Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2016

11:15 Uhr

Brain-Drain-Risiko

So vergraulen Chefs ihre besten Talente

VonCarina Kontio

In Deutschland sind neun von zehn jungen Mitarbeitern offen für einen neuen Job. Vor allem wenn die Berufseinsteiger unzufrieden mit dem Chef sind, verlieren Unternehmen den Kampf um die begehrten Talente.

Viele Unternehmen sind selbst schuld daran, dass junge Mitarbeiter das Weite suchen. Getty Images

Mitarbeiter binden

Viele Unternehmen sind selbst schuld daran, dass junge Mitarbeiter das Weite suchen.

DüsseldorfJunge Mitarbeiter binden, Talente gewinnen und halten: das ist für viele Firmen oft eine große Herausforderung im tristen Unternehmensalltag. Wer eine Firma leitet, weiß wie sehr es schaden kann, plötzlich einen guten Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren. Ist der erste Schock verarbeitet, kommt es drauf an, sich mit der Frage zu beschäftigen, warum der Mitarbeiter gekündigt hat.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Mitarbeiter kommen wegen der Firma, bleiben wegen der Aufgabe und gehen wegen des Chefs“? Da ist durchaus viel Wahres dran, wie eine neue Studie zeigt. Demnach sind derzeit neun von zehn Young Professionals offen für einen neuen Job. Jeder fünfte sucht sogar aktiv nach einem neuen Arbeitgeber. Allzu schwierig dürfte ihre Suche nicht werden, denn zwei Drittel aller jungen Talente haben in den vergangenen zwölf Monaten Jobangebote von anderen Unternehmen erhalten – und das völlig unabhängig davon, ob sie eine neue Perspektive suchen oder nicht.

Im Schnitt erhalten sie 3,6 Jobangebote, vor zwei Jahren waren es nur 2,6 Angebote. Am größten ist das Risiko, dass Mitarbeiter ihren Arbeitgeber verlassen, aktuell in den Branchen Medien und Werbung, Consulting und Wirtschaftsprüfung sowie Banken und Versicherungen. Das ist das Ergebnis des Young Professional Barometers 2016, das von dem Marktforschungsunternehmen Trendence erstellt wird. Dabei befragen die Experten für Personalmarketing jedes Jahr rund 10.000 junge berufstätige Akademiker aller Branchen mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung zu ihren Karriereplänen und Wunscharbeitgebern.

Welche enorme Schaden der deutschen Wirtschaft dadurch entsteht, haben wir hier schon einmal erklärt. Ein wesentlicher Treiber der Wechselwilligkeit ist die Unzufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Young Professionals, die aktuell sehr unzufrieden sind, begeben sich fast siebenmal häufiger aktiv auf die Suche nach einem neuen Job als sehr zufriedene Mitarbeiter. „Unternehmen, die ihre Mitarbeiter langfristig halten wollen, müssen die Unzufriedenheit im Unternehmen bekämpfen und dafür vor allem in die Führungskompetenz ihrer Führungskräfte investieren“, erklärt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×