ein. Für 2007 wird ein Kundenstamm von 70.000 angestrebt.

20. Dezember 2006
Teldafax verkündet sein erstes großes Sportsponsoring. . „Biathlon ist die Wintersportart Nummer 1. Sie hat die meisten Zuschauer und die höchsten Quoten im Fernsehen. Folglich ist es die Wintersportart, die für unser Sponsoring am interessantesten ist“, sagt der Teldafax-Vorstandsvorsitzende Michael Josten am 20. Dezember 2006. „Und dafür haben wir uns natürlich den besten Biathleten ausgesucht: Ole Einar Björndalen.“ Die Partnerschaft mit Björndalen (hier im Portrait) wird vier Jahre dauern.

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