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14.06.2017

12:19 Uhr

Gehalt im Vergleich

Über Geld spricht man (immer noch) nicht

VonLisa Oenning

Die Mehrheit der Deutschen begrüßt das Gesetz von Manuela Schwesig, das ab Sommer für mehr Gehaltstransparenz sorgen soll. Dabei verrät jeder Dritte laut einer Studie nicht einmal seinem Partner, wie viel er verdient.

Dieses Sprichwort nehmen die Deutschen offenbar sehr ernst: Laut einer Untersuchung des Karrierenetzwerkes Xing sprechen nur 44 Prozent mit nahen Verwandten über die Höhe ihrer Vergütung. dpa

„Über Geld spricht man nicht“

Dieses Sprichwort nehmen die Deutschen offenbar sehr ernst: Laut einer Untersuchung des Karrierenetzwerkes Xing sprechen nur 44 Prozent mit nahen Verwandten über die Höhe ihrer Vergütung.

DüsseldorfViele Deutsche haben ein wohlgehütetes Geheimnis: die Höhe ihres Gehaltes. Denn mehr als jeder Zweite weigert sich, nahen Verwandten zu verraten, wie viel er monatlich verdient. Das ist das Ergebnis einer Studie des Karrierenetzwerkes Xing, das in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres mehr als 2000 deutsche Berufstätige nach ihrer Meinung zur Gehaltstransparenz befragt hat. Demnach gibt sogar jeder Dritte nicht einmal seinem eigenen Partner preis, wie viel er monatlich verdient. Mit grundsätzlich jedem sprechen nur 3,5 Prozent der Befragten über ihr Gehalt, jeder Vierte mit seinen Arbeitskollegen.

Dass viele Deutsche ihre Vergütung zum Tabuthema erklären, zieht aber auch oftmals Probleme nach sich: In Gehaltsverhandlungen tun sich Arbeitnehmer beispielsweise schwer, einen gerechten Lohn zu fordern – den sie anhand ihrer eigenen Leistung, aber auch an der ihrer Kollegen bemessen.

Gesetz gegen Gehaltslücken

Auskunft

Das neue „Gesetz zur Förderung von Transparenz von Entgeltstrukturen“ soll verhindern, dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer. Chefs sollen die Vergütung ihrer Beschäftigten auf Anfrage offenlegen. Dafür bekommen etwa 14 Millionen Beschäftigte in Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern ein Auskunftsrecht darüber, was eine vergleichbare Gruppe des anderen Geschlechts verdient. Unternehmen mit über 500 Beschäftigten sollen außerdem regelmäßig über ihren Stand in Sachen Entgeltgleichheit berichten. Dazu sollen sie ihre Lohnstrukturen auf Fairness überprüfen.

Einwand

Arbeitgeber halten das für überflüssig. Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens etwa verweist auf tarifliche Bindungen und auf interne Bewertungssysteme. „Wir gehen davon aus, dass diese geschlechtsneutral sind“, sagt sie. Manch anderer Chef befürchtet das Ende leistungsgerechter Entlohnung oder sogar ein Einheitsgehalt.

Forderung

Gewerkschaften und der Linkspartei geht das Gesetz dagegen nicht weit genug, da Sanktionsmöglichkeiten für Arbeitgeber fehlen. Vergütungsexpertin Henrike Platen sieht vor allem einen Wettbewerbsvorteil. Gehaltstransparenz sei eine „kluge Methode, Arbeit sexy zu machen“. Denn „Fair Pay hilft, Fachkräfte zu finden und für eine moderne Unternehmenskultur zu begeistern – und zwar Männer wie Frauen“.

Gerade zwischen den Gehältern männlicher und weiblicher Angestellte klafft oftmals eine ordentliche Lücke. Alle vier Jahr berechnet das Statistische Bundesamt den bereinigten Gender Pay Gap – also den unerklärbaren Lohnunterschied zwischen einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter auf gleicher Position mit vergleichbarer Qualifikation. Die letzten Berechnungen stammen aus dem Jahr 2014. Sechs Prozent der Gehaltsdifferenzen waren zu diesem Zeitpunkt unerklärbar. 2010 lag der bereinigte Gender Pay Gap mit sieben Prozent geringfügig darüber. Die unbereinigte Lohnlücke zwischen Männern und Frauen hierzulande lag im März 2017 bei 21 Prozent.

Der geschlechterspezifischen Lohnlücke soll ab diesem Sommer das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen entgegenwirken. Es sieht vor, dass Arbeitnehmer einer Firma mit einer Größe ab 200 Mitarbeitern Informationen darüber einfordern können, was Kollegen auf vergleichbarer Position verdienen. Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, haben sie die Möglichkeit, ein höheres Gehalt einzuklagen. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die einen Lagebericht nach dem Handelsbuchgesetz zu erstellen haben, müssen bald regelmäßig einen Bericht über Lohngleichheit veröffentlichen.

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Gehälter sind nicht mehr tabu: Digitale Quellen schaffen Vergleichbarkeit, Unternehmen werden zur Auskunft verpflichtet. Höchste Zeit für Chefs, Bezahlung auf Fairness zu prüfen und Vergütung transparent zu machen.

Die große Mehrheit der Deutschen begrüßt der Untersuchung zufolge die Gehaltstransparenz: Vier von zehn Befragte bekannten sich eindeutig dazu, genauso viele unterstützen das Vorhaben der ehemaligen Bundesarbeitsministerin Manuela Schwesig ebenfalls – allerdings etwas verhaltener. Zu den Befürwortern gehören laut Studie etwas mehr Frauen. Sie sind auch häufiger der Meinung, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlechter vergütet werden als Männer.

Schwesig ist davon überzeugt, dass ihr Gesetz langfristig zu einem Kulturwandel in den Unternehmen und der Gesellschaft beitragen und das Tabu gebrochen wird, über die Vergütung zu sprechen.

Kritiker bemängeln allerdings, dass das Gesetz nicht weit genug geht: Es fehlen Sanktionsmöglichkeiten für Unternehmen. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleinerer Betriebe sollten Informationen darüber erhalten, was die Kollegen verdienen. Und: Wer Einsicht fordert, setzt das Verhältnis zum Chef aufs Spiel – und muss vor Gericht erst einmal beweisen, dass er bei der Vergütung benachteiligt wird.

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

14.06.2017, 14:19 Uhr

Sehr geehrte Frau Oenning,

Sie kennen sicher die Definition: Lohn oder Gehalt sind das Entgelt für geleistete Arbeit. Das gilt auch, wenn man die Verdienste von Frauen und Männern bei gleichartigen Tätigkeiten vergleicht. Mir scheint, dass der sogenannte Gender pay back nicht gar so rätselhaft ist.

Dass Frauen schwanger werden und Kinder betreuen, ist gesellschaftspolitisch wertvoll. Aber aus der Sicht eines Betriebes bedeutet dies, dass dringend benötigte Arbeitsstunden ausfallen. Und anscheinend hat es die Natur so eingerichtet, dass Frauen häufiger krank werden als Männer. Nach einer Studie der DAK kommen sie auf 14 % mehr Fehltage als ihre männlichen Kollegen. Dass weniger abgeleistete Arbeitsstunden auch etwas geringer honoriert werden, sollte einleuchten.

Frau Edelgard Kah

14.06.2017, 14:50 Uhr

Sehr geehrte Frau Oenning,

sollen wir wirklich über Gehälter reden? Vielleicht stellen Sie sich als Szenario einmal vor, Sie seien zu einer Gartenparty eingeladen. Mit dabei fünf Ehepaare, die Sie nicht näher kennen.

Als erstes erzählt ein Herr, er sei Hauptabteilungsleiter mit fettem Dienstwagen und 12 000 EURO Gehalt. Der nächste Herr berichtet, er sei Druckereibesitzer mit 12 Angestellten und komme pro Jahr auf 300 000 EURO. Die anderen schämen sich, weil sie es zu nichts Vorzeigbarem gebracht haben. Sie halten den Mund und brechen unter einem Vorwand bald auf.

Dass sich unsere Gesellschaft extrem schichtet, ist schlimm genug. Aber müssen wir auch noch bei jeder Gelegenheit an die große Glocke hängen, auf welcher Sprosse der Stufenleiter jeder Einzelne steht? Gibt es etwas Dümmeres, als Neid und Haß zu schüren? Die Solidarität vollends zerstören?

Herr Kurt Küttel

14.06.2017, 15:07 Uhr

Komisch, von der SPD kommen nur schwachsinnige, bürokratische Gesetze die kaum einen Menschen tangieren! Reine Energieverschwendung!

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