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12.10.2017

22:20 Uhr

Deutscher Digitalpreis „The Spark“

Das sind die Gewinner

VonChristof Kerkmann, Miriam Schröder

Die digitale Revolution krempelt alle Lebensbereiche um – auch die Landwirtschaft: Das Start-up Peat hat den deutschen Digitalpreis „The Spark“ gewonnen. Die App entdeckt Schädlinge mithilfe künstlicher Intelligenz.

Das Start-up Peat will dabei helfen, Ernteausfälle zu verhindern: Künstliche Intelligenz ermöglicht es, Pflanzenschädlinge auf Anhieb zu erkennen. dpa

Reisterrasse in China

Das Start-up Peat will dabei helfen, Ernteausfälle zu verhindern: Künstliche Intelligenz ermöglicht es, Pflanzenschädlinge auf Anhieb zu erkennen.

BerlinDie Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung gehört zu den drängenden Problemen des 21. Jahrhunderts. Ein deutsche Start-up will dabei helfen, es zu lösen: Peat aus Hannover hat eine App entwickelt, mit denen Bauern einfach herausfinden können, warum eine Pflanze krank ist. Ein Foto genügt, um verschiedene Schäden zu analysieren – und Ernteausfälle zu verhindern: Algorithmen gegen Käfer und Pilze.

Mit diesem Konzept hat Peat die Jury des deutschen Digitalpreises „The Spark“ überzeugt, den das Handelsblatt und die Unternehmensberatung McKinsey verleihen: Das Gründerteam um Chefin Simone Strey bekam am Donnerstag in Berlin die Auszeichnung verliehen. Platz 2 belegte der Logistikspezialist Cargonexx mit einer Plattform für Lkw-Transporte, Platz 3 der Softwareanbieter Smacc mit einer Buchhaltungssoftware für kleine und mittelständische Unternehmen.

The Spark - der deutsche Digitalpreis

Der Preis

Handelsblatt und McKinsey verleihen den deutschen Digitalpreis zum zweiten Mal. Er richtet sich an Start-ups, deren Ideen das Potenzial haben, ihre Branche grundlegend zu verändern. 2016 lag der Schwerpunkt auf dem Thema Industrie 4.0, 2017 auf künstlicher Intelligenz.

Die Finalisten

Aus Dutzenden Bewerbungen hat die Jury in einem mehrstufigen Prozess zehn Finalisten ausgewählt. Sie setzen künstliche Intelligenz in verschiedenen Szenarien ein, von der Landwirtschaft bis zur Logistik, von der Buchhaltung bis zur Patentanalyse.

Die Jury

Eine Jury mit 16 namhaften Kennern der deutschen Wirtschaft hat über die Bewerber entschieden (siehe Infokasten). Zudem waren drei wissenschaftliche Partner an dem Prozess beteiligt.

Das Handelsblatt und McKinsey verleihen den Preis an digitale Revolutionäre. In diesem Jahr standen Projekte im Mittelpunkt, die die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz verstehen, erfolgreich umsetzen und dabei eine große Reichweite anstreben. In einem mehrstufigen Prozess wählte die Jury aus Dutzenden Bewerbungen die zehn Finalisten aus, die am Donnerstag ihre Ideen noch einmal in einem Pitch präsentierten. Ihre Ideen reichen von der Landwirtschaft bis zur Logistik.

Das Start-up hat den deutschen Digitalpreis The Spark gewonnen.

Peat-Chefin Simone Strey

Das Start-up hat den deutschen Digitalpreis The Spark gewonnen.

Für die großen Ambitionen steht Peat exemplarisch. Das Hannoveraner Unternehmen nutzt eine Bilderkennung, um Veränderungen an Pflanzen auf den Grund zu gehen. Die Fotos für das Training des Algorithmus stammen aus einer Gemeinschaft von Forschern, aber auch von Nutzern, die die App verwenden. 40 Nutzpflanzen und mehr als 100 potenzielle Schäden erkennt die Technologie bislang.

Die Gründer wollen „den globalen Standard für die Klassifizierung von Pflanzenschäden“ setzen – die App wird international angeboten, die Nutzer stammen derzeit aus Indien, Brasilien und einigen afrikanischen Ländern. Der Algorithmus soll zudem nicht nur im Smartphone zum Einsatz kommen. Eine Vision: Eines Tages könnten solarbetriebene Roboter durch die Felder fahren, Unkraut mit dem Kameraauge erkennen und ausreißen.

Auch der Gründer von Cargonexx denkt groß: Rolf-Dieter Lafrenz will mit seiner Plattform „Lkw-Transporte so einfach machen wie Taxifahren“ – aufwendige Verhandlungen zwischen Speditionen und ihren Kunden sollen der Vergangenheit angehören. Ein Algorithmus namens Manni kalkuliert die Ladungsströme und berechnet auf dieser Grundlage einen Preis. Neben Tourendaten berücksichtigt das System 400 Faktoren wie Wochentag, Saison oder Großveranstaltungen.

Die Jury des Digitalpreises The Spark

Sven Afhüppe

Chefredakteur Handelsblatt

Cornelius Baur

Deutschlandchef McKinsey & Company

Lak Ananth

CEO und Managing Partner von Next47

Jackson Bond

Chief Product Officer und Mitgründer von Relayr

Peter Leibinger

Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der TRUMPF GmbH + Co. KG und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Lasertechnik/Elektronik, verantwortlich für Forschung und Entwicklung

Johann Jungwirth

Chief Digital Officer Volkswagen AG

Jörn Nikolay

Managing Director General Atlantic

Christian Schlögl

Chief Technology Officer der Kuka AG

Frank Rosenberger

Mitglied des Vorstands der TUI Group – zuständig für IT und Neue Märkte

Klaus Glatz

Chief Digital Officer der Andritz AG

Ann-Kristin Achleitner

Wissenschaftliche Direktorin des Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS), Technische Universität München

Lucian Schönefelder

Director KKR, Head of European Growth Equity and Digital Media PE

Bernhard Schölkopf

Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Megumi Ikeda

Managing Director, Hearst Ventures & General Manager, Hearst Ventures Europe

Chris Boos

CEO & Gründer der Arago GmbH

Sabina Jeschke

Direktorin des Cybernetics Labs an der RWTH Aachen

Der Berliner Softwareanbieter Smacc hat eine Zielgruppe ausgemacht, zu der allein in Deutschland 400.000 Unternehmen zählen: Er will die Buchhaltung bei kleinen und mittelständischen Firmen weitgehend automatisieren. Dafür liest Scanner beispielsweise Rechnungen ein und weist sie dem passenden Buchführungskonto und der Kostenstelle zu. Auch Start-ups und Mittelständler sollen von Prozessoptimierung profitieren – und immer im Blick behalten, wie es um ihre Finanzen bestellt ist.

Bei der ersten Verleihung 2016 standen Geschäftsmodelle im Mittelpunkt, die die Vernetzung der Industrie vorantreiben. Sieger war die Berliner Firma Relayr, die eine Plattform fürs Internet der Dinge entwickelt hat. Firmenkunden können damit Daten aus Maschinen auslesen und analysieren, etwa für die Optimierung von Fahrstühlen. Zu den ausgezeichneten Firmen zählten auch Konux, das die Weichen auf Zugstrecken intelligent vernetzt, und Navvis, das digitale Karten von Innenräumen erstellt.

„The Spark“ – Der deutsche Digitalpreis: Das Video von der Veranstaltung zum Nachschauen

„The Spark“ – Der deutsche Digitalpreis

Das Video von der Veranstaltung zum Nachschauen

Mit „The Spark“ haben Handelsblatt und McKinsey Deutschlands Digitalisierungs-Vorreiter gekürt. In jeweils drei Minuten präsentierten die Finalisten ihr Geschäftsmodell aus dem Bereich künstliche Intelligenz. Das Video zum Nachschauen.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

13.10.2017, 17:34 Uhr

"Doch am meisten überzeugt hat die Jury (…) die Pflanzenkrankheit-Analyse-App von Peat. Rund 15 bis 30 Prozent der weltweiten Ernte gehen jedes Jahr verloren. „Wenn Sie Probleme lösen können Sie langfristig erfolgreich sein“, begründet Baur die Jury-Entscheidung."

Richtige Entscheidung, finde ich. Vor allem vor dem Hintergrund der gestern in nachfolgendem Artikel veröffentlichten Informationen:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/welthunger-index-2017-wo-der-kampf-gegen-hunger-erfolgreich-ist-und-wo-nicht/20447568.html

Da den meisten Bewohnern der sog. "unterentwickelten" Länder die dafür notwendigen Grundvoraussetzungen fehlen - was in aller Regel n i c h t ihre Schuld ist -, haben die Bewohner der in dieser Hinsicht (also was ihre faktischen Möglichkeiten wie Bildung, Kapitalausstattung, Technologien, Güter im Allgemeinen und v.a. auch Zugang zu Informationen angeht) "privilegierteren" bzw. bessergestellten Länder aus meiner Sicht nicht nur die humanitäre - von mir aus: moralische - Pflicht, den "zurückgebliebenen" Bevölkerungen dahingehend beizustehen, dass diese ihren Rückstand bezüglich der Ermöglichung menschenwürdiger Lebensumstände schnellstmöglich aufholen können.

Sondern dies liegt nicht zuletzt auch in deren - also unser aller - höchsteigenem Interesse.

Denn Armut und Perspektivlosigkeit - kurz: menschenunwürdige Lebensbedingungen - sind erwiesenermaßen die Brutstätte für Hass, Gewalt, Fanatismus und Terror.

Es muss endlich (zumindest annähernd) Chancengleichheit einziehen.

Dies in erster Linie in Form von (KI-unterstützten) globalen Ideennetzwerken und wo immer möglich, darauf folgend der Umsetzung der dabei gewonnenen Erkenntnisse direkt vor Ort. Und überall dort, wo alle Erfahrung dafür spricht, dass dies ratsam wäre - insbesondere in Ländern mit korrupten und/oder unfähigen Regierungen -, unter Umgehung staatlicher "Machtinstanzen".

Aber n i c h t in Form von Geldtransfers in "offizielle" bzw. staatliche Bürokratie-Kanäle.

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