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07.03.2013

11:18 Uhr

Telekom-Aktie unberührt

Obermann wählt holländischen Maschinenraum

VonMartin Dowideit

Der scheidende Telekom-Chef hatte die geplante Abkehr vom Großkonzern damit begründet, „näher an den Maschinenraum“ rücken zu wollen. Er wechselt in eine Branche, die seinen bisherigen Arbeitgeber gehörig ärgert.

René Obermann macht keinen Rückschritt

Video: René Obermann macht keinen Rückschritt

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DüsseldorfEinen interessanten künftigen Arbeitgeber habe sich der scheidende Telekom-Vorstandschef René Obermann ausgesucht, meint Wolfgang Specht, Analyst beim Bankhaus Lampe. Ausgerechnet einen Kabelnetzbetreiber. „Denn die Konkurrenz des Kabels ist für die Probleme im Festnetzgeschäft der Telekom mitverantwortlich“, so Specht zu Handelsblatt Online.

Am späten Mittwochabend hatte das niederländische Unternehmen Ziggo mit der Nachricht überrascht, dass Obermann ab Anfang 2014 die Geschicke der Firma mit 3000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,54 Milliarden Euro lenken wird. Der jetzige Ziggo-Chef Bernard Dijkhuizen gehe dann in den Ruhestand. Ziggo ist aus der Fusion dreier kleinerer Unternehmen entstanden und hat unter anderem drei Millionen Kabelnetzkunden in den Niederlanden.

René Obermanns Karriere (Stand: März 2013)

1963

Geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen.

Ausbildung

Nach Abitur und Wehrdienst machte Obermann eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW und studierte anschließend in Münster Volkswirtschaftslehre.

Selbständigkeit und Firmenverkauf

Nach der Gründung der eigenen Firma ABC Telekom, die unter anderem mit Telefonen und Fax-Geräten handelte, verkauft Obermann das Geschäft 1991 an den asiatischen Konzern Hutchison Whampoa. Obermann bliebt bis 1998 Chef der Hutchison Mobilfunk GmbH.

Anfang bei der Telekom

Im Jahr 1998 wechselt Obermann zur Deutschen Telekom, zu der ihn der damalige Vorstandschef Ron Sommer holt. Obermann arbeitet bis zum Frühjahr 2000 als Vertriebschef des Mobilfunkgeschäfts der Telekom.

Aufstieg bei der Telekom

Im Jahr 2000 wird Obermann Chef von T-Mobile Deutschland und steigt weiter im Konzern auf. Ab November 2002 ist er Telekom-Vorstand, im Jahr 2006 wird er zum Vorstandschef befördert.

Amtszeit als Vorstandschef

Kurz nach dem Amtsantritt holt er Timotheus Höttges in den Vorstand, der Anfang 2014 sein Nachfolger an der Konzernspitze werden wird. Obermann führt zudem im Kampf gegen Billiganbieter ab 2007 die Billigmarke Congstar ein und kämpft in den folgenden Jahren mit vielen komplexen Baustellen. Der Konzern hatte einst Journalisten bespitzelt, das US-Geschäft erwies sich als schwere Belastung und in Deutschland schlägt er sich mit Regulierungsbehörden und heftigem Wettbewerb im Festnetzgeschäft und Mobilfunk herum.

Der von ihm angestrebte Verkauf des US-Geschäfts an AT&T scheitert an einem Veto der US-Kartellbehörde. Als Alternative erarbeitet er die Fusion mit dem Konkurrenten MetroPCS, die allerdings auch noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Zeit nach der Telekom

Kurz vor Weihnachten 2012 kündigt Obermann seinen Rückzug als Vorstandsvorsitzender der Telekom an. Er sagt, das Unternehmen Ende 2013 verlassen zu wollen und das Amt an Timotheus Höttges zu übergeben. Im März 2013 wird seine künftige Aufgabe bekannt: Obermann leitet ab 2014 die Geschicke von Ziggo, einem niederländischen Kabelnetzbetreiber.

Ziggo

Seine Amtszeit bei Ziggo ist nur von kurzer Dauer: Nur wenige Wochen nachdem Obermann seinen Posten angetreten hat, wird der Verkauf des Kabelunternehmens an den US-Medienkonzern Liberty Global bekanntgegeben. Obermann kündigt an, seinen Chefposten nach dem Vollzug der Übernahme abgeben zu wollen.

2015: Warburg Pincus

René Obermann findet eine neue Aufgabe. Als geschäftsführender Direktor und Partner wechselt er ins Londoner Büro der Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus. Für das Private-Equity-Unternehmen soll Obermann in der Telekommunikationsbranche künftig Investments evaluieren und die Vertretung auf dem deutschen Markt übernehmen.

Zwar hatte Obermann ankündigt, er wolle mit seinem frühzeitig angekündigten Abschied zum Jahresende bei der Telekom „näher an den Maschinenraum rücken“ und mehr mit der Entwicklung von Innovationen in Berührung kommen. Doch die rasche Ankündigung seiner künftigen Tätigkeit überraschte Beobachter. „Die Mitteilung kommt recht früh“, so Specht.

Doch große Relevanz habe die Meldung für die Aktie der Telekom dennoch nicht, urteilt Ulrich Trabert vom Bankhaus Metzler bei. Denn der Übergang bei der Telekom sei geregelt. Ob der guten Beziehung zwischen Obermann und dem als Nachfolger auserkorenen derzeitige Finanzvorstand Tiomtheus Höttges bestünde nicht die Gefahr einer ungeordneten Übergabe. Die Telekom-Aktie notierte am Morgen 0,3 Prozent im Minus bei 8,25 Euro.

Ziggo: Obermanns neuer Arbeitgeber

Kunden

Der niederländische Kabelnetzbetreiber bietet TV-Anschlüsse, Internetzugänge und Telefonie an. 2,9 Millionen Kunden nutzten das TV-Angebot, insgesamt 1,4 Millionen Kunden ein Bündelangebot aus allen Deinstleistungen.

Konkurrenz

Zu den Rivalen Ziggos in den Niederlanden zählen die E-Plus-Mutter KPN, die Unity-Media-Mutter Liberty Global und der schwedische Anbieter Tele 2

Ziggo - Technik

Die Ziggo-Netzwerke ermöglichen im gesamten Service-Gebiet Download-Geschwindigkeiten von bis zu 120 Megabit pro Sekunde (Mbps), ein Ausbau auf 400 Mbps sei möglich und auch noch schnellere Verbindungen würden getestet, heißt es im Ziggo-Geschäftsbericht.

Geschäft

Im Jahr 2012 machte Ziggo einen Umsatz in Höhe von 1,54 Milliarden Euro nach 1,48 Milliarden Euro im Vorjahr.

Der Nettogewinn betrug 193 Millionen Euro (Vorjahr: 14,5 Millionen Euro).

Sponsoring

Unter anderem ist Ziggo Namenspate für eine Veranstaltungshalle in Amsterdam, die 17.000 Menschen Platz bietet.

Aktie

Seit März 2012 ist Ziggo börsennotiert. Die Aktie hat sich seitdem positiv entwickelt und legte über 30 Prozent zu.

Die Ziggo-Hauptversammlung muss Obermanns Verpflichtung am 18. April noch zustimmen, teilte das Unternehmen mit. Ein Sprecher der Telekom sagte, dass sich an der Abgabe des Amtes zum Jahresende nichts ändern würde.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

Platz 10

Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

Platz 9

Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

Platz 8

NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

Platz 7

Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

Platz 6

NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

Platz 5

America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

Platz 4

Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

Platz 3

Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

Platz 2

AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

Platz 1

China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

Obermann hat die Konzernwelt offenbar nie wirklich gemocht. Er hasst jede Form von Kompetenzgerangel, wie es ein hochrangiger Mitarbeiter formuliert, genauso Arbeitsgruppen ohne operative Agenda. Der Manager ist Unternehmer durch und durch geblieben. Er will Ideen umsetzen, schnell und ohne jede Bürokratie – dass könnte ihm jetzt bei Ziggo gelingen. Als börsennotiertem Konzern wird aber auch beim neuen Arbeitgeber eine große öffentliche Aufmerksamkeit gewiss sein.

Mit Material von dpa, Reuters.

Kommentare (5)

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07.03.2013, 12:46 Uhr

alles Gute Herr OBERMANN, mit oder ohne "Begruessungsgeld"
= was fuer ein Wort hat sich da eingeschlichen =

josephine

07.03.2013, 13:25 Uhr

die Holländern tun mir jetzt schon leid. Wie kann man jemanden auf diesem Posten einstellen, der bei der telekom 5 miliarden Verlust eingebracht hat?
Ähnlich wie bei Cordes: Mercedes um 100 miliarden Verlustgeschäft bei der Fusion mit Crysler, und dann Metro - Chef, wo er auch die Metro weiterhin zu Fall gebracht hat
"Tolle" Manager!

susiho

07.03.2013, 13:26 Uhr

Ob Ron Sommer oder Obermann, beide Versager, man braucht sich nur den Aktienkurs anschauen. Der Ausflug in die USA
völlig überflüssig, auch Daimler hatte sich mit Chrysler eine blutige Nase eingehandelt, wie sich die Bilder gleichen. Man kann nur hoffen, dass nicht wieder ein Blender vom Aufsichtsrat herangeholt wird.

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