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11.07.2011

16:22 Uhr

Testserie E-Bikes

Radeln wie bei Star Wars

VonFlorian Brückner

Das Grace ist so etwas wie der Lamborghini unter den elektrisch betriebenen Fahrrädern. Cool, schnell - aber mit ein paar Handicaps im Alltag. Handelsblatt Online hat das Elektrobike getestet.

Serie: Elektrobike-Tests

Entspannt in den Arbeitstag starten – das klappt mit dem Auto selten. Stau und Spritpreise sorgen für Zähneknirschen. Einfacher ginge es mit dem Rad ins Büro. Aber wer sitzt schon gern verschwitzt am Arbeitsplatz? Fahrräder mit Elektroantrieb versprechen einen mühelosen Arbeitsweg mit positiver Ökobilanz. Handelsblatt Online hat einige E-Bikes getestet.

Ohne Selbstbewusstsein geht es nicht. Wer mit dem Grace zur Arbeit rollt, könnte auch gleich mit einem Lamborghini zum Getränkehändler fahren.  Die Aufmerksamkeit dürfte im Prinzip die gleiche sein. Egal an welcher Ampel das schneeweiße Rad mit seinen dicken schwarzen Reifen, dem gefrästen Vorbau samt den beiden kugelrunden Halogenleuchten zum Stehen kommt: the Circus is in Town. Neugierige Blicke, aufgesperrte Münder und Zeigefinger sind garantiert. Wenigstens.

Eine Fahrt vorbei an einem Mercedes-Werk im Düsseldorfer Norden wird zum Schaulaufen - vielleicht auch deshalb, weil dieses “Fahrrad” fast lautlos mit 45 Stundenkilometern eine langgezogene Bahnbrücke emporbraust und dabei noch den ein oder anderen Daimler-Kumpel auf seinem Mofa oder kleinen Roller locker hinter sich lässt, ganz ohne blaue Auspuffwolken und Motorgeplärre. Grace braucht kein Benzin. Grace ist mit einer 1300 Watt starken Lithium-Ionen-Batterie elektrisch - und streng genommen kein Fahrrad, es sieht nur so aus.

Besonderheiten

Schneller als ein normales Fahrrad?

Oh ja, 45 km/H Höchstgeschwindigkeit sind kein Problem, sondern eher die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Praktisch und für alle Fälle?

Nun ja, unabhängig von den fehlenden Schutzblechen darf das Grace keine Radwege benutzen. Das ist unpraktisch - genauso wie der Akku, der sich nicht aus dem Rahmen herausnehmen lässt.

Bequem, sportlich oder was?

Das Grace nimmt schnell fahrt auf, ist aber nicht wirklich agil. So gesehen eher ein flotter Cruiser.

Königsallee, Industriegebiet oder Büroparkplatz?

Definitiv Königsallee. Hier ist das Bike zu Hause. Und manchmal reichen eben auch 4199 Euro, um teuren Sportwagen die Show zu stehlen.

Losfahren oder Anleitung lesen?

Losfahren. Kryptisch bleiben nur die Anzeigen den Bordcomputers.

Lust oder Frust?

Das Grace macht Spaß - wenn man nicht gerade im Berufsverkehr auf der Straße festhängt und von Autos bedrängt wird.

Ersetzt Auto, Bus, Bahn?

Im Prinzip ja.

Fazit?

Das Grace ist der Design-Star unter den E-Bikes. Es ist cool, zieht aber im Alltag gegen andere E-Bikes klar den Kürzeren.

Wie viele Schweißtropfen bis in die Arbeit?

Null: Perfekt. Los geht's mit der Arbeit!

Wenn man so will ist Grace die Endausbaustufe des E-Bikes, eines Fahrrads mit Batterie und Elektromotors. Während allerdings bei den meisten Pedelecs (kurz für Pedal Electric Cycle) ohne Muskelkraft gar nichts geht, sind die Pedale und Kurbel bei Grace mehr Zierde als Notwendigkeit. Ein beherzter Dreh am Gasgriff und Grace fährt ab, auch ohne Tritt ins Pedal. Streng genommen ist das Grace also ein Elektrofahrrad mit tretunabhängigem Zusatzantrieb, wie es im Fachchinesisch so schön heißt.

Konsequenz der umständlichen Begrifflichkeit: Als E-Motorbike, als Kleinkraftrad mit geringer Leistung rangiert das Grace gesetzlich in der gleichen Liga wie ein Mofa. Also: Grace darf (und kann) bis 45 km/H schnell fahren, dafür darf der Fahrer einen Motorradhelm aufsetzen, braucht ein Versicherungskennzeichen und benötigt zumindest einen Mofaführerschein.

Viel ärgerlicher als massive Helme im Sommer ist, dass das Grace als Kleinkraftrad zumindest in der Stadt praktisch keinen Radweg befahren darf - es sei denn, diese sind für Mofas freigegeben, was zumindest auf den Testfahrten durch Düsseldorf praktisch nie der Fall war. Damit aber landet das Grace neben Motorrädern, Rollern und Autos auf der Straße. Unterwegs in der Stadt kann das ein echter Nachteil sein. Und der Grace-Lenker braucht auch nicht einmal im Ansatz darüber nachdenken, sich mit seinem E-Bike vielleicht doch auf einen Radweg zu schleichen - dafür ist der Motorradhelm doch zu auffällig, vom Kennzeichen mal ganz abgesehen.

Kommentare (2)

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Grazil

11.07.2011, 19:17 Uhr

Ein interessanter Praxistest des Grace! Dass sie in der Landeshauptstadt jedoch allgemein kein gutes Gefühl beim Zweiradfahren in der Innenstadt haben, dürfte an der katastrophalen Verkehrspolitik liegen. In Düsseldorf wird alles unter einer Tonne Eigengewicht und 7 Litern Spritverbrauch in die Enge gedrängt. Da hilft auch ein Grace leider nicht weiter.

chris

09.08.2011, 11:54 Uhr

Zitat aus dem Artikel''Tief in den Straßenbelag eingelassene Gullideckel überfährt man mit dem Grace wohl nur ein Mal, zumindest wenn man wert auf seine Handgelenke legt. Bei allen übrigen Straßenunebenheiten sieht es nicht viel anders aus.''



Oh ja daher Empfehle ich aus eigener Erfahrung eine Federgabel ist Pflicht!

Bei meinem Test ist mir Aufgefallen das die Kette in Hohen Gängen von der Tretkurbel fällt wenn man etwas stärker treten möchte. Achtet bei einer Testfahrt drauf.

Keine Fahrradwege? Kleinkraftrad? nur Wege mit Mofa Kenzeichnung? Ich würde als Hersteller sofort die Europäische-Gemeinschaft in Brüssel auffordern daran etwas zu ändern.
Ein Lamborghini darf auch in der Spielstraße(oder Fahrradstr.) fahren wenn er sich an die Schritt(vorgeschriebene) Geschwindigkeit hält genauso kann man das auch für diese außergewöhnlichen Fahrräder regeln. zB. max. 25km/h auf innerstädtischen Fahrradwegen für PEDILACS UND E-MOTORBIKES.


Außerdem immer den Schlüssel abziehen auch nach dem Einschalten!!! Nicht so wie auf Bild 12! Der Schlüssel kann durch harte Erschütterungen ab fallen.ggf. durch einen Ast im Wald abgeschert werden. Und wenn ein Schlüsselanhänger dran war-VIEL SPASS BEIM SUCHEN ;-)

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