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24.02.2017

07:22 Uhr

Microsoft-Managerin Bendiek

„Mädchen müssen anders abgeholt werden als Jungs“

VonCarina Kontio

Wie begeistert man junge Frauen für Berufe, die noch immer von Männern dominiert werden? Und was macht man, wenn Mädchen einfach keine Lust auf IT haben? Sabine Bendiek, Deutschland-Chefin von Microsoft, hat Antworten.

„Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial weiblicher Talente zu verzichten. Wir müssen sie zielgerichtet fördern und für MINT-Themen begeistern“, sagt Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland. dpa

Microsoft-Deutschland-Chefin

„Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial weiblicher Talente zu verzichten. Wir müssen sie zielgerichtet fördern und für MINT-Themen begeistern“, sagt Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland.

Im Alter von elf bis 16 Jahren ist das Interesse von Mädchen in Deutschland an den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) am stärksten. Danach geht es mit dem Engagement oft steil bergab. Das zeigt die aktuelle Studie „The When & Why of STEM Gender Gap“, die KRC Research im Auftrag von Microsoft in zwölf europäischen Ländern durchgeführt hat.
Warum verlieren Mädchen das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern? Und welche Faktoren verhindern für junge Frauen den Einstieg und den Aufbau einer Karriere im Bereich MINT? Darüber haben wir mit Sabine Bendiek gesprochen, der Chefin von Microsoft Deutschland. Sie verrät auch, wie man als Frau die männliche Firewall im Job durchbrechen kann.

Frau Bendiek, Hand aufs Herz: Wenn Sie sich jetzt einen typischen Wissenschaftler vorstellen, denken Sie da an einen Mann oder eine Frau?
Da ich mich im Rahmen unserer Studie grade mit dem Thema beschäftigt habe, schwirren mit tatsächlich aktuell Marie Curie und Mary Somerville durch den Kopf. Aber, da will ich ehrlich sein, das war vorher nicht so. Wahrscheinlich hätte ich an Albert Einstein gedacht.

Wieso ist es so wichtig, Mädchen und junge Frauen für IT-Berufe, die noch immer von Männern dominiert werden, zu begeistern?
Ganz einfach, weil sie sonst ganz viele spannende Karrieremöglichkeiten verschenken. IT-Berufe werden in unserer digitalisierten Welt immer wichtiger, und in nahezu allen Bereichen geht bald nichts mehr ohne digitale Kompetenz. Außerdem brauchen wir die Mädchen, wenn wir als Standort konkurrenzfähig bleiben wollen. Schließlich fehlen uns heute schon Tausende IT-Fachkräfte.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

In Ihrer Studie heißt es, das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern geht bei Mädchen mit 16 Jahren stark zurück. Warum ist das so?
Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass es vielen Mädchen an Selbstbewusstsein mangelt. Fast jedes vierte Mädchen glaubt, dass es in MINT-Fächern niemals so gut sein kann wie ein Junge. An dieser Stelle sind Eltern und Lehrer gefordert, Mädchen mehr Mut zu machen. Mädchen legen außerdem besonderen Wert auf Kreativität, sie wollen Dinge selber entdecken – diese Bedürfnisse werden im Unterricht anscheinend nicht ausreichend erfüllt.

Sie haben es gerade angedeutet: Aufgrund des Fachkräftemangels versucht man, mehr Mädchen in technische Studiengänge zu bringen. Was aber, wenn sie einfach nicht wollen?
Wer nicht will, will nicht. Und sollte auch nicht. Ganz einfach. Aber zu glauben, dass Mädchen per se keine Lust dazu haben, weil sie Mädchen sind, ist meiner Meinung nach falsch. Und das belegt ja auch unsere Studie. Mädchen haben Lust auf MINT – sie müssen aber anders und gezielter abgeholt und begeistert werden als Jungs.

Oft heißt es, das ist auch ein Ergebnis Ihrer Untersuchung, es fehle Mädchen an weiblichen Vorbildern, denen sie nacheifern können. Könnte es nicht einfach auch in der Natur der Dinge liegen, dass Frauen andere Präferenzen haben als Männer?
Ich glaube weniger, dass das durch die Natur bedingt wird, sondern vielmehr an tradierten und etablierten Rollenbildern liegt, die sich seit langer Zeit in unserer Gesellschaft verfestigt haben. Deswegen glaube ich ja auch, dass wir da bewusst gegensteuern können und auch sollten.

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