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12.07.2011

15:32 Uhr

Testserie E-Bikes

Elektrobike als rasender Kaninchenjäger

VonFlorian Brückner

Mit fast 45 km/H auf einem Fahrrad über Stock und Stein: Das vollgefederte Hybrid Delite 500 HS Cup von Riese und Müller ist ein Elektrobike der Spitzenklasse - zumindest so lange keine Kaninchen in der Nähe sind.

Serie: Elektrobike-Tests

Entspannt in den Arbeitstag starten – das klappt mit dem Auto selten. Stau und Spritpreise sorgen für Zähneknirschen. Einfacher ginge es mit dem Rad ins Büro. Aber wer sitzt schon gern verschwitzt am Arbeitsplatz? Fahrräder mit Elektroantrieb versprechen einen mühelosen Arbeitsweg mit positiver Ökobilanz. Handelsblatt Online hat einige E-Bikes getestet.

Kaninchen, immer wieder diese Kaninchen. Dunkle Kulleraugen, kurze Löffel, weißes Schwänzchen, braunes Fell. Süß - aber ein einziges Verkehrshindernis, zumindest wenn man auf einem Hybrid Delite 500 HS Cup sitzt.

Bisher wurde das gemeine Stadtkaninchen, das in Scharen die Parks bevölkert, dann und wann höchstens einmal von einem übermütigen Yuppie-Mouintainbiker im grellen Rennoutfit aufgeschreckt. Dieses ruhige Leben ist mit dem Elektrobike von Riese und Müller vorbei. Die Kaninchen müssen jetzt wirklich besser aufpassen - sonst hängt ihr Überleben nur noch an der Aufmerksamkeit der Fahrer und der Magura-Scheibenbremsen des Elektro-Fahrrads ab.

Besonderheiten

Speed: Schneller als ein normales Fahrrad?

Absolut, mit bis zu 45 km/H Höchstgeschwindigkeit überholt das Delite auch gerne Motorroller und Mofas.

Alltag: Praktisch und für alle Fälle?

Wenn man mutig genug ist, ein mehr als 5000 Euro teures Fahrrad abzustellen, ist der Alltag kein Thema. Schutzbleche, Beleuchtung, Klingel - alles dran. Und der Gepäckträger ist so lang, dass fast jede Tasche einen Platz finden. Dumm: Wegen eines fehlenden Aufliegers lastet eine befestigte Tasche stets auf der Halterung der Schutzbleche - und irgendwann vielleicht sogar in den Speichen.

Komfort: Bequem, sportlich oder was?

Warum nicht beides? Das Delite ist dank Vollfederung richtig bequem auf allen Bodenbelägen, und braust trotzdem noch mit bis zu 45 km/H durch die Lande. Genial.

Stilfrage: Königsallee, Industriegebiet oder Büroparkplatz?

Gute Frage. Knallgelbe Farbe, dicke Rohre und Vollfederung machen mächtig Eindruck , der dann gleich wieder von dem unförmigen Akku, dem Spiegel am Lenker, den Reflektoren am Vorderrad, den City-Pedalen und den Standard-Schutzblechen kassiert wird. So bleibt ein seltsames Bild zurück - von einem optischen Wolperdinger unter den Fahrrädern.

Technik: Losfahren oder Anleitung lesen?

Losfahren. Wer den Windows-Rechner im Büro bedienen kann, kommt auch mit dem Delite klar. Trotzdem: ein bisschen Touchscreen dürfte für diesen Preis schon sein.

Spaß: Lust oder Frust?

Spaß, und zwar sehr großen. Wer Geschwindigkeit mag, dem wird das Delite binnen Augenblicken ein Lächeln ins Gesicht zaubern - oder gleich ein dickes Grinsen.

Umsteigen: Ersetzt Auto, Bus, Bahn?

Abgesehen vom fehlenden Dach ist ein Auto für Pendler mit Delite in der Garage eigentlich überflüssig.

Schweisstropfen

Null: Perfekt. Los geht's mit der Arbeit!

Fazit

Das Delite Hybrid 500 HS Cup von Riese und Müller ist ideal für Pendler mit einer Entfernung von mehr als zehn Kilometern zum Arbeitsplatz. Wer braucht da noch ein Auto? Wenn nur der hohe Preis nicht wäre...

Wahrscheinlich ist das elektrisch angetriebene Delite mit dem genauso langen wie umständlichen Namen einfach zu schnell. Um es mal so zu sagen: Riese und Müller verspricht nicht zu viel, wenn der Darmstädter Fahrradhersteller sein Elektrobike mit einem Porsche 911 GT3 RSR vergleicht. Wobei das nicht ganz korrekt ist.

Das Delite Hybrid 500 HS Cup ähnelt weniger einem Rennauto mit Straßenzulassung als vielmehr einem kraftstrotzenden Porsche Cayenne Geländewagen. Denn anders als andere bis 45 km/H zugelassene S-Pedelecs, also besonders schnelle Fahrräder mit Elektroantrieb, bringt das Delite seine schier unbändige Kraft auch tatsächlich auf die Straße - und zwar auf jede.

Während andere Bikes bei hohen Geschwindigkeiten trotz Federgabel mit Stößen und Schlägen ihrem Fahrer allzu großen Übermut mit schmerzenden Handgelenken austreiben, gibt das Delite ungehemmt weiter Gas - die Vollfederung macht’s möglich. Damit braust das E-Bike mit seinem 500 Watt Hinterradnaben-Motor dann über Feld, Flur, Bordsteinkanten, Gullideckel, Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster als ob es kein Halten mehr gäbe. Heftiger Gegenwind am ungeschützten Rheinufer spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie dickes Gepäck.

Kommentare (3)

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Daniel

20.07.2011, 10:48 Uhr

Nach einen Unfall im Mai mit meinen E-Bike sehe ich diese schnellen Bikes sehr skeptisch. Ein Autofahrer übersah mich auf der Strasse. Er rechete nicht mit so schnellen Radfahrern. Auch die Polizei sagt das sie sich in Zukunft erst auf schnelle E-Bikes einstellen muss. Von weiten sieht man wie ein Radfahrer aus der gemütlich mit 15-20kmh daher kommt.Aber es sind locker 40kmh. Und wer sagt es gibt ja noch die Rennradfahrer den sage ich diese fahren kaum in der Stadt.

Delitefahrer

27.07.2011, 13:40 Uhr

@Daniel: Es ist sicher so, dass Fahrräder jenseits der 40kmh auf deutschen Straßen ein seltenes Bild sind und für viele Verekhrsteilnehmer eine Umstellung erfordert. Diese sehe ich aber zu großen Teilen beim Radfahrer selbst. Man muss sich angewöhnen wesentlich presenter und berechenbarer zu fahren, dass bedeutet z.B. eine Spur in einer 30er oder 50er Zone in der Mitte zu befahren wie man aus auch mit einem Motorrad oder eine Roller tun würde. So wird man wesentlich besser wahrgenommen und als vollwertiger Verkehrsteilnehmer respektiert. Sowohl auf dem Rennrad(ich muss für meine Ausfahrten auch erstmal aus der Stadt raus kommen) als auch auf meinem Delite verhalte ich mich so und vermeide damit so manches gewagte Überholmanöver.

Peter_der_Grosse

06.09.2012, 16:12 Uhr

Zu den ganz kleinen Freuden des Rennradfahrers gehört es, den ungläubig strampelnden Delight-HS500Cup-Fahrer durch einen Zwischenspurt auf über 50 km/h einfach stehen zu lassen...

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