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13.05.2017

12:17 Uhr

300 Jahre Maria Theresia

Drei Kriege, 16 Kinder und millionenfache Bewunderung

VonThorsten Giersch

Nicht nur Österreicher halten Maria Theresia für die berühmteste weibliche Führungsfigur der Geschichte. Historiker entlarven zu ihrem 300. Geburtstag zahlreiche Mythen. Als Vorbild taugt sie aber immer noch.

Maria Theresia von Österreich (1717- 1780). imago/Rust

Mächtige Herrscherin

Maria Theresia von Österreich (1717- 1780).

DüsseldorfNach dem Tod Maria Theresias gab es viele offene Fragen. Eine der komplizierten war, wie man so einer Frau eigentlich ein Denkmal setzt: 16 Kinder, drei Kriege, unzählige Feinde, mehrere Staatsreformen des maroden Habsburger-Reiches. Sie war vier Jahrzehnte lang mehr als eine Königin. Maria Theresia war die Mutter der Nation. Und es gibt reichlich Gründe, sich ihren einzigartigen Führungsstil zum Vorbild zu nehmen - im Guten wie im Schlechten.

Ein Denkmal hatte sie verdient, keine Frage. Aber Im Gegensatz zu männlichen Herrschern konnte man Maria Theresia ja nicht einfach auf ein Pferd setzen - wohlgleich sie sehr passabel reiten konnte und damit nicht zuletzt die Ungarn für sich einnahm. Also weilt sie heute im Schatten der Hofburg an der Wiener Ringstraße auf einem Thron sitzend mit reichlich kleinen Männern unter sich. Man stelle sich Angela Merkel so vor mit Friedrich Merz und all den anderen.

Was gute Führung ausmacht

Flexibilität und Diversität

Laut einer Umfrage der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" unter 400 Führungskräften sind Flexibilität und Diversität sind weitgehend akzeptierte Erfolgsfaktoren. Das Arbeiten in beweglichen Führungsstrukturen, mit individueller Zeiteinteilung und in wechselnden Teamkonstellationen ist aus Sicht der meisten Führungskräfte bereits auf einem guten Weg. Die Idee der Förderung von Unterschiedlichkeit ist demnach in den Unternehmen angekommen und wird umgesetzt. Die Beiträge zur Führungskultur gerade aus weiblichen Erfahrungswelten werden äußerst positiv bewertet.

Prozesskompetenz

Prozesskompetenz ist für alle das aktuell wichtigste Entwicklungsziel. 100 Prozent der interviewten Führungskräfte halten die Fähigkeit zur professionellen Gestaltung ergebnisoffener Prozesse für eine Schlüsselkompetenz. Angesichts instabiler Marktdynamik, abnehmender Vorhersagbarkeit und überraschender Hypes erscheint ein schrittweises Vortasten Erfolg versprechender als die Ausrichtung des Handelns an Planungen, deren Verfallsdatum ungewiss ist.

Netzwerke

Selbst organisierende Netzwerke sind das favorisierte Zukunftsmodell. Die meisten Führungskräfte sind sich sicher, dass die Organisation in Netzwerkstrukturen am besten geeignet ist, um die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. Mit der kollektiven Intelligenz selbst organisierender Netzwerke verbinden diese Führungskräfte die Hoffnung auf mehr kreative Impulse, höhere Innovationskraft, Beschleunigung der Prozesse und Verringerung von Komplexität.

Ende der Hierarchie

Hierarchisch steuerndem Management wird mehrheitlich eine Absage erteilt. Die meisten Führungskräfte stimmen darin überein, dass Steuerung und Regelung angesichts der Komplexität und Dynamik der zukünftigen Arbeitswelt nicht mehr angemessen sind. Zunehmende Volatilität und abnehmende Planbarkeit verringern die Tauglichkeit ergebnissichernder Managementwerkzeuge wie Zielemanagement und Controlling. Überwiegend wird die klassische Linienhierarchie klar abgelehnt und geradezu zum Gegenentwurf von „guter Führung“ stilisiert.

Kooperationsfähigkeit

Kooperationsfähigkeit hat Vorrang vor alleiniger Renditefixierung. Über die Hälfte der interviewten Führungskräfte geht davon aus, dass traditionelle Wettbewerbsstrategien die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben und das Prinzip Kooperation weiter an Bedeutung gewinnt. Nur noch 29,25 Prozent der Führungskräfte präferieren ein effizienzorientiertes und auf die Maximierung von Profiten ausgerichtetes Management als ihr persönliches Idealmodell von Führung.

Persönliches Coaching

Persönliches Coaching ist ein unverzichtbares Werkzeug für Führung. Mit dem Übergang zur Netzwerkorganisation schwindet der selbstverständliche Schonraum hierarchischer Strukturen. Die Durchsetzung eigener Vorstellungen über Anweisung werde immer schwieriger oder sei gar nicht mehr möglich. Mächtig ist nur, was auf Resonanz trifft. Einfühlungsvermögen und Einsichtsfähigkeit werden dadurch immer wichtiger. Alle Akteure, ob nun Führungskraft oder geführte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bräuchten im Unternehmen mehr Reflexion und intensive Entwicklungsbegleitung.

Selbstbestimmung und Wertschätzung

Motivation wird an Selbstbestimmung und Wertschätzung gekoppelt. Die Führungskräfte gehen davon aus, dass die motivierende Wirkung von Gehalt und anderen materiellen Anreizen tendenziell abnimmt. Persönliches Engagement wird mehr mit Wertschätzung, Entscheidungsfreiräumen und Eigenverantwortung assoziiert. Autonomie werde wichtiger als Statussymbole und der wahrgenommene Sinnzusammenhang einer Tätigkeit bestimme den Grad der Einsatzbereitschaft.

Soziale Verantwortung

Gesellschaftliche Themen rücken in den Fokus der Aufmerksamkeit. In der intuitiven Schwerpunktsetzung der Führungskräfte nimmt die Stakeholder-Perspektive des Ausgleichs der Ansprüche und Interessen von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einen wachsenden Raum ein. Über 15 Prozent aller frei genannten Beschreibungen im Führungskontext beschäftigen sich mit Fragen der gesellschaftlichen Solidarität und der sozialen Verantwortung von Unternehmen.

Dabei hinkt ein Vergleich zwischen der aktuellen Bundeskanzlerin Deutschlands und Maria Theresia. Bis auf die Tatsache, dass beide zu ihrer Zeit die mächtigste Frau der Welt sind, gibt es kaum Parallelen. Die eine musste viel tun, um Kanzlerin zu werden, die andere bekam die Königswürde per Geburt. Die eine brauchte keine nennenswerten Reformen zu unternehmen, damit es Deutschland gut geht, die andere kämpfte mit Geschick und Verve permanent um das Überleben ihres Landes.

Die übliche Heldenerzählung über Maria Theresia geht so: 1740 erbte sie mit 23 Jahren den Thron des riesigen Habsburgerreiches mit Ländereien von Nordeuropa bis ins südlichste Italien. Das heruntergekommene Riesenreich wurde daraufhin gleich mal von mehreren Feinden überfallen. Maria Theresia gewann das Vertrauen ihrer Landsleute, überzeugte auch die wilden Horden aus Ungarn für sich zu kämpfen und überstand den siebenjährigen Krieg genauso wie noch zwei weitere.

Nebenbei gebar sie 16 Kinder, von denen zehn überlebten und ihre Erbfolge ermöglichten. Sie überzog das Land mit dringend benötigten Reformen und machte aus einem Trümmerhaufen von Ländern einen richtigen Staat. Möglich wurde das durch die Verehrung, die ihre Untertanen der charmanten Monarchin entgegenbrachten, einer Symbolgestalt und Heldin.
Das Dumme ist nur: So stimmt die Story nicht ganz. Bis heute wird viel über Maria Theresia geschrieben, das den Gang der Geschichte nicht präzise wiedergibt. Neue Biografien sind erschienen. Die beste stammt von Barbara Stollberg-Rilinger. Auf gut 1.000 Seiten kommt man der Herrscherin sehr nahe, ohne es sich mit ihr gemein zu machen: ”Man muss sich die Heldin vom Leibe halten”, schreibt sie im Vorwort.

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