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27.09.2016

12:05 Uhr

Automatisch aussortiert?

Wie Bewerber Online-Portale austricksen können

VonCarina Kontio

Immer öfter sortieren Computer Bewerbungen aus. Wer den digitalen Personaler mit der Vita nicht überzeugt, schafft es nicht bis ins Vorstellungsgespräch. Damit das nicht passiert, sollten Sie drei Ratschläge beherzigen.

Wer in seinem Lebenslauf bestimmte Dinge nicht erwähnt oder sich vertippt, wird im schlimmsten Fall direkt vom Computer aussortiert. Getty Images

Zum Verzweifeln

Wer in seinem Lebenslauf bestimmte Dinge nicht erwähnt oder sich vertippt, wird im schlimmsten Fall direkt vom Computer aussortiert.

DüsseldorfDie digitale Transformation geht in Deutschlands Unternehmen langsam voran und macht selbstverständlich auch vor den Personalabteilungen nicht Halt. So lassen immer mehr Firmen Bewerbungen, die sie erhalten, über Online-Portale aussortieren. Von Computerprogrammen (da haben Sie richtig gelesen). Ein fragwürdiger Trend, der seine Tücken hat. Denn wer den digitalen Personaler mit seinem Lebenslauf nicht überzeugt, schafft es erst gar nicht bis zum Vorstellungsgespräch. Wer mit einer besonders kreativen Bewerbung aus der Masse herausstechen will, kann sich die Arbeit also gleich sparen.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Christian Umbs, Managing Director bei der Personalberatung Robert Half, erläutert den digitale Entwicklung: „Immer mehr Unternehmen greifen auf sogenannte „Applicant Tracking Systems“ (ATS) zurück. Das beobachten wir vor allem bei größeren Unternehmen, die auf Stellenausschreibungen tausende Bewerbungen erhalten und so den Einstellungsprozess verkürzen sowie optimieren möchten. Diese ATS scannen Bewerbungen auf bestimmte Inhalte, wie etwa Schlüsselbegriffe und sortieren bei Diskrepanzen oder fehlender Übereinstimmung aus.“

Was den Unternehmen also das Leben erleichtert, macht den Menschen – lassen Sie sich das Wort nochmal auf der Zunge zergehen – auf der Jobsuche den Bewerbungsprozess in Bits und Bytes zu einer großen Herausforderung. Damit das nicht passiert, sollten Kandidaten folgende drei Ratschläge beherzigen, die einfach umzusetzen sind, und die Chancen auf die nächste Runde verbessern.

1. Wählen Sie eine einfache Formatierung für Ihre Online-Bewerbung

Lebenslauf-Scanner sind keine Fans von kreativen Layouts. Statt dem Bewerber seine Individualität hoch anzurechnen, haben sie Schwierigkeiten beim korrekten Lesen des Lebenslaufs. Anstatt die Online-Bewerbung als kreativ einzustufen, wird sie schlimmstenfalls sofort aussortiert. Tipps für Bewerber:

  • Verzichten Sie im Lebenslauf auf extravagante Elemente wie Logos oder Symbole.
  • Wählen Sie in der Online-Bewerbung keine ausgefallenen Schriftarten. Nutzen Sie Standardschriften wie Arial, Calibri oder Times New Roman.
  • Verwenden Sie für die einzelnen Abschnitte im Lebenslauf gängige Überschriften, wie Ausbildung, Berufserfahrung oder Qualifikationen.
  • Verwenden Sie allgemein häufig genutzte Bezeichnungen. Unbekannte Begriffe erschweren es den Maschinen, die Daten im Lebenslauf richtig einzuordnen.
  • Prüfen Sie genau, welche Dateiformate das ATS akzeptiert und korrekt lesen kann. Passen Sie Ihre Online-Bewerbung entsprechend an.

Kommentare (2)

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Herr richard roehl

27.09.2016, 13:46 Uhr

Alles nur Panikmache. Bei dem immensen Fachkräftemangel, wie er immer von Politik, Unternehmen und Systemmedien kolportiert wird, kann doch kein Personaler riskieren, dass ihm eine Perle durch einen dummen Roboter verloren geht

Frau Annette Bollmohr

27.09.2016, 13:52 Uhr

@Herr richard roehl, 27.09.2016, 13:46 Uhr:
"Alles nur Panikmache. Bei dem immensen Fachkräftemangel, wie er immer von Politik, Unternehmen und Systemmedien kolportiert wird, kann doch kein Personaler riskieren, dass ihm eine Perle durch einen dummen Roboter verloren geht" - Na, hoffentlich.

„Die digitale Transformation geht in Deutschlands Unternehmen langsam voran und macht selbstverständlich auch vor den Personalabteilungen nicht Halt.“

Aber genau vor denen sollte sie selbstverständlich Halt machen:

„Wer mit einer besonders kreativen Bewerbung aus der Masse herausstechen will, kann sich die Arbeit also gleich sparen.“

Wollen die Unternehmen nun neue Ideen für die Zukunft entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben (dafür sind sie auf fähige, KREATIVE Mitarbeiter angewiesen), oder wollen sie mit einer Crew angepasster, stromlinienförmig-glattgeschliffener (dafür aber leicht zu „steuernder“) Uniformisten gemütlich dem Untergang entgegen schwimmen?

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