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15.02.2017

10:05 Uhr

Sieben Tipps für den Arbeitsalltag

Wie Sie gelassen bleiben und eine Eskalation vermeiden

VonCarina Kontio

Wer wünscht sich nicht, auch in emotional aufgeladenen Situationen gelassen zu bleiben und souverän zu handeln. Das Tolle ist: Wir sind unseren Emotionen nicht automatisch ausgeliefert. So bleiben Sie cool.

Anschreien ist im Berufsleben in der Regel zu vermeiden. Getty Images

Bitte nicht!

Anschreien ist im Berufsleben in der Regel zu vermeiden.

KölnCholerische Chefs, wutschnaubende Kollegen: Wehe, wenn sie losgelassen werden. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wer kennt das nicht, dass man am liebsten ausrasten möchte, wenn der Chef mal wieder total ungerecht ist oder der Computer zum 100. Mal nicht funktioniert? Schließlich kann es sehr befreiend sein, den Emotionen freien Lauf zu lassen, oder?

Grenzwertig wird es zumindest dann, wenn Sie Kollegen beleidigen oder bedrohen. Das kostet nicht nur Sympathiepunkte, sondern Sie riskieren damit auch Ihren Job. Nun ist Ärger am Arbeitsplatz leider keine Seltenheit – wie also vernünftig umgehen mit der Wut?

Die gute Nachricht: Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass uns alles überrollt und wir immer wieder in altbekannte Muster fallen: Wir sind unseren Emotionen nicht automatisch ausgeliefert, weiß Psychologin und Coach Tanja Volke-Groh. Die folgenden Tipps, die die Expertin kürzlich in einem Fachbeitrag der Haufe-Akademie skizziert hat, können helfen, einen Weg aus der Emotionsspirale zu finden:

1. Identifizieren Sie Ihre persönlichen „roten Knöpfe”. Was sind Ihre Reizthemen?

Volke-Groh empfiehlt Mitarbeitern, herauszufinden, was die auslösenden Situationen sind, die Sie immer wieder auf die Palme bringen. Volke Groh: „Fragen Sie sich auch, was eigentlich hinter dem vordergründigen Gefühl steckt. Welches Bedürfnis, welche Verletzung oder Befürchtung liegt unter der Oberfläche und wühlt Sie eigentlich so sehr auf?“

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

2. Kennen Sie Ihre körperlichen Reaktionen auf stressige Situationen?

Wissen Sie, wie Sie körperlich auf Ärger und Konfliktsituationen reagieren? Volke Groh rät, sich bewusst zu machen, wo der Stress für Sie körperlich spürbar wird. Lernen Sie, ihn bewusst wahrzunehmen und üben Sie sich in Achtsamkeit. „Der Schlüssel der Achtsamkeit liegt in der Qualität der Aufmerksamkeit, die wir jedem Moment entgegenbringen.“ (Jon Kabat-Zinn)

3. Finden Sie heraus, welche subjektiven Bewertungen und Glaubenssätze Ihr Leben bestimmen

„Glaubenssätze sind im Unterbewusstsein abgespeicherte, feste Überzeugungen, die früh im Leben entstanden sind – durch Vorbilder, Erziehung etc. und unsere Gefühle, Entscheidungen und täglichen Handlungen entscheidend beeinflussen“, sagt die Expertin in ihrem Beitrag. Volke-Groh empfiehlt, manche dieser Glaubenssätze im Erwachsenenalter noch einer bewussten kritischen Prüfung zu unterziehen. „Prüfen Sie ehrlich, welche Glaubenssätze Sie tatsächlich über sich bestimmen lassen möchten. Finden Sie heraus, was Ihre persönlichen 'Antreiber' sind und lernen Sie, diese in 'Erlauber' umzuformulieren.“

Kommentare (1)

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Herr Michael Haaker

15.02.2017, 11:35 Uhr

Gute und interessante Tipps aus dem "Off" ...leider erinnert sich nur fast niemand im jeweiligen Augenblick an derlei gute und richtige Rezepte, die eingeübt und verankert sein müssen, wenn mal wieder die (langjährig) eingespielten emotionalen Muster sich ihre Bahn brechen und das Gehirn regelrecht mit Botenstoffen aus den tiefsten Tiefen (Amygdala) des Gehirns überflutet wird und man erst hinterher feststellt, wie besser zu reagieren gewesen wäre.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile einige hochinteressante Ansätze, diese neurologischen Zwangsmuster auszutricksen und die emotional behindernde Flut in neue Bahnen zu lenken ohne dabei ständig zu versuchen sich zu kontrollieren und zu beobachten. Stichwort "Amygdala-Depotenzierungs-Techniken".

Das Positve dabei ist, das dies für alle unerwünschten Emotionen (in erster Instanz also Ängste, Wut, ...) beliebiger Intensität gilt und zu dauerhaften Veränderungen führen kann, ungeachtet der tatsächlichen Ursachen und ohne die Erinnerungen an konkrete Auslöser zu verändern, sondern vielmehr die damit verbundenen unerwünschten Emotionen, die den im Artikel beschriebenen "Fehlhandlungen" zu Grunde liegen. Ein ausgesprochen eleganter Ansatz der vor allem dadurch glänzt, das Veränderungen schnell und dauerhaft erzielt werden können.

Diese Wirkverfahren hat seinen Ursprung in den sogenannten psychosensorischen Therapien, die sich mittlerweile als dritte Säule neben der "klassischen Psychotherapie" und der pharmakologisch orientierten Therapie vor allem in den angelsächsischen Ländern einen Stammplatz erobert hat und sich vermutlich in wenigen Jahren auch hierzulande auf breiter Ebene etablieren wird.

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Herzliche Grüße - Michael Haaker

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