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18.06.2017

11:14 Uhr

Muss Arbeit sinnvoll sein?

Warum Sie für Ihren Job nicht alles geben müssen

VonThorsten Giersch

Laut Umfragen sind die meisten Deutschen in ihrem Job unglücklich. Doch warum? Bestsellerautor Volker Kitz zerlegt die gängige Hybris und warnt vor überzogener Erwartungshaltung.

Oft gilt das Mantra: Wenn deine Arbeit dein Herz nicht von ganzem Herz erfüllt, wenn sie nicht dein Selbst ist, ist etwas nicht in Ordnung. Getty Images

Mantras in der Arbeitswelt

Oft gilt das Mantra: Wenn deine Arbeit dein Herz nicht von ganzem Herz erfüllt, wenn sie nicht dein Selbst ist, ist etwas nicht in Ordnung.

DüsseldorfNiemand liebt seine Arbeit hierzulande mehr als Hochschullehrer. Sie stehen in einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung ganz oben. Am unzufriedensten mit ihren Jobs sind Lagerarbeiter. Das klingt zunächst einmal nicht irrsinnig überraschend. Doch spannend ist der Blick auf die Durchschnittsnoten: Auf einer Skala von null bis zehn gaben sich die Uni-Profs im Schnitt eine 7,7; die Lagerarbeiter sortierten sich selbst bei 6,7 ein. Ein einziger Punkt nur trennt die Zufriedensten von den Unzufriedensten.
So schlimm kann es also gar nicht bestellt sein. Scheinbar ist der Deutsche mit seinem Beruf im Großen und Ganzen zufrieden. Doch es gibt auch ganz andere Umfrage-Ergebnisse: So ergibt der „Gallup Engagement Index“, dass sich nur 15 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Job identifizieren. Und es gibt zig weitere solcher Studien, die belegen, dass etwas nicht stimmt mit den Deutschen und ihrer Sicht auf die Arbeit. Oft gilt das Mantra: Wenn deine Arbeit dein Herz nicht von ganzem Herz erfüllt, wenn sie nicht dein Selbst ist, ist etwas nicht in Ordnung.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Eine semantische Feinheit erklärt, was mit uns los ist: Fast jedes Wort wirkt als Verb ähnlich wie als Substantiv. Liebe und lieben lösen in Tests positive Gefühle aus, Mord und morden negative. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen. Eine ist Arbeit und arbeiten. Arbeit haben ist schön, zu arbeiten hingegen löst ungute Gefühle aus. Der Bestsellerautor Volker Kitz kommt in seinem aktuellen Buch „Feier-Abend!“ zu einem eindeutigen Befund: „Nicht die Arbeit macht Menschen unglücklich, sondern die Lügen, die wir uns darüber erzählen.“ Welche Lügen das sind, führt der beliebte Redner auf knapp 100 Seiten sehr lesenswert aus.

Zu unseren Dysfunktionalitäten gehöre, dass man im Job einfach nur seiner Leidenschaft folgen solle. Kitz zieht einen einfachen Vergleich mit der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. An Leidenschaft mangelt es den wenigsten Kandidaten. Wohl aber am Können, weswegen vielen Spott sicher ist. Leidenschaft störe mehr, als sie nutzt. Und deswegen operieren Ärzte ungern Angehörige.

Zufriedenheit im Job: Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben

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Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben

Viele Mitarbeiter fühlen sich ihrer Firma nicht verbunden. Das hat vor allem einen Grund.

Gute Arbeit erfordere Nüchternheit und gesunde Empathie: „Um in einen fremden Kopf zu schlüpfen, brauche ich Distanz zu mir und meiner Arbeit. Leidenschaft ist das Gegenteil davon“, schreibt Kitz. Je mehr man seine Arbeit liebe, umso mehr werde sie zum Selbstzweck. Und wer seine Arbeit liebt, der sucht seltener nach Möglichkeiten, dasselbe Ergebnis schneller hinzubekommen – sprich effizienter zu agieren. Wer sich dessen bewusst wird, ist auch nicht mehr traurig, wenn er seinen „Traumjob“ noch nicht gefunden hat.

Eine weitere Lebenslüge rund ums Arbeiten ist, dass der Job stets neue Herausforderungen bereithalten möge. Wer fliegt schon gern bei einem Piloten mit, der beim Start ins Mikro spricht, dass dieser Flug für ihn eine grandiose Herausforderung ist – vom Arzt mal ganz zu schweigen. Die Tätigkeiten, der wir tag-täglich nachgehen, seien nun mal Routine und das ist auch gut so. Schließlich liebt unser Gehirn klare Abläufe.

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