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16.11.2016

14:04 Uhr

Teldafax-Prozess

Strafverfahren gegen Ex-Manager eingestellt

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Stromanbieters Teldafax muss 20.000 Euro zahlen. Laut Gericht gibt es aber keine Beweise für gewerbsmäßigen Betrug. Gegen zwei weitere Manager wird der Prozess fortgesetzt.

Das Unternehmen brach 2011 zusammen. Gut 500.000 Kunden wurden geschädigt. dpa

Teldafax

Das Unternehmen brach 2011 zusammen. Gut 500.000 Kunden wurden geschädigt.

BonnIm Strafprozess gegen mehrere Manager des Billigstromanbieters Teldafax hat das Landgericht Bonn das Verfahren gegen einen der Beschuldigten beendet. Nach Zahlung eines Geldbetrags von 20.000 Euro sei der Prozess gegen den Angeklagten Michael J. endgültig eingestellt worden, teilte das Gericht am Mittwoch in Bonn mit.

Dem früheren Vorstandsvorsitzenden, der später auch Mitglied des Aufsichtsrates von Teldafax war, wurde Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug sowie Bankrott zur Last gelegt. Die Beweisaufnahme habe jedoch keine Anhaltspunkte für eine Täterschaft ergeben, begründete die Kammer ihre Entscheidung.

Teldafax – Die Chronik des Untergangs

Februar 2007

Teldafax beginnt mit dem Vertrieb von Strom.

16. März 2007

Das Landgericht Mannheim verurteilt den Teldafax-Vorstandsvorsitzenden Michael Josten für seine Aktivitäten rund um die Secur Finanz AG aus Lörrach wegen 176-fachen Betrugs zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Die Richter vermerken eine „erhebliche kriminelle Energie“ und eine „besonders habgierige Gesinnung des Angeklagten Josten“.

4. März 2009

Die deutschen Behörden stellen einen internationalen Haftbefehl gegen Josten aus. Er war nach seiner Verurteilung im März 2007 in die Schweiz geflohen.

10. Juni 2009

In der Teldafax-Zentrale in Troisdorf findet eine außerordentliche Vorstandssitzung statt. Es nehmen auch zwei Wirtschaftsprüfer der Beratungsgesellschaft BDO teil. Sie berichten unter anderem von einer Deckungslücke bei Teldafax in Höhe von 24 Millionen Euro, resultierend insbesondere aus Stromsteuern. Binnen drei Wochen habe eine Geschäftsleitung eine Insolvenzantragspflicht. Stand heute sei Teldafax illiquide.

22. Oktober 2009

Finanzvorstand Alireza Assadi teilt Aufsichtsrat Michael Josten mit, dass er am 27. Oktober einen Insolvenzantrag stellen werde. Doch er kommt nicht mehr dazu. Am 26. Oktober 2009 wird Assadi vom Aufsichtsrat entlassen.

29. Oktober 2010

Die Rechtsanwaltskanzlei Flick Glocke Schaumburg weist den Teldafax-Vorstand schriftlich auf die bestehende Zahlungsunfähigkeit hin und mahnt an, dass eine Verpflichtung zur Stellung eines Insolvenzantrags bestehe.

12. April 2011

Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

25. Mai 2011

Teldafax erhält schon wieder einen neuen Chef. Der Sanierer Hans-Gerd Höptner, erst seit elf Wochen im Amt, gibt den Posten an seinen Vorstandskollegen Gernot Koch ab. Dieser sagt: „Die erste Hürde für den Neuanfang ist genommen. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir in der Lage sind, die Wende zu schaffen. In den kommenden Wochen werden wir vor allem durch Taten überzeugen und so wieder zu einem normalen Geschäftsalltag zurückkehren.“

14. Juni 2011

Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

15. Februar 2013

Die Staatsanwaltschaft Bonn erhebt Anklage gegen Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch. Die Anklage gegen alle drei lautet auf „gewerbsmäßigen Betrug und Bankrotthandlungen“.

26. Januar 2015

Der Teldafax-Prozess beginnt. Die ehemaligen Vorstände Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch erneut vor dem Landgericht Bonn verantworten. Die Anklage lautet auf Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und Bankrott.

Nach weiteren Angaben eines Gerichtssprechers wird der Strafprozess gegen die zwei anderen Manager von Teldafax planmäßig fortgesetzt. Die Beweisaufnahme sei noch nicht abgeschlossen.

Die Teldafax-Pleite von 2011 gilt als eine der größten Firmenzusammenbrüche in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Über 500.000 Kunden wurden geschädigt. Teldafax arbeitete mit einem riskanten Geschäftsmodell, das günstige Strompreise mit Vorauszahlungen der Kunden finanzierte.

Von

dpa

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