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14.07.2017

10:53 Uhr

Urlaubsanspruch

Wann der Urlaubswunsch zum Urlaub wird

VonLisa Oenning

Im Juli beginnt die Haupturlaubszeit. Doch bevor Arbeitnehmer die freien Tage genießen können, müssen sie beim Chef erst einen Antrag stellen. Was Vorgesetzte und Mitarbeiter über Urlaubsansprüche wissen sollten.

Damit sich Arbeitnehmer richtig erholen können, sind sie nicht dazu verpflichtet für Kollegen und Vorgesetzten erreichbar zu sein. dpa

Urlauber am Strand

Damit sich Arbeitnehmer richtig erholen können, sind sie nicht dazu verpflichtet für Kollegen und Vorgesetzten erreichbar zu sein.

DüsseldorfSommer ist Urlaubszeit. Doch wer sich nicht rechtzeitig um seine Erholungstage kümmert, muss damit rechnen, dass sie verfallen. Wie viel Urlaub Arbeitnehmern zusteht, wann der Chef die freien Tage verweigern darf und wann Urlaub wirklich Urlaub ist – die wichtigsten Fragen und Antworten zum Urlaubsanspruch.

Wer muss beim Urlaub die Initiative ergreifen – Arbeitnehmer oder -geber?
Momentan muss noch der Arbeitnehmer die Initiative ergreifen. „Nach bisheriger deutscher Rechtsprechung ist es so, dass ein Arbeitnehmer seinen Anspruch verliert, wenn er seinen Urlaub nicht selbst bis zum Ende des jeweiligen Kalenderjahres beim Chef beantragt hat.“, sagt Aribert Panzer, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Schultze und Braun. Doch es gibt mittlerweile mehrere Entscheidungen deutscher Landesarbeitsgerichte, die besagen, dass die Initiative zur sogenannten Urlaubsgewährung vom Arbeitgeber kommen muss – entgegen der bisherigen Ansicht des Bundesarbeitsgerichts. Dessen Richter haben sich nun an den Europäischen Gerichtshof gewandt, der entscheiden muss, welche Partei dazu verpflichtet ist, die Initiative zu ergreifen. Wann die europäischen Richter eine Entscheidung treffen werden, ist laut Panzer noch unklar.

Wie muss der Urlaubsantrag erfolgen?
Das handhaben Unternehmen Panzer zufolge unterschiedlich. In manchen reicht die mündliche Absprache, in anderen wiederum müssen die Arbeitnehmer ihren Urlaub schriftlich beantragen oder der Arbeitgeber legt eine Liste aus, in der die Mitarbeiter ihre Präferenzen eintragen. Wichtig ist jedoch bei allen Arten von Urlaubsanträgen folgendes: Zum Urlaub wird der Urlaubswunsch rein rechtlich betrachtet erst dann, wenn der Arbeitgeber dem Antrag zugestimmt hat – also etwa, wenn er ihn schriftlich genehmigt. Fakt ist: Es muss für den Arbeitnehmer deutlich erkennbar sein, dass der Urlaub gewährt wurde.

So binden Unternehmen ihre Mitarbeiter

Platz 6

Stress auf der Arbeit nervt. Deshalb wünschen sich viele Mitarbeiter die Möglichkeit, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen. Gerade Leistungsträger eines Unternehmens finden dies wichtig (Platz vier). Nachwuchstalente hingegen sind offenbar noch stressresistenter - für sie gehört die Möglichkeit nicht zu den zehn Punkten, die sie an ein Unternehmen bindet.

Platz 5

Die Deutschen wollen auch eine gute Atmosphäre im Büro. Das Arbeitsumfeld gehört im Ranking Mitarbeiterbindung zu den Top Fünf. Bei Nachwuchstalenten kommt es sogar auf den vierten Platz.

Platz 4

Mitarbeiter wollen auf ihr Unternehmen Vertrauen können. Daher zählt für sie Vertrauen in das Top-Management (Platz vier). Für Nachwuchskräfte ist dieser Punkt tendenziell wichtiger (Platz drei). Bei Leistungsträgern kommt das Vertrauen gar an erster Stelle.

Platz 3

Wie bei der Mitarbeitergewinnung ist auch bei der Bindung die Sicherheit des Arbeitsplatzes von Bedeutung. Dazu zählen laut Towers Watson zum Beispiel eine verkürzte Probezeit bei einigen Stellen oder Alternativen zum Stellenabbau. Leistungsträger und Nachwuchstalente interessieren diese Punkte dagegen nur wenig: Bei ihnen kommt Sicherheit nur auf den sechsten Platz bzw. nicht in die Top Ten.

Platz 2

Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern zudem Chancen bieten, ihre Karriere voranzutreiben. Für Beschäftigte und Leistungsträger zählen Aufstiegsmöglichkeiten zu den zweitwichtigsten Aspekten in einem Job. Bei den Nachwuchskräften kommen die Karrierechancen sogar auf den ersten Platz.

Platz 1

Wer seine Mitarbeiter binden will, sollte vor allem eins: sie anständig bezahlen. Denn das Grundgehalt schafft es bei den meisten Deutschen auf Platz eins bei der Mitarbeiterbindung. Nachwuchskräfte und Leistungsträger finden den Lohn zwar auch wichtig (Platz zwei und drei), halten es aber nicht für das Hauptargument, einem Unternehmen treu zu bleiben.

Quelle: Towers Watson, Global Workforce Studie 2012

Eines gilt jedoch unabhängig von der Form: „Der Arbeitnehmer muss sich vergewissern, dass sein Antrag beim Vorgesetzten angekommen ist und dieser ihn genehmigt hat“, sagt Susanne Toussaint, Rechtsanwältin beim Berufsverband „Die Führungskräfte“. Wer ohne Genehmigung Urlaub macht, muss mit einer Abmahnung rechnen. In manchen Fällen sogar mit einer fristlosen Kündigung.

Bis wann sollten Arbeitnehmer spätestens ihren Urlaub beantragen?
Weil der Urlaub im entsprechenden Kalenderjahr genommen werden muss, rät Arbeitsrechtler Panzer dazu, den Urlaub so frühzeitig wie möglich zu beantragen. Denn: Um besser planen zu können, vergeben Chefs nach seiner Erfahrung meist am Ende des ersten Quartals eines Jahres die Urlaubstage. „Das schließt aber natürlich nicht aus, dass Mitarbeiter auch schon im Januar in den Urlaub gehen oder auch in den anderen Quartalen noch Urlaub beantragen und nehmen können.“

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