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14.06.2017

11:18 Uhr

Uber-Chef nimmt Auszeit

Abschied von der Macho-Kultur

VonBritta Weddeling

Frauenfeindlichkeit, Schikane, sexuelle Belästigung: Der Fahrdienst Uber versucht, seine aggressive Unternehmenskultur zu ändern. Doch nur ein Satz eines männlichen Aufsichtsrats zeigt, wie schwierig dieses Vorhaben ist.

Bertie (Til Schweiger) im Feinripp-Unterhemd und mit Goldkettchen: ein Urtyp des Machos. Imago

Kultfilm „Manta, Manta“

Bertie (Til Schweiger) im Feinripp-Unterhemd und mit Goldkettchen: ein Urtyp des Machos.

San FranciscoDas Treffen sollte der Auftakt zur großen Wende bei Uber werden. Am Dienstag hatte der Fahrdienst seine Mitarbeiter in die Zentrale in Downtown San Francisco geladen, um den mit Spannung erwarteten Bericht von Ex-Generalstaatsanwalt Eric Holder zu diskutieren. Der Jurist hatte nach Skandalen, Turbulenzen und Vorwürfen sexistischer Äußerungen die Arbeitsatmosphäre in dem Start-up untersucht. In einem 13-seitigen Schreiben hatte er zentrale Verbesserungen in Führung und Management angeregt. Doch der Neuanfang misslang vorerst.

Ausgerechnet der Termin, der aller Welt demonstrieren sollte, wie sehr die Firma ihre oft kritisierte aggressive Macho- und Bro-Kultur hinter sich gelassen hat, wurde zur Bühne dafür, wie die neue Strategie implodierte. Ein Tonmitschnitt des Treffens, den Yahoo zuerst veröffentlichte, hält eine verstörende Szene fest, die sich rasant im Netz verbreitete.

Arianna Huffington, die zum Führungsgremium der Firma gehört, erläutert darin vor der versammelten Mannschaft, wie es wissenschaftlichen Daten zufolge eine Frau im Aufsichtsrat eines Konzerns „sehr viel wahrscheinlicher“ mache, dass eine weitere hinzukomme.

Fahrdienstleister Uber: Firmenchef Kalanick nimmt unbefristete Auszeit

Fahrdienstleister Uber

Firmenchef Kalanick nimmt unbefristete Auszeit

Uber-Chef Travis Kalanick zieht sich für unbestimmte Zeit zurück. Das kündigte der 40-Jährige in einer E-Mail an die Mitarbeiter an. Kalanick war zuletzt wegen einer tiefgreifenden Untersuchung massiv unter Druck geraten.

Doch die Managerin kommt nicht weit. Sie wird mitten im Satz unterbrochen. Von mehr Frauen im Aufsichtsrat, so die Einlassung von Huffingtons Aufsichtsrat-Kollege David Bonderman, Gründungpartner der privaten Risikokapitalgesellschaft TPG Capital, sei doch höchstens „mehr Gerede“ zu erwarten. Der Kommentar, der die Image-Politur mit einem Schlag zunichte macht, sorgt für Schweigen im Uber-Plenum. Dann stöhnt Huffington genervt: „Oh, come on, David.“

Der peinliche Zwischenruf rüttelt an der Glaubwürdigkeit der Kulturrevolution, die Uber anstrebt. Das Unternehmen schlittert seit Anfang des Jahres von Krise zu Krise. Nach den Sexismus-Vorwürfen einer Ex-Mitarbeiterin, der Klage von Google-Mutter Alphabet wegen illegal erworbener Dokumente, den gravierenden Managementfehlern sowie nach wie vor hohen Verlusten war der Ruf nach einem radikalen Neuanfang bei Uber immer lauter geworden.

Den will die Firma nach wie vor durchziehen, trotz des verkrachten Neustarts. Die Änderungen im Management sind gravierend. Sie zeigen, wie sehr der Fahrdienst inzwischen unter Druck steht, der mehr als ein Dutzend Top-Manager allein seit Jahresanfang verloren hat. Noch mehr Talent-Abgänge kann sich Uber kaum leisten.

Kurz nach der Sitzung kündigte Uber-Direktor Bonderman seinen Rücktritt an. Er entschuldigte sich per E-Mail bei den Mitarbeitern für seine abwertende Bemerkung über Frauen – und nannte sie „nachlässig, unangemessen und unentschuldbar“. Er müsse sich an die gleichen Standards halten, die Uber nun umsetzen soll.

Zu den radikalsten Neuerungen gehört die persönliche Auszeit von Chef Travis Kalanick. Er hatte die Expansion des 2009 gegründeten Fahrdienstes – derzeit mit einem Unternehmenswert von 69 Milliarden Dollar und mit mehr als 12.000 Mitarbeitern in über 70 Ländern und 570 Städten weltweit – maßgeblich vorangetrieben. Auch nach seinem Abgang behält der 40-Jährige durch Aktien-Rochaden und den Besitz entscheidender Anteile an der Firma die Kontrolle bei Uber.

Über eine Pause von Kalanick war bereits spekuliert worden, zunächst allerdings ging es nur um eine dreimonatige Auszeit des Uber-Frontmanns. Wie lange der Chef jetzt fehlen wird, ist unklar. In einer E-Mail an alle Mitarbeiter begründete Kalanick den Schritt mit dem plötzlichen Tod seiner Mutter Bonnie, die bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen und am Freitag beigesetzt worden war. Er wolle die Chance aber auch nutzen, so Kalanick, um zu „reflektieren“, an sich selbst „zu arbeiten“ und ein „Uber 2.0“ entwerfen.

Kommentare (3)

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Herr Martin Wienand

14.06.2017, 12:43 Uhr

Uber ist die Essenz von mieser Energie. Ärger ohne Ende.

Kein Land und keine Stadt in Europa sollte Uber zulassen.

Herr Alessandro Grande

14.06.2017, 12:51 Uhr

Endlich wird es um die Nervensäge und den Ausbeuter von Millionen von Taxifahrern ruhiger!!!

Frau Claudia Strixner

16.06.2017, 09:57 Uhr

Wird spannend bleiben zu beobachten, ob und wie sich die DNA eines Unternehmens ändern kann, das genetisch vollständig darauf ausgerichtet war im Silicon Valley Startup-System erfolgreich zu sein.

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