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01.06.2017

15:00 Uhr

Vergütungstransparenz

Neues Gesetz zur Lohngleichheit wird massiv unterschätzt

VonClaudia Obmann

Bald gilt das Entgelttransparenzgesetz – doch die Mehrheit der Unternehmen hat sich damit noch nicht befasst. Und keinen Überblick, ob Frauen und Männer für den gleichen Job gleich bezahlt werden. Das kann teuer werden.

Firmen können es sich gar nicht leisten, auf Frauen als hochqualifizierte Arbeitskräfte zu verzichten. Getty Images

Frauen stärken die Wirtschaft

Firmen können es sich gar nicht leisten, auf Frauen als hochqualifizierte Arbeitskräfte zu verzichten.

DüsseldorfDas neue Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) wird von Firmen aller Größen massiv unterschätzt. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung EY, für die 206 Personalverantwortliche in Unternehmen ab 200 Mitarbeitern in den Branchen Maschinenbau, Automobilbau, Finanzwesen sowie Chemie/Pharma befragt wurden. Obwohl das Gesetz schon in den nächsten Tagen in Kraft tritt, sobald der Bundespräsident seine Unterschrift geleistet hat und es im Bundesgesetzblatt verkündet worden ist, was ursprünglich für heute geplant war, haben sich erst wenige Unternehmen mit dem Thema befasst.

So haben lediglich 35 Prozent der befragten Betriebe Untersuchungen zur Lohngleichheit von männlichen und weiblichen Beschäftigten durchgeführt. „Die überwiegende Mehrheit der Firmen hat demnach keinen Überblick darüber, ob Frauen und Männer für den gleichen Job gleich bezahlt werden. Das kann große Schwierigkeiten mit der Mitarbeitermotivation, Imageverluste sowie Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat und vor Gericht mit sich bringen“, sagt Karl Wirth. Er ist Partner und Vergütungsexperte bei EY.

Netzwerken für Dummies

Freiwillig aushelfen

Wer Probleme damit hat, auf Fremde zuzugehen, sollte den Veranstaltern kurz vor dem Event seine Hilfe anbieten. So geht der angehende Netzwerker auf Nummer sicher, dass er nicht nur dumm in der Ecke rumsteht – schließlich hat er durch sein Engagement eine klare Aufgabe. Und währenddessen kommt er ganz zufällig mit neuen Menschen ins Gespräch, ohne dafür selbst den ersten Schritt machen zu müssen.

Gewohntes Umfeld verlassen

Leute außerhalb des direkten Umfeldes können dafür sorgen, dass man eine ganz neue Perspektive auf Projekte oder Probleme einnehmen kann. Jedem sollte eine Chance gegeben werden: Schließlich weiß man nie, wer einen interessanten Kontaktpartner ausmacht.

Frühzeitig da sein

Ganz wichtig beim Netzwerken: die Ruhe vor dem Sturm ausnutzen. Um neue Kontakte während einer Veranstaltung zu knüpfen, bietet es sich an, etwas früher da zu sein als die Mehrheit der Gäste. Denn wenn nur ein paar Menschen da sind, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf diese zuzugehen. Und dann ist auch die Chance groß, die Organisatoren oder Sprecher wichtiger Organisationen zu erwischen, bevor sie von einer Meute umringt werden, die sich gerne vorstellen will.

Nicht sofort drauf losschießen

Der angehende Netzwerker ist überpünktlich da, überwindet seine Hemmungen und gesellt sich zu einer kleinen Gruppe. Den größten Fehler, den er dann machen kann: einfach drauf losplappern. Wenn es zu einem Gespräch kommt, sollte er lieber erst einmal aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Schließlich ist Netzwerken keine Einbahnstraße: Wenn man ehrliches Interesse an den Problemen anderer zeigt, werden sie wahrscheinlich auch dasselbe für ihr Gegenüber tun.

Lächle

Noch Fragen?

Sich ein Ziel setzen

Schon vor der Veranstaltung sollte man sich gut überlegen, mit wie vielen Leuten man sich unterhalten will. Schließlich passt nicht jede x-beliebige Person in das persönliche Netzwerk. The Changer rät angehenden Netzwerkern deshalb dazu, sich vorab die Teilnehmerliste zu organisieren, um vorab herauszufinden, wer während des Events als möglicher neuer Kontakt geeignet ist.

Fragen zurechtlegen

Wenn geklärt ist, wen der angehende Netzwerker ansprechen möchte und warum, ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zurecht zu legen. Zum Beispiel: „Welche Vorschläge hast für mich?“ oder „Kennst du jemanden, mit dem ich mal reden sollte?“. Natürlich sollte man sich vorab auch Gedanken darüber machen, welche Fragen einem selbst gestellt werden könnten.

Rechtzeitig weiterziehen

Das Gespräch mit einer fremden Person kann super laufen. Das bedeutet aber nicht, dass man bis zum Ende der Veranstaltung zusammenbleibt. Spätestens nach zehn Minuten sollten Netzwerker weiterziehen – um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wem es schwer fällt, das Gespräch zu beenden, dem rät The Changer dazu, in einem geeigneten Moment die Businesscard zu zücken und vorzuschlagen, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt intensiver weiterzuführen.

Zweitkontakt intelligent herstellen

Der erste Kontakt wurde während des Events hergestellt. Im zweiten Schritt gilt es, den Zweitkontakt geschickt herzustellen. Wer allerdings nicht mehr zu bieten hat als „Schön, dich gestern kennengelernt zu haben“ läuft Gefahr, dass der Kontakt ins Leere läuft. Sinnvoll ist es, Informationen – zum Beispiel zu Gesprächsthemen – mitzuschicken, um zu beweisen, dass man als Kontaktperson wirklich etwas zu bieten hat.

Netzwerk pflegen

Netzwerken bedeutet nicht: Man tut es einmal und hakt es dann auf seiner Liste ab. Netzwerken muss vielmehr in die Arbeitsweise integriert werden. Wer wirklich von seinen Kontakten profitieren will, muss sie pflegen und Zeit investieren.

Quelle

Die Karriereplattform The Changer gibt in ihrem Buch „Karriere mit Sinn“ zehn Tipps, wie Laien zu Netzwerk-Experten werden.

Der Grund, aus dem das Gesetz verabschiedet wurde: Die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern beträgt im Durchschnitt 21 Prozent. Selbst wenn man herausrechnet, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, seltener in Führungspositionen aufsteigen oder eher in sozialen Berufen mit geringen Verdiensten tätig sind, bleibt noch immer eine Lücke von sieben Prozent im Durchschnitt. Um hier entgegenzuwirken, stellt das Gesetz konkret folgende Anforderungen: Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten werden aufgefordert, regelmäßig ihre Gehaltsstrukturen auf die Einhaltung der Entgeltgleichheit zu überprüfen.

Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, die lageberichtspflichtig sind, müssen zudem künftig regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit in ihrem Haus berichten. Hinzu kommt ein individueller Auskunftsanspruch der Mitarbeiter. Nach diesem kann in Unternehmen mit über 200 Beschäftigten jeder Arbeitnehmer erfragen, aus welchen Kriterien sich sein Gehalt zusammensetzt. Zudem muss er Auskunft darüber erhalten, wie viel eine Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts verdient.

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

01.06.2017, 16:05 Uhr

Sehr geehrte Frau Obmann,

zunächst einmal sollte man wissen, dass es kein Gesetz und keinen Tarifvertrag gibt, der unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen vorsieht. Daraus folgt: Wenn es tatsächlich eine Benachteiligung der Frauen geben sollte, muß sie aus der innerbetrieblichen Lohnfindung herrühren.

Reden wir einmal über diese innerbetriebliche Lohnfindung. Wir müssen uns bei diesem Thema allerdings auf zwei Schlüsselbranchen mit hohen Beschäftigtenzahlen beschränken. Gemeint ist der öffentliche Dienst und die Industrie. In beiden Branchen gibt es eine analytische Arbeitsbewertung.

Das bedeutet, dass eine paritätisch besetzte Kommission alle Arbeitsplätze eines Betriebes (nicht die Stelleninhaber) bewertet. Für zahlreiche Kriterien wie beispielsweise Ausbildung, Können, Verantwortung oder Umgebungseinflüsse werden Punkte vergeben, die am Schluß zu einer Gesamtzahl von Punkten zusammenaddiert werden. Die Gesamtzahl der erreichten Punkte bedeutet dann, dass ein Arbeitsplatz einer ganz bestimmten Lohngruppe zuzuordnen ist. Und der Lohn ergibt sich natürlich aus der jeweiligen Lohngruppe.

Mit ins Bild gehört auch, dass es in kaum einem Betrieb zwei Arbeitsplätze gibt, die sich völlig gleichen. Deshalb ist es wenig erfolgversprechend, sich über eine zu schlechte Bezahlung zu beschweren. Der Beschwerdeführer wird stets zu hören kriegen, dass alle Arbeitsplätze des Betriebes bewertet worden sind und dass die Anforderungen jedes Arbeitsplatzes über Lohngruppe und Vergütung entscheiden.

Herr Clemens Keil

01.06.2017, 17:29 Uhr

Ach, und was haben die Arbeitgeber und deren politischen Unterstützer nicht alles für Geschütze aufgefahren, um das Lohngleichheitsgesetz zu verhindern bzw. zu verwässern. Wie sich offensichtlich jetzt herausstellt: alles Luftblasen.
Was lernen wir daraus?
Die Union und Arbeitgeber wollen nicht moderne Familien- und Frauenpolitik (vgl. z.B. die aktuelle Ablehnung des Rückkehrrechts von Teilzeit in Vollzeit)! Wie kurzsichtig!

Es sind Wahlkampfzeiten:
https://youtu.be/dOa-fcp74uU
Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

Herr Uwe Baden

02.06.2017, 11:39 Uhr

Personalabteilungsbeschäftigungsgesetz wäre korrekter. Oder auch Politikerpseudoaktivitätsgesetz für ein Problem, dass zwar hochgeredet wird, praktisch aber nicht exisitiert.
Aus der angeblichen paygap von 22% beim Birnen mit Äpfelvergleich verschiedener Branchen, Tätigkeiten, Berufserfahrungen etc. bleiben lt. Destatis bereinigt 6% Unterschied. Wer dann noch weiss, dass die Daten ohne öffentlichen Dienst, ohne Kleinunternehmen bis 10 Mitarbeiter, ohne Landwirtschaft erhoben wird, der darf raten, ob mehr oder weniger als 2% Unterschied übrigbleiben. Sowas nenne ich statistisches Rauschen.
Quelle Destatis zu den berücksichtigten Wirtschaftszweigen, auf der Seite rechts unten: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VerdiensteArbeitskosten/FAQ/GenderPayGap.html

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