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21.06.2017

14:55 Uhr

Home-Office in der Digitalbranche

Drei Viertel dürfen von Zuhause arbeiten

VonCarina Kontio

Örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten ist zumindest in der Digitalbranche weit verbreitet. Dennoch sehen es die Chefs nicht gerne. Eine Umfrage zeigt jetzt, dass Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Eine Umfrage zeigt: Arbeitgeber, die im Rennen um Talente attraktiv sein wollen, müssen flexible Arbeitszeiten anbieten. Getty Images

Örtlich und zeitlich unabhängig arbeiten

Eine Umfrage zeigt: Arbeitgeber, die im Rennen um Talente attraktiv sein wollen, müssen flexible Arbeitszeiten anbieten.

DüsseldorfHome-Office: Während sich noch viele Arbeitgeber in klassischen Branchen skeptisch zeigen und misstrauisch gegenüber ihren Mitarbeitern sind, ist die Möglichkeit, flexibel arbeiten zu können in der Digitalen Wirtschaft längst Standard. Das geht aus einer neuen Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 712 Arbeitnehmern seiner Mitglieder hervor. Darunter sind neben vielen Agenturen aus dem Digitalbereich und großen Playern wie Facebook, Google, T-Systems oder SAP auch sich digitalisierende Unternehmen wie Gothaer oder BMW vertreten.

Drei Viertel (75 Prozent) der befragten Arbeitnehmer geben also an, von Zuhause arbeiten zu dürfen. Allerdings ist die Regelung nur bei 24 Prozent im Arbeitsvertrag geregelt. Für Harald R. Fortmann, Botschafter für die Arbeitswelt der Zukunft im BVDW, ist das keine Überraschung: „Häufig handelt es sich um Kulanzregelungen ohne festgelegte Kriterien. Vor allem in größeren Unternehmen gibt es aber offizielle Betriebsvereinbarungen, in denen die Bedingungen festgelegt sind.“ Nach der BVDW-Umfrage sind die technischen Möglichkeiten in 95 Prozent der Unternehmen gegeben.

Was Chefs über Generation Y wissen müssen

Analyse

Wie tickt die Generation Y? Welches Gerücht stimmt, welches eher weniger? Eine Analyse der Gewohnheiten und beruflichen Erwartungen von über 10.000 Leuten zwischen 20 und Mitte 30 durch den Informationsdienstleister CEB räumt mit den größten Mythen über junge Mitarbeiter auf.

Mythos 1: Gen Y legt viel Wert auf Social Media

Realität: Die Youngster nutzen zwar Social-Media-Angebote, aber weniger als ein Drittel vertraut den Informationen, etwa über Arbeitgeber, die aus diesen Quellen stammen. Arbeitgeber sollten daher zwar auf Social Media setzen, um Kandidaten anzusprechen, den Erfolg dieser Kanäle aber nicht überschätzen. Am meisten vertrauen Arbeitssuchende aller Generationen Freunden und Familie. Deshalb sind traditionelle Wege wie Mitarbeiterprogramme zur Anwerbung von neuen Kollegen immer noch erfolgreich.

Mythos 2: Gen Y lässt sich vom Verdienst anspornen

Realität: Die Daten belegen, dass der Nachwuchs sich nicht so stark von Geld anspornen lässt wie ältere Generationen. Geld ist zwar wichtig, aber nicht so wichtig wie berufliche Entwicklungschancen. Unternehmen können für Einsteiger attraktiver werden, wenn sie hervorheben, dass Arbeitnehmer bei ihnen schnell viel Wissen erwerben und etwas bewirken können.

Mythos 3: Gen Y setzt stärker auf Zusammenarbeit als auf Wettbewerb

Realität: Die Angehörigen der Gen Y sind wettbewerbsorientierter als jede andere Generation. 58 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihre Leistung mit der ihrer Kollegen vergleichen. Bei Arbeitnehmern anderer Generationen liegt dieser Anteil bei lediglich 48 Prozent. Um diesem Umstand gerecht zu werden, sollten Unternehmen nicht nur Anerkennungs- und Belohnungsprogramme in Erwägung ziehen. Sie sollten auch dafür sorgen, dass gute Arbeitsleistungen der Youngster sichtbarer und innerhalb des Unternehmens hervorgehoben werden.

Mythos 4: Gen Y verlässt sich bei der Arbeit auf Kollegen

Realität: Die jungen Berufstätigen bringen ihren Kollegen weniger Vertrauen als die älteren Mitarbeiter entgegen. Und viele von ihnen erledigen Aufgaben lieber „im Alleingang“ – 37 Prozent verlassen sich nur auf sich selbst, wenn es darum geht, eine Aufgabe fehlerfrei zu erledigen. Dieser Anteil liegt bei anderen Generationen bei nur 26 Prozent. Trotzdem fühlen sich die Gen-Y-Mitglieder mit ihren Kollegen fast genauso eng verbunden wie andere Generationen. Mehr als ein Drittel der Gen Y und der Älteren gibt an, enge persönliche Beziehungen zu ihren Arbeitskollegen zu unterhalten. Um Mitarbeitern beim Aufbau von Beziehungen zu helfen und die Zusammenarbeit unter Kollegen zu fördern, sollten Chefs betonen, wie wertvoll Teamarbeit ist.

Mythos 5: Gen Y wechselt gern häufig den Arbeitgeber

Realität: Die jungen Mitarbeiter möchten unterschiedliche Erfahrungen sammeln, aber nicht unbedingt bei unterschiedlichen Firmen. Tatsächlich ist es so, dass die Youngster nicht von einem Arbeitgeber zum nächsten springen möchten, sondern von einer Erfahrung zur nächsten. Es ist wahr, dass der Anteil der Jobsuchenden unter ihnen höher ist als in anderen Generationen – und mehr als die Hälfte hält außerhalb ihres eigenen Unternehmens nach Karrierechancen Ausschau. Bei der Generation X liegt dieser Anteil bei 37 Prozent und bei der Baby-Boomer-Generation bei 18 Prozent. Trotzdem sind 53 Prozent der Gen Ys, ähnlich wie andere Generationen, der Ansicht, dass interne Jobmöglichkeiten wünschenswert sind. Unternehmen sollten ihre Karriere-Optionen entsprechend erweitern.

Ein Drittel der Befragten (34 Prozent), die das Angebot für Home-Office nicht in Anspruch nehmen, geben an, dass der Arbeitgeber es nur ungern sehe, wenn von Zuhause gearbeitet wird. „Hier besteht vor allem kulturell eine riesige Lücke. Es wird seine Zeit brauchen, bis alle Führungskräfte verstanden haben, dass sich flexibles Arbeiten positiv auf die Produktivität und Arbeitsergebnisse auswirken kann“, erklärt Fortmann.

Dabei ist die Erwartungshaltung groß: 92 Prozent der Befragten, denen Home-Office nicht angeboten wird, wünschen sich die Möglichkeit, von Zuhause arbeiten zu können – besonders, um konzentrierter arbeiten zu können (72 Prozent), sich die Fahrzeit zur Arbeit zu sparen (63 Prozent) und sich die Arbeitszeit selbstständig einteilen zu können (62 Prozent). Immerhin fast jeder Zweite (44 Prozent) möchte durch Home-Office die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Aber hier geben drei von zehn Befragten (31 Prozent) an, für sich persönlich nicht genau zwischen Arbeitszeit und Freizeit abgrenzen zu können.

Fast drei Viertel (73 Prozent) sind während ihrer Freizeit per Telefon oder Mail erreichbar – in 94 Prozent der Fälle werktags nach der Arbeit. Während des Urlaubs bearbeiten 63 Prozent der befragten berufliche E-Mails oder führen berufliche Telefonate.

Insgesamt führt das zu einer höheren Arbeitsbelastung: Fast die Hälfte (47 Prozent) gibt an, mehr zu arbeiten als noch vor drei Jahren. Harald R. Fortmann: „Die Bedürfnisse sind ganz individuell. Der eine möchte Arbeit und Familie miteinander vereinbaren und seine beruflichen Aktivitäten in die Freizeit integrieren. Der nächste legt großen Wert darauf, das zu trennen. Wer als Arbeitgeber im Rennen um die besten Köpfe mithalten will, muss sich darauf einstellen können.“

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